Fenster

Processed with VSCO with f2 presetTja. Da sitze ich. Am Fenster. Und warte auf das Glück. Ich weiß schon nicht mehr wie lange. Habe die Tage und Stunden nicht gezählt. Ich schaue raus und sehe die unzählig vielen Menschen. Frauen und Männer. Alt und jung. Groß und klein. Alle laufen sie an meinem Fenster vorbei. Ab und zu guckt einer hoch. Manchmal winkt jemand. Manchmal winke ich zurück. An manchen Tagen öffne ich das Fenster und schließe es wieder, wenn es irgendwann zu kalt wird. Ich weiche nicht von meinem Platz. Ich will das Glück nicht verpassen, wenn es endlich da ist. Aber ich will auch nicht selber losziehen und es suchen. Denn ich weiß ja: Das Glück kommt schließlich auch zu Ihnen. Es bringt nichts es erzwingen zu wollen.

Ich lehne meinen Kopf an die kalte Fensterscheibe. Fange an mit meinem Zeigefinger Dinge auf das beschlagene Glas zu malen. WO ist es? Wie lange muss ich hier nur warten? Was ist, wenn es nicht kommt? Was ist, wenn es mich nicht findet? Was ist, wenn es vorbeigelaufen ist? Was ist, wenn ich das Glück schon hatte, aber es nicht wusste? Woher weiß man, dass man es hat? Dass es DAS ist? Fühlt man sich anders? Gibt es überhaupt DAS Glück? Ist es nicht für jeden individuell und anders? Auf was warte ich da eigentlich?

Vielleicht ist es lächerlich und naiv zu denken, dass es einen irgendwann ereilen wird. Dass man morgens aufwacht und denkt: Ja, da ist es, das Glück. Das Gefühl, auf das ich so sehnsüchtig gewartet hab. Dass man irgendwann vollkommen ist. Zufrieden. Dass man sich leicht fühlt. Unbeschwert. Wohlig. Dass man irgendwann fühlt, dass man es jetzt einfach verdient hat. Dass man jetzt an der Reihe ist, endlich glücklich sein zu dürfen.

Und während ich so da sitze und auf die überfüllte Straße gucke, in die grauen Wolke starre und kurz die Augen schließe, frage ich mich, ob ich mit diesem Gefühl überhaupt umgehen könnte. Ob ich mich jemals so fühlen könnte, dass ich laut sagen könnte: Ich bin glücklich. Bedingungslos. Ich habe alles, was ich mir jemals gewünscht habe und es macht glücklich. Ganz einfach. Ohne Drama. Ohne Aber. Eben ein ganz leichtes unbeschwertes Gefühl. Dass einem so viel Last abnimmt. Und einem ein Dauerlächeln verpasst.

Und während ich vor mich hinträume und die Sache in meinem Kopf schon wieder verkompliziere, klingelt es plötzlich. Ich zucke zusammen. Alles ist still. Soll ich es wagen? Ist es da? Genau hinter der Tür? Mein Glück?

Ich hüpfe von der Fensterbank und schleiche langsam in den Flur. Ich lege die Hand auf die Türklinke.

Bin ich bereit?

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