Augen auf – Warum du nicht vom Zucker loskommst

nosugar week Tag 4 Augen aufAn manchen Tagen frage ich mich: Wozu das alles eigentlich? Warum tue ich mir das überhaupt an? Warum esse ich nicht einfach so weiter wie vorher und nehme hin, dass überall Zucker drin ist? Mir würde so viel Anstrengung erspart bleiben. Und schon stehe ich wieder da, vor den zwei Toren: Bequem leben oder bewusst leben? Zeit die Augen zu öffnen.

Warum ich vor Zucker die Augen verschließe

Seit 1850 steht Zucker für Jedermann in Deutschland zu Verfügung. Natürlich gibt es Zucker schon viel länger, aber vorher war er unfassbar teuer und wurde deshalb nur von der Elite gegessen. Heutzutage ist Zucker nicht nur für Jedermann zugänglich, sondern wird ungefragt einfach nahezu überall untergemischt. So ist es also kein Wunder, dass so gut wie jeder von uns schon seit der Kindheit an Zucker gewöhnt ist. Ob in Gläschen, Milchpulver oder „Babykeksen“ – Zucker ist gerade in Produkten für Kleinkinder in großer Menge zugesetzt. Wundert es wirklich noch irgendjemanden, dass es beim Thema Zucker keinen Aufschrei gibt, wenn so viele seit der Kindheit am Zuckertropf hängen?!

Kommen irgendwelche Feiertage, gibt es Kuchen bei den Großeltern. Hast du eine gute Note geschrieben, darfst du dir eine Bonbontüte am Kiosk kaufen. Ach was sag ich, schon am ersten Schultag tragen Kinder ihr Zuckerkreuz in Form einer Schultüte. Hast du dir jemals bewusst gemacht, dass Kinder beim Arzt nach einer Behandlung eine Süßigkeit geschenkt bekommen? Vor diesem Hintergrund begreife ich heute erst, warum ich mich mit Schokolade oder einer Zimtschnecke belohne, wenn ich der Meinung war, dass ich etwas mit Bravour gemeistert habe. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich keine Heldentat mehr brauche, um mich mit Süßigkeiten zu verwöhnen.

Zu verstehen, dass diese Belohnungen keine echten Belohnungen waren, sondern mir dieses Verhaltensmuster ankonditioniert wurde, hat mir echt die Augen geöffnet. Und das macht mir wiederum klar, warum ich Jahre gebraucht habe, um überhaupt mit dem Zucker Schluss zu machen. Jemandem der mich so lange begleitet hat, zeige ich nicht einfach so die kalte Schulter.

Der weiße Kristall und sein wahres Gesicht

Beißt du in eine Zitrone, heißt es: Man, ist die sauer! Beißt du in ein Chicoréeblatt, heißt es: Uh, ist das bitter. Isst du ein Stück Torte, heißt es: Oh, ist die lecker! Unsere Geschmackswahrnehmung hat sich durch die Lebensmittelindustrie stark verändert. Zucker wird in der Regel nicht als Süße wahrgenommen, sondern als Das schmeckt mir gut. Das liegt daran, dass in unserem Essen sein Antagonist – der Bitterstoff – immer mehr verdrängt wird. Wenn also alles süß ist, dann schmeckt es für uns irgendwann eben nicht mehr süß – sondern normal. Wie ein Fisch, der sich eben auch nicht im klaren darüber ist, dass ihn nur Wasser umgibt.

Lässt man den Zucker weg, nimmt man die natürliche Süße lange erstmal nicht wahr. Ironischerweise haben wir das Gefühl, dass wir uns unserer Lebensqualität berauben, wenn wir auf den extremen Zuckerkonsum verzichten. Tatsächlich jedoch gewinnen wir unsere Fähigkeit zurück, natürliche Geschmäcker wieder wahrzunehmen. Es gibt viele Lebensmittel, die von Natur aus eine wohlschmeckende Süße haben. Doch durch den extremen Zuckerkonsum sind unsere Geschmacksknospen für natürliche Süße vollkommen desensibilisiert worden.

Seitdem ich keinen Zucker mehr esse, schmeckt Tomatenketchup für mich wie eine rote Zuckersauce, während er vorher für mich einfach nur nach Tomate geschmeckt hat. Zucker ist wie ein Ninja – er ist gefährlich, unsichtbar und schleicht auf leisen Sohlen.

Das Bewusstsein als Augenöffner

Zucker ist der Endgegner. Um ihn zu besiegen, muss man nicht nur seine Tarnung erkennen, sondern auch sein Wirken begreifen. Erst dann kann man ihn besiegen, indem man seinen Bezug zu ihm verändert. Etwas was ich nicht erkenne, kann ich nicht verstehen und etwas, was ich nicht verstehe, kann ich niemals verändern, denn ich wüsste schließlich nicht, dass es ein Problem gibt. Möchtest du vom Zucker loskommen, darfst du nicht mit der Veränderung beginnen. Denn so rennst du geradewegs in die Arme des Endgegners. Du kennst weder seine Waffen, noch wie er im Innersten tickt. Du stürmst nicht nur planlos, sondern vor allem ratlos zurück in die Zuckerfalle.

Schließe deine Augen: Begreife, dass jede Veränderung in dir selbst beginnt. Richte deine Aufmerksamkeit von außen nach innen. Entdecke, dass die Wurzel des Problems in dir selbst lebt – nicht im Supermarkt, nicht auf dem Schreibtisch deines Arbeitskollegen und auch nicht bei der Geburtstagsparty deiner Mutter.

Fokussiere deinen Blick: Jetzt wo du den Endgegner mit deinen eigenen Augen entdeckt hast, beobachte ihn – auf Schritt und Tritt. Durchschaue seine Tricks. Lerne seine vielen Gesichter zu unterscheiden. Durchdringe seinen Wesenskern.

Peile das Ziel an: Erst jetzt bist du bereit für die große Reise. Du hast alle Illusionen abgelegt, die Spielchen durchschaut und weißt nun mit wem du es zu tun hast. Während du vorher gegen Windmühlen gekämpft hast, fängt deine Veränderung jetzt erst wirklich an.

Einfach nur etwas im Außen verändern zu wollen wird selten funktionieren. Erst wenn wir das Problem erkennen und verstehen, also einen innerlichen Prozess durchlaufen, kann eine Transformation erfolgreich sein. Klammert man diesen innerlichen Prozess aus, wird jeder Versuch einer Veränderung auf Widerstand treffen. Und zwar auf Widerstand von sich selbst, gegen sich selbst. Wir kämpfen gegen uns. Ohne ein Warum, scheint das Wie unerträglich. Heißt es von irgendwo Verzichte einfach auf Zucker, ohne dass du weißt, warum du auf Zucker verzichten sollst, wird es so lange einen Widerstand in dir geben, bis das Warum nicht geklärt ist. Denn das Warum ist dein innerlicher Prozess und den kann dir keiner abnehmen.

Öffne deine Augen!

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2 Kommentare

  1. Hallo Serin,

    der Vergleich mit Zitrone & Chicorée ist wirklich ein kleiner Augenöffner. Denn es ist genauso, wie du schreibst: Süß bedeutet mittlerweile normal/gut in unserer Wahrnehmung.
    Ich habe letztes Jahr im September + Oktober auf Zucker verzichtet und auch recht schnell gemerkt, dass etwas mit Zucker plötzlich viel süßer schmeckt als es mir vorher vorkam. Leider bin ich damals nicht dran geblieben, versuche aber jetzt, nach und nach wieder mehr Zucker wegzulassen.

    Deine Zucker-Beiträge sind da immer wieder eine große Hilfe, danke dafür!

    Liebe Grüße,
    Chrissi

    • Serintogo

      Liebe Chrissi,

      es freut mich, wenn ich dir mit meinen Beiträgen helfen kann. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf deinem zuckerfreien Weg!

      Liebe Grüße

      Serin <3

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