Das Carrie-Problem

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Ich gebe es zu. Ich vergötter sie ein bisschen. Ja, ich weiß, es ist eine Serie. Aber trotzdem. Seitdem ich Sex and the City das erste Mal gesehen hab, möchte ich ein bisschen so sein wie sie. Ein bisschen lockig. Ein bisschen newyorkig. Ein bisschen fabelhaft. Eben ein bisschen Carrie.

Klar. Ich kann mir keine Manolos leisten. Und auch das Apartment in Manhattan muss noch ein bisschen warten. Aber eins haben Mrs. Bradshaw und ich schon gemeinsam. Naja zumindest hatten wir das. Wir waren nämlich beide Single. Bis sie unbedingt Mr. Big heiraten musste. Seitdem ist Carrie für mich nicht mehr die gleiche. Denn ich habe sie als Single geliebt. Ich habe es geliebt, wie sie sich für ihre Dates rausputzt. Wie sie mit den Mädels diskutiert, was Männer denn wollen, verdammt! Ich habe ihre Wohnung geliebt, in der einfach keinen Platz für einen Mann war. Und auch das Hin und Her mit Big habe ich geliebt.

Carrie war eine von uns. Von uns Single-Girls. Keiner hätte je gedacht, dass sie jemals weg vom ewigen Single-Markt sein würde. Keiner hätte gedacht, dass sie weiß wie man eine echte Beziehung führt. Mit gemeinsamer Wohnung und Urlaub und Kochen und so. Und als Pärchen fand man sie dann tatsächlich irgendwie komisch. Uninteressant. Nicht mehr authentisch. Als würde was fehlen.

Als ich gestern im Bett lag und einfach nicht einschlafen konnte, da hab ich mich plötzlich gefragt, ob ich das auch hab. Das Carrie-Problem. Ob ich als Pärchen wirklich glücklicher wäre oder komisch? Oder ob ich als Single nicht fabelhafter bin. Passt das überhaupt zu mir? So ein Beziehungsleben? Würde ich dann vielleicht das werden, was ich immer so anprangere? Eine andere. Langweilige. So eine halbe Person? Die Spieleabende plant und den Single-Freundinnen sagt, dass sie natürlich auch herzlich eingeladen sind, aber dass sie dann bitte noch jemanden mitbringen sollen, damit wir eine grade Zahl ergeben. So eine Person, die ihren Single-Freundinnen sagt, dass sie immer noch mitkommt auf Männer-Jagd, damit euch mal einer zeigt, wie das wirklich geht.

Ja das klingt bekloppt. Ich weiß. Und doch frage ich mich, ob man Beziehung lernen kann. Ob das wirklich was für jeden ist. Ob einem das die erhoffte Erfüllung bringt. Ob so ein Leben zu Zweit nicht überbewertet wird. Ob man sich dann verändert. Egal ob zum Guten oder Schlechten. Und überhaupt. Warum Carrie so eine Verräterin ist!?

Ich bin dann irgendwann eingeschlafen und habe von Schuhen geträumt. Am Wochenende werde ich mal wieder bei der ersten Staffel anfangen. An dem Punkt, an dem alles noch in Ordnung war. Und Big einfach nur John war. Und Carrie noch eine von uns.

 

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