Nie wieder Selfies? | #21TageohneSelfie

Selfies

Drei Wochen sind um. 21 Tage ohne Selfie. Und in meinem Bewusstsein hat sich so einiges getan. Als ich die Challenge (mal wieder spontan) gestartet habe, wusste ich ehrlich gesagt nicht, wie viel Tiefe das Thema Selfies haben könnte. Jetzt weiß ich, dass ich noch tiefer und tiefer graben könnte und immer mehr Aspekte finden würde, die zum Thema passen würden. Da mir von Anfang an klar war, dass es eben nicht nur um das Foto an sich gehen sollte, sondern eher um die Fotorückseite, habe ich zuerst einmal viele Studien gelesen, die sich mit Selfies auseinandersetzen. Gleichzeitig war ich erstaunt, wie viele es tatsächlich gibt. Google mal!

Sind Selfies nur Fotos?

Das Selfie kommt so harmlos daher. Wie viel kann so ein Foto schon bedeuten? Spätestens als ich mich mit dem Thema Normopathie auseinandergesetzt habe, ist mir klar geworden, dass unser gesellschaftliches Zusammenleben nicht in die Richtung läuft, die sich für mich gut anfühlen würde. Mitlaufen, um nicht isoliert zu sein. Nachahmen, um nicht aufzufallen – oder um zu GEfallen. Zufall, wie oft das Wort Fall in unserer Sprache vorkommt? Wohin fallen wir eigentlich? Und stehen wir wieder auf?

Selfies sind für mich nach diesen drei Wochen mehr als mein Selbstportrait. Ich sehe darin die Suche nach Anerkennung, einen Hauch von Narzissmus, einen Ausdruck meiner eigenen Wahrnehmung, die wiederum auch viel über mich aussagt. Und gegebenenfalls nicht die ganze Wahrheit – zumindest bei mir sind Selfies selten Oneshots und meistens auch bearbeitet. All das ist gar nicht wertend gemeint, sondern eher eine Art Selbstreflexion. In den letzten drei Wochen habe ich angefangen, mir näher zu kommen. Und zwar nicht meinen guten Seiten, die ich natürlich gerne hervorhebe, sondern eher meinen Schattenseiten. Meinen Ängsten. Meinen unterdrückten Gefühlen. Meinen verdrängten vermeintlichen Schwächen.

Ich habe mir noch mehr Gedanken über meinen Selbstwert gemacht und versuche immer noch zu verstehen, wieso er so gering ist. Gleichzeitig habe ich die glitzernde Insta-Scheinwelt hinterfragt – was gibt mir Instagram und was nimmt es mir? Ist Social Media eine Chance oder ein Fluch, oder beides? Kann mein Verstand zwischen der Illusion und der Realität überhaupt (noch) unterscheiden? Denn das bezweifle ich des Öfteren.

Selfie nach innen

Und auch wenn die Challenge nur 21 Tage ging, war es für mich erst der Anfang meiner Selbstreflexion. Sollte man sich jemals nicht selbst reflektieren?! Wie geht es jetzt weiter? Keine Selfies mehr? Nach meinen letzten Challenges bin ich meistens strikt geblieben. Wenn ich aber eins gelernt habe, dann ist das: Keine Dogmen. Ich bin gerne streng zu mir selbst und in einem gewissen Maße gefällt mir das auch. Manchmal ist es aber zu viel. Nach der #30Tageungeschminkt Challenge bin ich ungeschminkt geblieben. Wenn ich jetzt das Verlangen habe, mich schminken zu müssen, dann würde ich es tun – warum? Weil ich weiß, dass ich es nicht brauche und auch ohne kann. Mit dem Zucker steht es genau so.

Mir das einzugestehen und zu erlauben war gar nicht so leicht, weil ich das Gefühl hatte zu versagen. Jetzt fühle ich mich aber einfach nur erleichtert, weil es nämlich nicht heißt, dass ich jetzt wieder vollgekleistert mit 10 Tafeln Schokolade durch die Gegend laufe – aber selbst wenn, wäre das okay für mich.

Und genau so handhabe ich es mit den Selfies. Wenn ich eins machen möchte, dann tue ich es, gleichzeitig habe ich mir vorgenommen zu hinterfragen, warum ich das Selfie eigentlich mache, bearbeite oder poste. In den letzten Wochen gab es nämlich tatsächlich die ein oder andere Situation, in der ich dachte: Och, jetzt ein Foto oder Video?! Es nicht zu tun fiel mir nicht schwer, aber ich habe endlich mal gemerkt, wie oft ich dazu neige, mich selbst zu fotografieren bzw. darzustellen.

Die Spitze des digitalen Eisbergs

Wozu der ganze Stress fragen sich jetzt vielleicht einige. Warum kann sie nicht einfach ein Foto machen und gut ist? Weil ich der Meinung bin, dass wir die Auswirkungen von der digitalen Welt auf unser echtes Leben unterschätzen. Cyberkrieg, Cybermobbing, Cyberkriminalität – das Internet gibt es gerade mal seit 20 Jahren und es ist zu einer eigenen Welt geworden. Eine virtuelle Scheinwelt ohne Regeln, ohne Ende und ohne Ausnahme. Was einmal online ist, das bleibt online. Jeder kann sehen was du machst, aber du kannst nicht sehen wer jeder ist. Bin ich mir bei jedem Post darüber bewusst? Selfies sind nur die plakative Spitze des digitalen Eisbergs.

Mit der #21TageohneSelfie Challenge möchte ich ein Bewusstsein schaffen. Ein Bewusstsein für dich, dein Auftreten, deine Selbstdarstellung, deinen Selbstwert, deinen Schatten und gleichzeitig ein Bewusstsein dafür, wie wir andere wahrnehmen, wie schnell wir verurteilen und bewerten.

Ich habe einen neuen Blickwinkel – auf Selfies und auf mein Selbst.

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