Warum Umweltschutz nichts bringt

Umweltschutz

Als ich gestern durch einen nahegelegenen Park gelaufen bin und bewusst Müll auf dem Weg eingesammelt habe, wurde mir nach einigen Schritten eines klar: Ich lebe in einer Blase. In einer Instagram-Blase, in der wir jeden Tag feiern, wie schnell der Umweltschutz wächst. In der wir uns für unsere Fair-Fashion-Outfits loben, unsere neuste Trinkflasche aus Edelstahl präsentieren und aus krummen Lebensmitteln 3-Gänge-Menüs zaubern.

Wir leben einen grünen Lifestyle, der sich so anfühlt, als wäre er alltäglich. Aber jeden Tag, wenn ich zur Arbeit gehe, wenn ich nach einem Wochenende vor meine Haustür blicke, wenn ich durch die Stadt laufe, dann sehen ich die Realität. Und die schreit förmlich:

Umweltschutz bringt nichts!

In meinem Kopf verlagere ich das Problem mit dem Müll und dem Plastik gerne ins Ausland. Schließlich habe ich in allen asiatischen Ländern, in denen ich bisher war das gleiche Bild gesehen: meterhohe Müllberge, Plastikmüll an den schönsten Stränden dieser Erde, stinkende Motoren und null Sensibilität für das Thema. Die Länder sind in Sachen Umweltschutz soweit, wie Deutschland mit dem schnellen Internet: es dauert! Aus jedem Urlaub komme ich zurück und denke mir, wie gut ich es doch hier habe. Aber bei genauerer Betrachtung läuft hier dann doch noch sehr viel schief.

Denn wie kann es sein, dass Menschen immer noch Müll einfach auf die Straße oder in Büsche werfen – warum? Wie kann es sein, dass die meisten immer noch Kaffeebecher-to-go kaufen, obwohl gefühlt jeden Tag darüber berichtet wird, wie schädlich die Becher für unsere Umwelt sind. Warum ist in Supermärkten noch immer so viel Obst und Gemüse in Plastik verpackt bzw. die Leute packen sich die Dinge selber in Plastiktüten, wo doch immer wieder darauf hingewiesen wird, dass Plastik Jahrhunderte braucht, um zu zersetzen. Wieso zerdeppern Partypeople vor meiner Tür Woche für Woche hunderte von Flaschen, ohne am nächsten Tag ein schlechtes Gewissen zu haben?

Wieso ist so vielen Menschen Umweltschutz einfach egal?

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem mich das wirklich deprimiert. Auch wenn es schon eine große Community gibt, die jeden Tag dafür sorgt, dass es unserem Planeten wieder besser geht, sorgt doch der Großteil der Menschheit für das Gegenteil. Wenn ich sehe, wie der Park bei mir um die Ecke nach einem sonnigen Wochenende aussieht, dann lässt mich das am gesunden Menschenverstand zweifeln (Lest dazu einen sehr passenden Kommentar von Christin von Mit Vergnügen Köln). Außerhalb der eigenen vier Wände wird die Verantwortung für unsere Umwelt einfach abgegeben – an wen eigentlich? Egal, Hauptsache bequem. Es ist aber auch so unfassbar anstrengend einen Mülleimer zu finden, einen Einkaufsbeutel mit in den Supermarkt zu nehmen und seinen Kaffee vor Ort zu trinken oder eben drauf zu verzichten, wenn man keinen Becher dabei hat.

Wir sind bequem. Unfassbar bequem. Und Umweltschutz scheint es eben nicht zu sein. Da muss man nachdenken, umdenken, sich neu orientieren und alte Verhaltensmuster ablegen – nein danke! Wieso haben so viele Menschen keine Lust auf diese Reise? Was könnte passieren? Im schlimmsten Fall könnte sich unser Planet erholen. Wir könnten in plastikfreien Meeren schwimmen, frische Luft atmen und unbehandelte Lebensmittel essen. Doch das klingt offenbar so bedrohlich, dass wir lieber in Meeren voller Mikroplastik schwimmen, abgasgeschwängerte Luft einatmen und glyphosatverseuchte und antibiotikavollgespritze Lebensmittel runterwürgen. Vom natürlichen Zustand sind die meisten von uns so unfassbar weit entfernt, wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Wir haben die Connection zur Erde verloren. Mittlerweile ist es für die meisten etwas besonderes in der Natur zu sein, frische Luft zu atmen, Tiere in freier Wildbahn zu sehen und einfach mal Stille genießen zu können. Wie weit wollen wir uns noch von uns selbst entfernen?

Der Aufschrei ist groß, wenn Schildkröten an Plastik ersticken, Schneeleoparden vom Aussterben bedroht sind und Bienen durch Insektizide vergiftet werden. Aber wer ist Schuld? Wer trägt die Verantwortung? Die Industrie natürlich. Und wer tut jetzt etwas dagegen? Die Ökos natürlich. Spaß beiseite – denn eigentlich bist du Industrie und Öko gleichzeitig. So wie John Lennon einst sinngemäß in einem Interview sagte: Die Menschen beklagen, dass nur die Regierung die Macht hat, dabei bist DU die Regierung.

Umweltschutz ist nicht einfach nur ab und zu mal Fahrradfahren. Umweltschutz bedeutet vor allem wieder zu dem zurück zu finden, deren Teil wir sind. Nämlich der Natur.  Es gibt einfach keine Ausreden mehr, denn alles ist transparent. Im Internet brauchst du nur ein paar Klicks, um unzählige Dokumentationen über Umweltthemen zu finden. Von allen Seiten gibt es Lösungen – jetzt heißt es einfach mal machen!

Trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich denke: Umweltschutz bringt doch nichts. Weil ich einfach so viele Menschen sehe, denen es so egal ist. Aber dann erkenne ich, dass ich meinen Fokus neu ausrichten muss. Nicht auf das, was eben nicht gut läuft, sondern auf das, was schon funktioniert. Und es gibt einfach so tolle Projekte, die zeigen, dass einfach so viel möglich ist. Es gibt so viele Menschen, die wirklich etwas ändern wollen und sich nicht von der Masse einschüchtern lassen. Und diese Menschen will ich mit meinem Herzen unterstützen.

Rousseau Natur

 

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3 Kommentare

  1. Liebe Serin,
    schöner Text! Mir tut es immer sehr weh, wenn ich Leute dabei beobachte ihre Kippen-Reste auf die Erde zu werfen, wenn ich Fast-Food-Müll im Gebüsch entdecke und auch schon, wenn mir auf den Wochenmarkt 90% der Leute mit Einweg-Tüten entgegenkommen. Gleichzeitig bin ich immer wieder beeindruckt, wie viel wir „Ökos“ mit unserem Handeln erreichen können.
    Liebe Grüße
    Vanessa

  2. Hallo liebe Serin,
    ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen – mir geht es ganz genauso, sobald ich mal aus meiner „grünen Filterblase“ stolpere. Mut machen mir dann aber doch wieder die Menschen in der Filterblase. Da bin ich froh um jede*n einzelne*n! 🙂
    Ich habe auf meinem Blog einen Artikel mit ähnlichen Gedanken verfasst, es geht unter anderem darum, dass Nachhaltigkeit ganz ohne Verzicht nicht funktioniert – dass der aber auch Freiheit bedeuten kann. Vielleicht hast du ja Lust mal reinzulesen: https://www.getonyourway.de/beitrag/gesellschaftlicher-wandel-nachhaltig-leben/
    Liebe Grüße aus der grünen Filterblase! 🙂
    Marcella

  3. Claudia

    Liebe Serin,

    ich hab grad lang überlegt wie ich das jetzt formulieren soll… aber bei mir schließt das Eine das Andere irgendwie nicht aus. Ich bin mir einerseits total darüber bewusst, dass (leider) immer noch sehr viele Menschen überhaupt nicht (umwelt-)bewusst leben und andererseits glaube ich dennoch felsenfest daran, dass es sehr wohl viel bringt, wenn ich selbst (in meiner kleinen grünen Blase) darauf achte, so nachhaltig wie möglich zu leben. Und ich lebe ja auch sehr GERN so.

    Und ich finde es gerade sehr sehr schön zu wissen, dass es noch andere Menschen gibt, die Müll aufsammeln und entsorgen. Und manchmal, wenn ich gerade wieder etwas auflese, habe ich das Gefühl, dass gerade dieser Moment vielleicht etwas ändern könnte. Wenn Menschen mich dabei sehen und vielleicht sowas denken wie „Boah die hebt fremden Müll auf… das könnte ich eigentlich auch mal machen.“ oder „Hm irgendwie peinlich, gerade gestern habe ich etwas einfach auf die Straße geworfen…“ – Mag sein, dass ich MEGA naiv bin. Oder einfach nur hoffnungslose Optimistin. Ooooder aber, dass es tatsächlich so ist. 😉 Und wenn’s nur ein einziger Mensch ist, der durch Leute wie uns umdenkt, ist es doch einer mehr als gestern. 🙂

    Alles Liebe!
    Claudia

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