Glitzernde Instawelt – Die zersplitternde Illusion

Instawelt Zitate Malisa Studie

Zwei Zitate aus der Malisa-Studie zum Thema „Selbstinszenierung in den neuen Medien“, die alles bestätigen, was wahrscheinlich nicht nur ich, sondern sehr viele Menschen über die Instawelt denken. Immer wieder verteidige ich Instagram vor Freunden und Familie, die mir sagen, wie oberflächlich sie dieses ganze Business finden. Und ich erzähle von Frauen, die genau das Gegenteil tun, die für Selbstliebe und Bodypositivity einstehen. Frauen, die zu ihren Kurven stehen, die Cellulite, Pickel, dünne Haare, Schwabbelarme oder kleine Brüste nicht leugnen. Und gerade als ich dachte, dass wir wirklich etwas bewegen, kam diese Studie angeflattert und hat mir links und rechts eine Ohrfeige verpasst, um mich aufzuwecken und mir zu zeigen, dass ich ein ganz falsches Instaweltbild habe.

Stillstand

Nichts hat sich geändert. Rein gar nichts! Ich bin ehrlich, ich möchte nicht mit den Zwanzigjährigen von heute tauschen. Ich dachte, dass ich es schon schwer hatte als dickes, unscheinbares Mädchen, das seinen Stil nicht so richtig finden wollte aus Angst gesehen zu werden, sich hinter viel Make-up versteckt hat und sein Herz in einen Bunker gesperrt hat, um nicht verletzt zu werden. Denn selbst ohne diese Instawelt war der gesellschaftliche Druck in und nach meiner Pubertät enorm. Der Druck perfekt auszusehen. Der Druck schlank zu sein. Der Druck die richtige Kleidung zu tragen. Der Druck cool und beliebt zu sein. Und mir wird richtig schlecht, wenn ich an diese Zeit denke.

Aber jetzt? Wie halten Mädchen und junge Frauen das überhaupt aus? Wie schafft ihr es eine starke Persönlichkeit zu entwickeln, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen, Mitmenschen zu vertrauen und euch in eurem Körper wohlzufühlen? Wie? Bitte verratet es mir! Wie entkommt ihr dieser verlogenen Instawelt, in der Bilder mit zig Filtern bearbeitet werden, Influencer sich kleinen Schönheitsops unterziehen und behaupten es wären gute Gene. Wie? Wie könnt ihr morgens in den Spiegel schauen und verstehen, dass ihr wundervolle Menschen seid, weil ihr eben so seid, wie ihr seid und nicht wie Influencer, Youtuber oder Models. Wie? Wie könnt ihr noch unterscheiden was echt und fake ist, wenn euch den ganzen Tag eine perfekte Scheinwelt vorgekaukelt wird. Wie?

Keine Frage des Alters

Selbst mit meinen 32 Jahren fällt mir all das mir immer noch schwer. Dabei folge ich schon lange nur noch Menschen auf Instagram, die mich inspirieren – und zwar nicht durch Make-up-Tutorials, Shopping-Hauls und Pranks. Sondern mit nachhaltigen Gedanken, gesunden Rezepten und Hommagen an die Selbstliebe. Und trotzdem gibt es so viele Tage, an denen ich vor dem Spiegel stehe, an mir, meinem Aussehen und meinem Charakter zweifle. Ich fühle mich nicht schön, nicht genug, nicht bedeutend.

Nachdem die Studie rauskam, habe ich auf Instagram eine Umfrage gemacht: Fühlst du dich durch Influencer unter Druck gesetzt, was dein Aussehen angeht? 36 Prozent haben für Ja gestimmt – für mich ein schockierendes Ergebnis! In der Studie haben sogar 63 Prozent der Befragten angegeben, dass sie mehr Wert darauf legen schlanker zu sein, wenn sie Influencern folgen. Wo soll dieser Trend uns hinführen?

Instawelt Spiegel Schwarzweiß

Wir kreieren eine Welt, in der sich niemand mehr genug sein darf, sondern nach immer mehr Perfektion streben soll. Ist dieses Ziel überhaupt erreichbar? Und wenn ja, ist das erstrebenswert? Nicht jedes Ziel, das erreicht werden kann, ist sinnvoll. Ich bin zwar dafür sich weiterzuentwickeln, aber diese Entwicklung führt geradewegs in die Selbstzerstörung. Wir bekämpfen uns selbst, ohne es zu merken. Zu schön ist die glitzernde Instawelt, in der wir zu gerne mitspielen würden. Aber diese Welt existiert nicht. Sie ist nur ein glänzender Ballon voll heißer Luft, der immer wieder aufgepumpt werden muss, um nicht in sich zusammenzufallen.

Bringen wir den Instawelt-Ballon gemeinsam zum Platzen?

Ich habe lange überlegt, was der beste Weg sein könnte, um Menschen zum Umdenken zu bringen. Um Menschen überhaupt klarzumachen, wo wir uns, unsere Schwestern, Töchter, Cousinen, Freundinnen, Arbeitskolleginnen da überhaupt reinkatapulitiert haben. Niemand hat uns gezwungen mitzumachen, aber wir tun es. Wir quälen uns freiwillig. Mittlerweile zeigt jeder Fünfte im Alter zwischen elf und 17 Jahren Symptome für Essstörungen – meist Mädchen. Die Zahl der Betroffenen hat sich innerhalb von 20 Jahren mehr als verzehnfacht. Die Dunkelziffer wird noch viel höher sein.

Klar, wir können Medien, Werbung und großen Bloggern jetzt die Schuld geben, aber sie werden uns aus diesem vor Lügen triefenden, zerstörerischem Moloch nicht rausholen. Schließlich profitieren sie davon. Nein, wir können uns nur selbst befreien – jede für sich und doch alle gemeinsam. Es könnte allerdings schwieriger werden als gedacht, denn es ist wie so oft: Die, die es eigentlich betrifft, wollen es nicht hören, sehen oder drüber reden. Aber es geht eben nur mit dem ersten Schritt und der lautet: Erkennen.

Selbstwertschatzsuche

Lasst uns darüber sprechen, dass hier etwas gewaltig falsch läuft. Lasst uns das nicht auf die leichte Schulter nehmen und mit einem bearbeiteten Zahnpastalächeln weggrinsen. Denn auch wenn die Wahrheit nicht ausgesprochen wird, so bleibt sie doch die Wahrheit – so schwer das auch zu ertragen ist. Es gibt ein paar Blogger, die sich für Selbstliebe und Bodypositivity einsetzen. Das ist ein guter Anfang, aber es reicht noch lange nicht. So eine Bewegung braucht dich! Egal, ob du super aktiv in der Instawelt bist oder nur stille Mitleserin. Es ist dieser kollektive Gedanke, der sich durchsetzen muss. Der Gedanke von Selbstliebe, Respekt und Selbstvertrauen, den du deinen Kindern, deiner Nachbarin oder besten Freundin mit auf den Weg gibst. Das wird wiederum nur funktionieren, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind. Wenn wir aufhören unseren eigenen Körper zu hassen. Wenn wir aufhören einem utopischen Ideal hinterherzulaufen.

Anstatt an unserer äußeren Hülle zu feilen, wird es Zeit sich um das Innere zu kümmern. Und bevor das falsch verstanden wird: das heißt nicht, dass sich keiner mehr um sein Aussehen kümmern soll – bitte kein Schwarzweißdenken. Ich möchte keinen Kampf gegen andere Frauen führen und auch nicht gegen Männer. Das ist für mich nicht der erstrebenswerte Weg. Kämpfen bedeutet Gewalt – und Gewalt kann nie die Lösung sein. Ich möchte den Weg der Liebe gehen. Sprich: Durch einen liebevollen Umgang miteinander zeigen, dass jeder Mensch wertvoll ist – auch wenn man nicht wie Heidi Klum, Bibi oder Caro Daur aussieht – oder eben genau deswegen.

Lasst uns die Instaweltherrschaft übernehmen

Jeder Blick in den Spiegel ist die Chance mir Selbstvertrauen zu schenken. Jeder Instagrampost ist die Chance eine Message mit Mehrwert zu verbreiten. Jede Nachricht an eine Freundin ist die Chance ihr zu sagen, was für ein wundervoller Mensch sie ist. Diese Welle hat das Potential riesig zu werden und die unechte Instawelt in eine reale soziale Instawelt zu verwandeln, in der Menschen keinem Idol hinterherlaufen, sondern ihr eigenes Vorbild sind.

Ich möchte eine Gegenbewegung in Gang setzen. Darüber zu reden ist enorm wichtig – jetzt ist aber an der Zeit zu handeln und Selbstliebe wirklich (vor) zu leben.

Bist du dabei? Rütteln wir gemeinsam das Instaweltbild auf?

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