Können. Wollen. Machen!

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Ich liebe es während des Badens Dokumentationen auf meinem Macbook zu schauen. Und als ich letzte Woche mal wieder ein viel zu heißes Bad eingelassen habe und minutenlang warten musste, bis ich überhaupt in die Wanne steigen konnte, habe ich die Zeit genutzt und bei Netflix gestöbert. Food Choices – hm, kenn ich noch nicht. Dokus über bewusste Ernährung sind aber genau mein Ding. Also habe ich auf Play geklickt und bin ganz langsam in das, immer noch zu heiße, Wasser gestiegen. In der Doku war nicht viel, was ich noch nicht über vegane Ernährung wusste. Ich war zugegebener Maßen überrascht, dass hier ganz offen über Fakten über Fleisch und Milchprodukte gesprochen wurde, die ich mir vorher mühselig in Büchern, Vorträgen oder Foren raussuchen musste. Und jetzt habe ich all das plötzlich knallhart in einer leicht zugänglichen Netflixdokumentation zusammengefasst gesehen.

Seit vielen Jahren ernähre ich mich nun schon vegetarisch. Und seit fast genauso vielen Jahren weiß ich, dass Milchprodukte meinem Körper nicht gut tun. Ich weiß es nicht nur, sondern, ich merke es jedes einzelne Mal, wenn ich Käse esse. Pickel, ein Blähbauch, Müdigkeit, ein muffiger Geschmack im Mund. Und langfristig verfolgt mich der Gedanke, dass tierisches Eiweiß Krebszellen begünstigen könnte. (Hier geht’s zur Studie der University of California).

Dass ich Lust auf Muttermilch habe ist ja generell schon bedenklich. Ich weiß, dass ich mir einfach nur vor Augen führen muss, wie pervers das eigentlich ist, dass ich die Muttermilch einer anderen Spezies trinke. Ich – ein ausgewachsener Mensch.  Aber, wenn ich in ein Käsebrot beiße, dann verschließe ich die Augen vor dieser Realität, genauso wie ich es damals bei Fleisch getan habe. Ich benehme mich, wie ein kleines Kind, dass denkt keiner sieht es, wenn es sich die Augen zu hält. Aber ich bin 30 Jahre alt. Ich trage Verantwortung für mein Leben und das meines Umfelds – in diesem Fall von Tieren.

Manchmal kann ich das Leid regelrecht spüren. Weniger wenn ich Käse essen, als wenn ich mal ein Ei esse. Ich fühle, wie ich ein ungeborenes Leben verspeise. Das macht etwas mit mir. Schuldgefühle? Dokumentationen wie Earthlings oder Food Inc. konnte ich nicht am Stück gucken, weil die Bilder der leidenden Tiere zu krass für mich waren. Aber ich habe es dann doch getan. Ich habe mich der Realität gestellt. Und genau deshalb kann ich mich jetzt nicht verstehen.

Wieso verdammt nochmal kann ich dann nicht endlich aufhören? Wieso habe ich gestern auf der Party den Nudelsalat mit dem Fetakäse gegessen? Wann habe ich es zugelassen, dass ich nun doch wieder so viel Käse und manchmal sogar Eier esse, wenn ich doch so genau weiß, dass ich das nicht will. Wie kann ich etwas nicht wollen und doch tun? Wer zwingt mich? Gehören mein Wille und mein Verstand nicht zusammen?

Dass mich der Feta von gestern heute noch beschäftigt, werte ich für mich als gutes Zeichen. Mein Kopf macht sich endlich wieder Gedanken. Und zwar nicht nur unterbewusst, sondern ganz konkret in der Situation, in der ich so gerne anders handeln würde, als ich es eben tue. Ich habe mir fest vorgenommen zumindest erstmal keinen Käse mehr zu kaufen – Eier kaufe ich seit Jahren nicht. Und der Feta, der Hüttenkäse und das kleine Stück Parmesan, die alle noch in meinem Kühlschrank liegen, werde ich noch aufbrauchen – denn Wegschmeißen ist nicht! Ich versuche in den kommenden Tagen zu verstehen, was mich in der letzten Zeit dazu gebracht hat, meine Werte über Bord zu werfen und ohne schlechtes Gewissen Camembert und Bergkäse zu kaufen. Ich möchte nachvollziehen können, warum mein Verhalten so unlogisch ist. Als erwachsener Mensch glaubt man doch, dass man das tut, was man tun möchte. Dass man frei von Zwang lebt. Dass man seine Süchte erkennt. Aber ich merke schon wieder, welche Macht Gewohnheiten haben. Bei Zucker war das für mich so offensichtlich. Doch abgesehen davon, habe ich immer geglaubt, die Kontrolle zu haben. Aber, wenn ich sie nicht habe, wer hat sie dann eigentlich?

Heute habe ich komplett auf tierische Produkte verzichtet. Ich fühle mich gut. Nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch. Weil ich das getan habe, was ich wirklich will. Ich will selbstbestimmt leben. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne Reue. Ohne Leid. Ohne Schuld. Und da ich es schon mal geschafft habe, weiß ich auch, dass ich es kann.

Jetzt muss ich einfach nur wieder wollen.

davinci

 

 

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