Angst.

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Hattest du schon mal so richtig Angst? Und ich meine nicht einen kurzen Schreck beim Horror-Film gucken. Sondern so richtig. So ein mulmiges Gefühl. So richtig beklemmend. Das echte Angst-Gefühl hat bei den meisten scheinbar erst vor einer Woche überhaupt einen Platz im Gefühlsrepertoire gefunden.

Klar gibt es Situationen, in denen man auch schon vorher Angst hatte. Abends alleine nachhause gehen zum Beispiel. Wenn man dann durch dunkle Straßen muss, dann hält man Handy und Schlüssel schon bereit. Oder Angst in engen Räumen, Angst vor Spinnen, Angst vorm Fliegen. Alles Ängste, von denen ich schon gehört habe und die ich sehr gut nachvollziehen kann.

Tja. Aber jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir anscheinend Angst vor allem und jedem haben müssen. Jeder ist verdächtig. Nirgends ist man mehr sicher. Jetzt wird bei jedem zwei Mal hingeguckt. Jeder von unten bis oben begutachtet. Man weiß ja nie!

Als ich vor ein paar Tagen an der U-Bahn-Haltestelle stand, habe ich eine Situation beobachtet, mit der ich schon gerechnet habe. Ich stand also so da. Dann trottete ein Mann den Weg zum Gleis entlang. Bart, Hütchen, Gewand. Oha. Jetzt wird’s spannend. Wie reagieren die Menschen, die jetzt seit Tagen darauf trainiert werden, sich vor Solchen in Acht zu nehmen? Es gibt jetzt scheinbar zwei Lager. Die einen, die sehr sehr unauffällig ein paar Schritte in die andere Richtung gehen. Weil sie nochmal auf den Fahrplan gucken müssen oder weil sie sich spontan die Beine vertreten müssen. Und dann gibt es die ganz Mutigen, die denken, dass sie jetzt extra nah kommen müssen und sich demonstrativ neben den Mann stellten. Ahjaaa. So läuft das jetzt also in Zukunft.

Aber rausnehmen kann ich mich da nicht. Denn manchmal erwische ich mich selber dabei. Und ich merke, dass wir tatsächlich schon ganz schön krass auf einige Situationen konditioniert sind. Wenn irgendwo ein einsamer Koffer steht, dann ärger ich mich darüber, dass ich panisch nach rechts und links gucke, ob der Besitzer irgendwo kurz etwas zum Müll bringt.

Also. Was machen wir jetzt mit dieser neuen Angst? Wie geht man damit am besten um? Einfach ignorieren? Kann das überhaupt klappen? Ist das fahrlässig? Aber übervorsichtig zu sein kann auch nicht der Weg sein. Oder vielleicht einfach weiterleben?

Ich bin genervt von der Panikmache. Ich bin genervt von den Angsthasen und ich bin genervt von den Supermutigen.

Bei mir hat sich bisher nichts geändert. Ich habe die Beobachtertolle eingenommen. Ich gucke mir an, wie die Leute draußen mit der Situation umgehen. Und vielleicht weiß ich dann auch irgendwann was die Angst mit mir macht und wie ich mit ihr leben kann.

 

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