Minimal

MinimalDamals mit ungefähr 15 Jahren, hatte ich an meiner Zimmertür eine Klarsichtfolie hängen, in denen ich täglich neue Gedichte, Sprüche oder Geschichten geklemmt habe, damit meine Eltern bescheid wussten, wie die Lage so ist. Ein Spruch hing in dieser Folie besonders lange: Ordnung ist das halbe Leben und ich hasse halbe Sachen!

Ich war ein Chaot. Also so ein richtiger. Aufräumen hat für mich immer sehr wenig Sinn gemacht. Wozu das Bett machen? Da liege ich doch heute Abend eh wieder drin. Und wozu soll ich die frisch gewaschene Wäsche in den Schrank einsortieren? Auf dem Stuhl sehe ich doch viel besser, was ich so zum Anziehen hab. Und Staubwischen? All den ganzen Kram? Viel zu aufwendig. Und wenn ich Kram sage, dann meine ich sehr viel kleinen Schnickschnack, der sich in meinen Regalen ansammelte, tausende Postkarten, die ich entweder aus den exotischsten Ländern zugeschickt bekommen habe oder vor Kneipentoiletten ergattert habe. Alles habe ich gesammelt. In Kartons und an den Wänden. Wie spaßig es war, von zu Hause auszuziehen, kann sich jeder ausmalen.

Wenn man heute in meine Wohnung kommt, werden die meisten denken: Ok, an dem Chaos hat sich nicht viel getan. Und ob! Zumindest in meinem Kopf. Ja ich verstehe mittlerweile, dass Staubwischen ganz nützlich ist. Und ich stecke schon lange keine Postkarten mehr in Kneipen ein. Meine Freunde zwing ich aber immer noch dazu mir welche zu schicken. Und mein Bett mache ich auch nur, wenn ich im absoluten Aufräumwahn bin.

Aber ich bin auf den Geschmack des Aussortierens gekommen. Gerade, als ich all meinen Komsetikkram aus den vollgestellten Regalen und Schubladen entfernt habe, habe ich noch einmal deutlich gespürt, was für ein befreiendes Gefühl das ist. Und noch mehr. Ich merke momentan mal wieder, wie wenig ich eigentlich wirklich brauche.

Ich habe Kisten, die voll sind mit irgendwelchen Erinnerungsmetrokarten von dreitägigen Städetrips. Tausende Schlüsselanhänger. Kabel, von denen ich nicht weiß, wo man die wohl anschließen könnte. Alles ab in die Tonne. Nur Bücher sind mir heilig!

Minimalism ist momentan der Shit unter den Ordnungsfanatikern. Dabei geht es aber um viel mehr, als ums bloße Aufräumen. Es geht darum sich zu befreien. Es gibt Minimalisten, die sortieren alles aus, was sie einen Monat lang nicht benutzt haben. Es wird gespendet, verkauft oder entsorgt. Und das Ergebnis? Eine höhere Lebensqualität, weil man wirklich nur noch das besitzt was man wirklich braucht. Nicht mehr all den Kram.

Kein Krimskrams mehr. Kein Nippes. Kein Schnickschnack. Kein Gedöns. Kein Kladderadatsch. Kein Tinnef. Kein Klüngel. Einfach nur das Nötigste. Eben so viel wie man zum Leben braucht.

Der Gedanke gefällt mir. Von der Umsetzung bin ich noch meilenweit entfernt. Ich sortiere mal hier und mal dort ein bisschen aus. Und ich räume definitiv mehr auf als früher. Kann mich aber noch nicht so richtig von allem trennen. Aber ich glaube ich bin mitten im Prozess.

Noch beherrsche ich das Chaos – und vielleicht bald auch die Ordnung.

 

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