Rückfall – Aufgeben oder Aufstehen?

Lavendel am FensterUnglaublich, wie lange ich jetzt rumgedruckst habe, um diesen Text zu schreiben. Zu verführerisch war der Selbstbetrug. Dieses Gerüst aus Lügen und Scham, das ich mir mühsam in den letzten Wochen aufgebaut habe. Doch es bröckelt – gewaltig! Und vielleicht kennst du diesen Spruch noch von deinen Eltern: Ich bin nicht sauer, ich bin enttäuscht! Und so geht es mir auch. Ich bin enttäuscht. Enttäuscht von mir selbst. Denn ich hatte einen Rückfall. Die Zuckerfalle hat zugeschnappt und eine klaffende Wunde hinterlassen. Und mir das einzugestehen und wieder aufzustehen ist alles andere als leicht für mich.

Was war eigentlich passiert?

Schleichend und leise hat es angefangen. Hier mal ein Stückchen Kuchen probieren. Da mal ein Bonbon naschen. Ich bin clean, also kann mir nichts passieren. Weit gefehlt! Es kam schlimmer, als ich es geahnt habt. Und hier sitze ich nun. Frustriert, enttäuscht und bei Null. Wochenlang hat mich die Situation runtergezogen. Ich habe es einfach nicht geschafft wieder reinzukommen. Und jedes Mal, wenn ich wieder versagt habe, habe ich mich noch schlechter gefühlt. Da waren die alten Verhaltensmuster wieder, gegen die ich doch das ganze Jahr angekämpft hatte.

Wochenlang habe ich mich gefragt, woher meine schlechte Laune kommt – und mich mit dieser Frage selbst betrogen. Bei jedem Gang auf die Waage haben auch Stoßgebete nichts mehr genützt, denn natürlich ist mein Gewicht von diesem Dilemma nicht verschont geblieben. Aber ich wollte es einfach nicht sehen. Wollte nicht wahrhaben, dass ausgerechnet ich, die doch ein Vorbild in Sachen Zuckerfreiheit sein wollte, einen Rückfall hatte. Also habe ich die Waage ignoriert, wollte den Blog schließen und mich meinem Schicksal ergeben. Jedes Kindergartenkind war in letzter Zeit definitiv selbstreflektierter als ich.

Erkenntnis

Letzte Woche ist mir dann endlich etwas klar geworden. Sind nicht das genau die Situationen, die es zu überwinden gilt? Meine größte Sorge war nicht, dass ich mir etwas schlechtes antue, indem ich mich wieder vom Zucker verführen lasse. Die größte Sorge war, nicht mehr authentisch zu sein. Meine Leser betrogen zu haben. Mein Gesicht zu verlieren. Aber hey, bin ich nicht auch nur ein Mensch mit Ecken und Kanten? Habe ich das Projekt für andere oder für mich begonnen? Wem bin ich hier überhaupt etwas schuldig?

Und sobald ich mir diese Fragen gestellt hatte, wurde mir so einiges klar. Vor allem aber, dass ich ehrlich sein will. Mit mir selber und ebenso mit euch. Natürlich hätte ich meinen Rückfall verschweigen können und euch ein perfektes Leben vorspielen können, in dem es super easy ist, immer zu widerstehen, sich stets perfekt zu ernähren. Ein Leben voller Filter und Lügen.

Und mir ist das Risiko bewusst, dass ich jetzt eingehe. Einige werden mich vielleicht belächeln, weil ich es eben nicht geschafft habe – was auch immer geschafft überhaupt heißen mag – denn ich habe keine Wette abgeschlossen oder bin einen Pakt eingegangen. Andere werden vielleicht enttäuscht sein und mich als Anti-Zucker-Vorbild nicht mehr ernst nehmen. Aber all das nehme ich in Kauf, um jetzt endlich wieder in Balance zu kommen. Um wieder zu verstehen, was ich mir eigentlich antue. Um mich daran zu erinnern, wie gut ich mich zuckerfrei gefühlt habe. Und wenn ich das schon einmal geschafft habe, dann kann ich das ja wohl immer wieder schaffen, oder?

Serin in Koblenz

Seit ein paar Tagen bin ich wieder am Start. Aber ich bin vorsichtiger. Denn ich weiß: Das ist ein Prozess. An manchen Tagen wird es einfach, an anderen schwierig. Und jederzeit kann mich so ein Rückfall wieder ereilen. Aber jetzt gerade habe ich endlich wieder die Kraft, um weiter zu machen. Um von vorne anzufangen.

Wie habe ich das gemacht?

Ich habe mich selbst gefragt, was ich mir eigentlich wert bin. Und in letzter Zeit war das offenbar nicht viel. Diese Tatsache hat mich einerseits erschrocken und mir andererseits aber gezeigt: Ich muss was tun! Also habe ich eine Liste gemacht, mit Dingen die mich ausmachen – sowohl positiv, als auch negativ. Mit dieser Liste habe ich mir gezeigt, dass es da ja doch einige Sachen gibt, die ich an mir mag und wertschätze. Dann habe ich angefangen ein Visionboard zu basteln. Zwar hatte ich damals eine Goal-Card, die schon wirklich gut und nützlich war, aber ein Visionboard umfasst Ziele für das gesamte Leben. Ein großer Punkt: Zuckerfrei leben! Ich habe mir meine 30TageohneZucker-Challenge nochmal durchgelesen und mir bewusst gemacht, wie gut ich mich damals gefühlt habe. Und genau dieses Gefühl will ich zurück! Deshalb koche ich wieder regelmäßig frisch für mich – leckere zuckerfreie Dinge. Und alle mit viel Liebe. Ich habe wieder angefangen alles zu zelebrieren, was ich esse. Und das fühlt sich verdammt gut an!

Und heute fühle ich mich endlich besser. Nicht mehr aufgedunsen. Nicht mehr schlapp. Und nicht mehr zutiefst betrübt. Ich kann wieder in den Spiegel schauen, ohne mich zu ärgern. Und ich schaffe es endlich wieder zu widerstehen. Aber das Wichtigste: Ich fühle mich nicht mehr wie ein Versager. Dieser Rückfall hat mir gezeigt, dass eben nicht immer alles nach Plan läuft. Dass Rückschläge dazu gehören. Und eben keine Niederlage sind, sondern eine neue Chance. Die man entweder ergreifen kann oder auch nicht. Ich habe für mein Verhalten Verantwortung übernommen. Ich habe akzeptiert, dass ich einen Rückfall hatte und genau damit einen Strich unter die Sache gemacht und wieder von vorne angefangen. Wusstest du eigentlich, dass ein Kleinkind, das laufen lernt, am Tag 100 Mal hinfällt? Und trotzdem steht es jedes Mal wieder auf, ohne, dass man es motivieren muss. Ich bin jetzt das erste Mal gefallen und mit einem kindlichen Lächeln stehe ich wieder auf. Denn ich möchte schließlich zuckerfrei durch mein Leben laufen.

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