Schlaflos Part 2

Processed with VSCOcam with x1 presetUnd plötzlich war sie wach. Aber nicht einfach so. Sondern etwas hatte sie geweckt. Und dann war sie mit diesem Schrecken wach geworden. Mit diesem Gefühl, das einige Sekunden andauert. Atmen. Atmen! Sie hatte ihre Türklingel gehört. War das nur ein Traum oder hatte es wirklich geschellt? Sie öffnete die Augen. Es war dunkel. Es musste mitten in der Nacht sein. Ohne sich umzudrehen tastete sie sich mit einer Hand an den Nachttisch um ihr Handy zu finden. Viertel vor drei. Keine Nachricht. Nicht mal eine Spam-Mail. Sie legte das Handy wieder zurück.

Wer hatte also geklingelt? Stand da wirklich jemand vor ihrer Tür? Sie konnte ihren Herzschlag spüren. Und für einen kurzen Augenblick dachte sie sogar, dass sie es hören konnte. Es raste. Sie hatte Angst. Denn erst jetzt war ihr klar, dass sie allein war. Ob er es gewesen ist, der an ihrer Tür geklingelt hatte? Er, der jetzt eigentlich neben ihr im Bett liegen sollte und ihr sagen sollte, dass es nur ein schlechter Traum gewesen war, der sie mit einem Schrecken geweckt hatte. Er, der jetzt zur Tür gehen sollte, um ihr zu beweisen, dass da wirklich keiner ist. Und dann hätte sie sich an ihn gekuschelt, die Augen geschlossen und hätte wieder behutsam einschlafen können.

Aber so war es nicht mehr. Und sie wusste, dass es nie wieder so sein würde. Und je länger sie darüber nachdachte, desto wacher wurde sie. Und irgendwann war das Angstgefühl kaum noch da. Ja, sie wünschte sich sogar für einen kurzen Augenblick, dass der vermeintliche Bösewicht vor ihrer Tür noch einmal klingeln würde, nur damit sie nicht weiter über die Vergangenheit nachdenken musste. Sie wartete ein paar Sekunden. Komm schon. Los. Klingel noch einmal. Los!

Aber es blieb still in ihrer Wohnung. Sie fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Ich bin nicht verrückt. Nein, ich bin ganz normal, flüsterte sie. Sie wusste nicht, wie lange sie es noch schaffen würde, sich einzureden, dass alles in Ordnung wäre. Insgeheim wusste sie, dass es so nicht mehr lange weiter gehen würde. Aber sie wusste auch, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Und, dass es ihr irgendwann wieder gut gehen würde. Aber diese Zeit dazwischen, diese Zeit erschien ihr unendlich. Und sie wurde verrückt bei dem Gedanken, dass dieses Gefühl nie wieder weggehen würde.

Sie stand auf, ging zur Wohnungstür und drehte den Schlüssel noch einmal um. Dann schlich sie wieder ins Schlafzimmer und legte sich zurück in ihr noch warmes Bett. Sie flüsterte in die Bettdecke. Nein, es steht niemand vor der Tür. Auch nicht er. Und ja, ich werde jetzt schlafen, denn ich habe keine Angst. Und ich brauche ihn nicht.

Und sie wusste, dass sie log.

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