Gewissenhaft.

Processed with VSCOcam with t1 presetGestern saß ich den ganzen Tag in Joggingbuchse auf meiner Couch. Der erste freie Tag nach vielen stressigen Arbeitstagen. Also habe ich bis halb zehn geschlafen. Habe mir einen Tee gemacht und mich mit Decke auf die Couch gelegt, um den ganzen Tag Schrott im Fernsehen zu gucken. Ungeduscht. Immerhin meine Zähne hab ich mir geputzt. Gegen Mittag habe ich dann eine Nachricht bekommen. Ob ich abends mit zum Shoppen kommen würde. Donnerstag ist Weihnachtsfeier. Wir brauchen was zum anziehen. Und da war es. Das schlechte Gewissen. Es gab keinen Grund Nein zu sagen. Schließlich habe ich den ganzen Tag nichts gemacht. Also wirklich nichts. Ich habe nicht mal gestaubsaugt. Obwohl das dringend nötig gewesen wär. Aber ich war einfach faul. Wenn ich jetzt zusage, dann müsste ich duschen. Und Haare föhnen. Und frische Unterwäsche anziehen. Und das tat ich. Denn mein schlechtes Gewissen war zu groß. Obwohl die letzten Tage echt hart waren. Ich keine Pause hatte. Aber sowas zählt dann alles nicht mehr.  Nur mit ganz viel Disziplin oder einem ordentlichen Kater schaffe ich es vorsätzlich nichts zu tun. Ich bin einfach der perfekte Kandidat für ein schlechtes Gewissen. In allen Lebenslagen.

Wieso bekomme ich so schnell Gewissensbisse? Wieso kann ich nicht mal Dinge tun, ohne zu überlegen, ob es jemandem schadet oder ohne, dass jemand denken könnte, ich würde etwas falsches tun? Denn eigentlich ist es doch meine Sache, ob ich faul zuhause rumliege, ob ich eine Hausarbeit nicht abgebe, ob ich eine Verabredung mit einer Lüge absage, ob ich die Personalchefin darauf hinweise, dass mir letzten Monat zu viel Geld überwiesen wurde, ob ich wirklich krank bin oder nicht arbeiten kann, weil ich keinen Bock habe.

Aber dann kommt dieses Gefühl. So etwas ganz beklemmendes. Und man kann an nichts anderes mehr denken. Nicht mehr schlafen. Und man weiß, dass die Karmapunkte gerade ganz schön ins Minus gehen. Und man ärgert sich, dass man nicht einer dieser gewissenloser Arschlöcher ist.

Also überwindet man sich. Ist ehrlich. Und fühlt sich besser. Naja. Hinterher zumindest. Denn im ersten Moment fragt man sich, wofür das ganze? Und trotzdem wissen wir, dass nur der ehrliche Weg der einzig richtige ist. Wie ätzend!

Gefunden haben wir beim Shoppen natürlich nichts für die Weihnachtsfeier. Aber als ich wieder zuhause war und in meine Jogginghose geschlüpft bin, um wieder auf die Couch zu kriechen, habe ich mich besser gefühlt. Schließlich war ich draußen. Geduscht! Habe mich bemüht. Und habe es jetzt sowas von verdient einfach nur rumzuliegen. Danke, verdammtes Gewissen!

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