Im Jetzt. 

Meistens hat man das Gefühl zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Auf Reisen geht es mir oft genau andersherum. Immer wieder merke ich, wie ich inne halte, um diesen einen Moment bewusst festzuhalten. Damit ich mich möglichst lange daran erinnere. 

Aber um zu dieser Erkenntnis zu gelangen reicht es für mich nicht, einfach nur da zu sitzen und zu sagen: So. Das ist jetzt der richtige Moment. 

Um in diesen Zustand zu kommen, muss man vor allem an seinem Bewusstsein arbeiten. Immer wieder erwische ich mich auf dieser Reise dabei, wie ich noch kurz eine Email schreibe. Noch kurz zehn mal den Wetterbericht checke. Noch kurz einmal die Nachrichten überfliege. Ich bin zwar im Urlaub. Aber ich bin nicht im Jetzt. 

Wie lange habe ich mich auf diese Reise gefreut? Also warum bin ich dann nur körperlich anwesend und plane im Kopf schon wieder irgendwelche Kalendereinträge und Listen? Warum kann ich Sonnenuntergänge und beeindruckende Landschaften nicht einfach nehmen wie sie sind und bewusst diesen Moment leben? Aber je mehr ich mich darüber ärgere, dass ich das eben nicht tue, desto schwerer wird es in diesen Entspannungsmodus zu kommen. 

Also los. Atmen. Beruhigen. Abschalten. Jetzt mach schon!

Ich versuche es erneut. Wir liegen am Strand. Ich bilde mir ein, dass ich Ruhe und Konzentration brauche um wirklich entspannen zu können. Also setze ich mich im halben Lotussitz auf die Liege. Ich starre auf das wilde Meer. Und ich denke das erste Mal darüber nach wie beeindruckend dieses riesige Gewässer eigentlich ist. Wie mächtig die Wellen sind. Und wie respektvoll wir eigentlich mit dieser Naturgewalt umgehen müssten. Mein Blick wandern zum Plastikmüll neben den Fischerbooten – so viel zum Respekt. 


Es hat funktioniert. Ich war im Jetzt. All meine Gedanken waren in genau diesem Moment. Ich hatte erreicht, was ich wollte. Und es gefiel mir. Also mehr davon. 

Aber ging das wirklich nur mit Konzentration und Ruhe? Kann man das üben? Kann ich es schaffen diesen Bewusstseinszustand schneller und einfacher zu erzeugen?

Ich probiere es noch einige Male. Und es funktioniert. Allerdings nur wieder mit intensivem Willen. 

Die Reise geht bald zu Ende. Wir sitzen beim Abendessen. Mit unseren neu gewonnenen Hotel-Freunden. Eine Australierin, ein Amerikaner und zwei Deutsche. Wir quatschten. Wir lachen. Alles sehr ausgelassen. Wir trinken ganz okayes Saigonbier (das Rote – denn das grüne hat der Amerikaner bereits leer getrunken – offenbar auf der ganzen Insel). Irgendwann guckt er rüber und fragt mich, wo ich denn wohl gerade mit meinen Gedanken wäre. Ja ich weiß. Ich bin überall. Aber nicht hier. Er schaute verblüfft. Aber wieso? Du hast hier doch gerade einen tollen Moment. 

Er hatte recht. Aber dieses Mal ärgerte ich mich nicht. Sondern ich war wieder da. Einfach so. Im Jetzt. In genau diesem Moment. Mit leckerem Essen. Mit tollen Leuten. Und vielen lustigen Momenten. 

In diesem Moment habe ich verstanden, was die ganze Zeit mein Problem gewesen war. Ich wollte es so sehr, anstatt es einfach zu sein. Das klingt banal. Und das ist es vielleicht auch. 

Aber dir kann jemand tausend mal sagen, dass du den Moment genießen sollst. Du wirst es erst schaffen, wenn du selbst zu dieser Erkenntnis kommst. 

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