Wenn ich mal groß bin…

Foto 18.05.14 23 24 47Erinnert ihr euch noch an diese Freundebücher, die man damals in der Schule rumgegeben hat, damit alle sich eintragen?

Ich habe heute morgen darüber nachgedacht, was ich damals bei Was ich mal werden will, wenn ich groß bin eingetragen habe. Und ich weiß, dass ich vor allem in der Grundschulzeit immer Künstlerin werden wollte. Ich habe gerne gemalt – Kunst war mein Lieblingsfach. Da war es für mich der naheliegendste Berufswunsch. Fernab von der Wahrscheinlichkeit ob das überhaupt klappen könnte oder ob man damit Geld verdienen kann.

Erst später habe ich herausgefunden, dass man scheinbar nicht einfach etwas werden kann. Nein! Mann muss erst irgendwelche Tests machen, Gespräche mit Beratern führen, unbezahlte Praktika absolvieren und sich bewerben, bewerben, bewerben – und dann studieren, studieren, studieren, um sich dann wieder zu bewerben, bewerben, bewerben.

Irgendwann zählt gar nicht mehr, ob es überhaupt der Job ist, den du ursprünglich wolltest. Ob du das geworden bist, wovon du immer geträumt hast. Ob du für diesen Beruf auch nur ein Fünkchen Passion aufbringen kannst. Irgendwann bist du einfach froh, dass du jetzt irgendwo arbeitest, deine Miete zahlen kannst, ab und zu ein paar neue Klamotten im Kleiderschrank hängen, der Kühlschrank einigermaßen voll ist und du am Ende des Monats nicht nur noch Nudeln mit Ketchup essen kannst.

Aber das Schlimmste ist, dass du irgendwann morgens aufwachst und feststellst, dass das nicht das Leben ist, was du führen wolltest. Klar, du kommst gut über die Runden. Die Kollegen sind alle ganz okay. Und du hasst deinen Job nicht – er ist solide. Aber er strengt dich an, weil er einfach nicht das ist, was du wirklich machen wolltest. Und jetzt bist du thirty something. Und dir wird dauernd gesagt, dass du jetzt eben zu alt seist, um was neues anzufangen.

Und so lebst du halbunglücklich vor dich hin und stellst dir heimlich vor, was wäre wenn…

Und so willst du wirklich weitermachen?

Warum sind wir nicht mutig? Warum lassen wir uns einreden, dass wir mit Ende Zwanzig oder Mitte Dreißig zu alt seien, um unseren Traum zu leben? Warum machen wir uns ständig sorgen um Geld, Geld, Geld? Wenn du wirklich das machen würdest, wovon du träumst, dann würdest du diesen Job mit so viel Hingabe und Leidenschaft machen, dass du auch wirklich davon leben könntest.

Und ja, Neuanfänge sind immer schwer. Vielleicht fluppt es nicht sofort. Und du solltest dein erstes Standbein möglicherweise erstmal behalten. Aber überleg doch mal wie das wär, wenn du genau das machen würdest, was du schon immer wolltest und irgendwann vielleicht davon leben könntest.

Was wär das nur für ein wohltuendes Gefühl?

Aber ganz so leicht ist es nicht. Nur wenige trauen sich alles aufzugeben und noch einmal von vorne anzufangen. Schließlich gehört meistens ein Studium, eine Umschulung oder ein bisschen Startkapital dazu – und ganz viel Mut. Und dann muss man seinen Eltern, seinem Partner, seinen Freunden oder seinem jetzigen Chef erstmal aufrichtig erklären, was man da eigentlich vor hat. An diesem Punkt scheitert es bei den meisten. Weil uns einfach immer noch zu wichtig ist, was andere von uns denken.

Aber was denkst du eigentlich von dir?

Während der Schulzeit dachte man, dass die krasseste Entscheidung im Leben, die Wahl der Leistungskurse wäre. Dabei stand die wirklich harte Prüfung erst nach der Schule an. Die Entscheidung, welchen Weg wir im Leben einschlagen. Wenn ich jetzt an mein 18-jähriges Ich zurückdenke, find ich es verrückt, dass dieses Mädchen dafür verantwortlich ist, was ich bis zur Rente mache. Klar, in den Jahren entwickelt sich noch einiges. Aber trotzdem. Man fängt dann ja eine Ausbildung oder ein Studium an, sucht sich einen Job und meistens bleibt es eben dabei.

Solange wir nicht ehrlich zu uns selbst sind, werden wir einfach so weiterleben. Mit dem ewigen Gemecker über die Arbeit. Mit dem ewigen Wunsch, dass wir im Lotto gewinnen und nie mehr zum verhassten Job müssen. Mit der immer weiter sinkenden Motivation für diesen Job täglich 100% geben zu müssen. Es bleibt einfach nur eine Pflichtaufgabe, mit dem netten Nebeneffekt, dass man Geld dafür bekommt.

Nur weil du mit deinem Job nicht zufrieden bist, heißt das natürlich noch lange nicht, dass du einfach alles hinschmeißen sollst – und dann  oh Wunder, die Eingebung hast und reich wrist – wir sind hier schließlich nicht in einer Hollywood-Romantikkomödie. Natürlich musst du dir sicher sein. Zu 150%. Denn du willst ja nicht nach 2 Jahren im neuen Job schon wieder alles aufgeben. Und egal welcher Job es dann wird – auch wenn es dir Spaß macht, wird es harte Arbeit.

Und manchmal muss es gar nicht unbedingt ein Jobwechsel sein. Wer sich nicht traut oder nicht sicher ist, der kann auch erstmal in seiner Freizeit damit anfangen, seinen Traum zu leben. Schreiben, Taschen nähen, malen oder backen. Und wenn du merkst, dass es das wirklich ist, kannst du aus dem Hobby immer noch einen Beruf machen.

Mein Papa sagt immer, dass man nicht stehen bleiben darf. Man muss immer nach mehr streben. Sich weiterentwickeln. Dazu lernen. Neue Dinge probieren. Keine Angst haben, was anderes zu machen.

Mit diesen Gedanken hat er mich sehr geprägt. Denn nur seinetwegen, habe ich den Mut, mich immer neu zu entfalten und keine Angst davor zu haben, dass etwas nicht klappen könnte. Und immer dran zu bleiben.

Denn wer weiß schon, was noch kommt, wenn ich mal groß bin…

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2 Kommentare

  1. Toller Beitrag 🙂
    Ich bin auch schon die ganze Zeit immer am Überlegen, was ich mit meiner Zukunft anstellen will 😉
    Was kommt nach der Ausbildung, was kommt nach den ersten Berufserfahrungen, will ich das weitermachen? Und die Liste hört gar nicht mehr auf 😉

    Ich hoffe , dass mir irgendwann ein Zeichen gegeben wird, was ich machen soll 😉

    Liebste Grüße
    Swantje von http://www.swanted.de/

    • Liebe Swantje,
      Ja diese verdammte Zukunft macht nur Ärger 😉
      Verrückterweise fügt sich ja alles irgendwann und erst dann merkt man wofür vieles gut war.
      Ich wünsche dir alles Gute!

      Liebe Grüße
      Serin

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