Unzufrieden.

Processed with VSCOcam with b5 presetWir wollen immer alles. Kriegen nie genug. Immer mehr mehr mehr. Aber was wir am meisten wollen, das sind die Sachen, die wir nicht haben können. Dann drehen wir so richtig durch. Als würde jemand einen Schalter in unserem Kopf umlegen. Und wir blenden alles andere um uns herum aus. Haben, haben, haben! Um jeden Preis.

Wenn wir Locken haben, wollen wir glatte Haare. Wohnen wir in der Großstadt, liebäugeln wir mit Häusern auf dem Land. Haben wir einen stressigen Job, warten wir sehnsüchtig auf den Urlaub. Und wenn wir gelangweilt zuhause sitzen, könnten wir eigentlich auch arbeiten gehen. Wir stehen auf vergebene Männer, auf verheiratete. Und vor allem auf die, die uns nicht wollen. Jagen ist wohl unsere unterbewusste heimliche Leidenschaft. Kriegen wir die Kerle dann doch, dann wären wir lieber wieder Single. Denn bei unseren anderen Freundinnen klingt das plötzlich doch ganz spaßig. Sind wir Single, würden wir alles für einen Pärchensonntag tun. Wir wollen auswandern und haben Heimweh. Wir wollen dauernd Pommes essen und wundern uns, dass wir nicht Size 0 tragen.

Wieso sind wir immer so ätzend unzufrieden? Warum reicht uns das, was wir haben, nie aus? Warum wollen wir immer nur das, was wir nicht haben können?

Angefangen hat doch alles schon im Sandkasten. Als wir das Spielzeug haben wollten, mit dem der Kindergartenfreund gerade einen Sandkuchen backt. Mama hätte uns jedes andere Sandförmchen geben können, aber das reicht uns nicht. Wir wollen genau das, was der andere hat. Sofort!

In diesem Alter hat sich wahrscheinlich entschieden, ob wir Prinzessinnen werden, die alles kriegen, was sie haben möchten oder ob wir genügsame Menschen werden, die mit dem zufrieden sind, was sie haben. Auch wenn wir vielleicht mit dem Alter bescheidener werden, bin ich davon überzeugt, dass das Haben-wollen-Gen in uns allen steckt. Und so ein bisschen Kampfgeist ist bestimmt gesund. Aber wenn dieser Drang zu einem Wahn wird und wir total fixiert auf die eine Sache sind, wird es leicht verrückt.

Aber das Schlimmste an der Sache ist eigentlich, dass wir genau wissen, dass wir nicht unbedingt glücklicher oder zufriedener sind, wenn wir bekommen haben, was wir wollten. Weil der Reiz verloren ist. Und nur um diesen Reiz geht es doch. Nicht um irgendwelches Sandspielzeug oder lange Walla-Walla-Haare. Es geht einzig und allein darum, dass wir sagen können, bääääm wir haben das bekommen, was wir haben wollten. Und nach kurzer Zeit merken wir, dass Pommes gar nicht mehr so toll sind, wenn man sie jeden Tag isst, dass der Typ seine Freundin für uns verlassen hat und das wahrscheinlich immer wieder tun würde und dass Sandkuchen scheiße schmeckt.

Aber das weiß man halt erst, wenn man mal probiert hat.

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