Tag 26 – Emotionaler Hunger

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Ich hab Lust auf Schokolade und Pommes und Pizza und Crepes und Weingummi und dann noch ein großes Stück Torte. Und wenn ich all das gegessen habe, geht es mir danach besser. Hat das jemals jemand erlebt? Ich zumindest nicht. Denn wenn ich solche Gelüste habe und diese auch noch gewähren lasse, dann macht mich das alles andere als glücklich. Essen, um ein Verlangen zu befriedigen, Stress zu bewältigen oder Frust abzubauen nennt man Emotionales Essen.

Schon als Säugling verknüpfen wir unser Essverhalten an Emotionen. Das heißt, dass sowohl Emotionen unser Essverhalten ändern, als auch das Essverhalten Auswirkungen auf unsere Emotionen hat. Die Frage ist: Was passiert da eigentlich genau?

Zuerst einmal muss man festhalten, dass Emotionen auf jede Person und somit auch auf ihr Essverhalten anders wirken. Der eine isst bei Liebeskummer mehr, der andere hat null Appetit. Trotzdem gibt es Emotionen, bei denen ähnliche Verhaltensmuster festgestellt wurden. Bei Stress wird zum Beispiel Glukose  langsamer als sonst abgebaut, was dazu führt, dass wir weniger Hunger haben. Trotzdem kennen wir es gerade in Stresssituationen genau andersherum – dass man eben mehr isst. Daran ist der Botenstoff Cortisol Schuld – unser Stresshormon. Sobald wir uns gestresst fühlen, wird Cortisol ausgeschüttet. Unser Gehirn versucht eine ständige Cortisolflut zu vermeiden und pegelt unser Stress-Level runter. Dazu braucht es natürlich Energie. Und die gibt es am schnellsten aus: Zucker. Deshalb ist unser Verlangen nach Süßem in stressigen Situationen viel höher, als in entspannten. Auch deshalb halten wir Diäten so schlecht durch – denn die sind für uns purer Stress.

Aber woran erkennen wir jetzt, ob wir tatsächlich Hunger haben?

Zunächst wird Hunger sehr oft mit Durst verwechselt. Gerade nach dem Schlafen fehlt uns Wasser, da wir in der Nacht einen signifikanten Teil an Wasser durch die Atmung verlieren. Das wird morgens schnell mit der Lust auf Frühstück verwechselt – auch ich bekenne mich schuldig, denn ich trinke viel zu wenig und denke deshalb sehr oft, dass ich hungrig bin. Erst seitdem ich gezielt darauf achte, was und wieviel ich esse, erkenne ich plötzlich auch Durst. Echter Hunger kommt schleichend und lässt sich immer noch hinauszögern. Wir müssen nicht sofort essen, sondern können auch entspannt noch eine Weile warten. Bei echtem Hunger spüren wir, wie unser Magen knetet. Bei echtem Hunger ist es uns egal, was wir essen – wir sind für alles offen.

appetitAnders sieht es dagegen bei emotionalem Hunger aus. Er tritt ganz plötzlich auf und hat Lust auf etwas ganz bestimmtes. Der gefühlsbedingte Hunger will sofort befriedigt werden – wir können nicht warten. Und, wir werden nicht satt. Wenn wir echten Hunger haben, hören wir auf, wenn wir satt sind. Wenn wir emotional essen, dann kennen wir keine Grenzen. Und nach solchen Fressattacken kommen dann Gewissensbisse. Wir bereuen es danach sofort. Emotionales Essen hat entweder etwas mit Trost oder mit Belohnung zu tun – das Problem ist, das Essen wird uns nicht helfen. Und durch solche Fressattacken weitet sich der Magen so, dass wir beim nächsten Mal mindestens genau so viel Hunger haben.

Was können wir also tun, um emotionales Essen besser in den Griff zu bekommen? Die Lösung liegt mal wieder bei der Selbstbeobachtung und der daraus resultierenden Selbsterkenntnis. Beobachten, wann emotionales Essen auftritt. Bei Stress? Wenn wir depri sind? Wenn wir etwas Tolles geleistet haben? Wenn uns langweilig ist? Und dann in dieser Situation handeln. Den Teufelskreis durchbrechen.

Appetit ist also nicht gleich Hunger. Und Hunger nicht Appetit. Auch, wenn die Begriffe gerne synonym verwendet werden.

Das ist also des Puddings Kern: Der Zuckerteufel steckt wie immer im Detail.

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