Tut mir leid

Processed with VSCOcam with t1 presetEs tut mir leid. Wenn ich das so sage, dann kommen mir diese Worte so mickrig vor. Als würden sie nicht genügen. Es tut mir leid. Es tut mir wirklich leid. Dabei kann man es ehrlicher gar nicht sagen. Keine ausschweifenden Formulierungen. Kein Blabla. Einfach da sein.

Denn, wenn es jemandem schlecht geht, dann ist es doch genau das, was einem Trost spendet. Mitgefühl.

Keine vergleichenden Geschichten, dass es einem auch schon mal schlecht ging. Dass man auch schon mal in dieser Situation war. Dass man momentan auch traurig ist. Oder. Noch schlimmer. Aufmunterungsversuche. So schlimm ist das doch nicht. Es kommen auch wieder bessere Tage. Die Zeit heilt alle Wunden. Da muss jeder mal durch. Guck doch nicht so traurig. Das wird schon wieder. Jetzt ist auch mal gut mit traurig sein. Kopf hoch.

Alles Phrasen, die man nicht hören will. Und wahrscheinlich einfach gut gemeint. Und trotzdem bewirken sie nicht das, was sie sollen. Oder hat sich irgendjemand danach schon mal besser gefühlt?

Das Problem liegt eher darin, dass die meisten Menschen nicht die richtigen Worte finden. Nicht wissen, was sie sagen sollen. Sich mit der Situation überfordert fühlen. Und dann greift man eben auf harmlose leere Aussagen zurück. Die tun nicht weh und man hat dann wenigstens irgendwas gesagt, bevor man einfach nur schweigend daneben sitzt.

Dabei ist Schweigen manchmal gar nicht der schlechteste Weg. Und damit meine ich zusammen schweigen und nicht, dass man sich etwa aus der Affäre zieht.

Muss man denn immer was sagen? Gibt es überhaupt die richtigen Worte? Ja genau. Was möchte man überhaupt hören, wenn man traurig ist? Möchte man wirklich bemitleidet werden? Bevorzugt? Geschont werden?

Oder macht man sowas doch besser mit sich selber aus? Denn im Prinzip weiß man nur selber warum man sich nicht gut fühlt und man denkt, man wüsste was jetzt hilft. Man kann wunderbar in Selbstmitleid baden, ohne dass jemand genervt davon ist. Weil es einfach keiner mitkriegt. Was will man also mehr? Aber wenn das so einfach wär, dann wär die ganze Sache mit dem Trost ja unnötig. Denn will man nicht tatsächlich ein bisschen Mitleid, wenn man sich nicht gut fühlt? Ist es nicht gerade diese Auskotzen bei anderen, dass uns erleichtert?

Aber es gibt Grenzen. Natürlich kann man das Thema immer wieder durchkauen. Je nach Schweregrad sogar ziemlich oft. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem das Mitleid der anderen schwindet. Und das kann man keinem übel nehmen. Denn es ist nicht böse gemeint. Auch der beste Freund hat eben irgendwann alles gegeben, um deine schlechten Gefühle aufzunehmen und sich dein Leid anzuhören.

Und egal ob es ein Tut mir leid war, Ablenkungsversuche oder gemeinsames Schweigen. Jemand war für uns da, um uns Trost zu spenden. Nur darauf kommt es an.

 

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