Wieso nicht ich?

image1Manchmal, wenn ich vorm Spiegel stehe, halte ich einige Momente inne. Dann gucke ich mich einmal genau an. Meine braunen Augen. Meine Lippen. Meine Zähne. Jede einzelne Sommersprosse. Meine Locken. Meine kleinen Ohren. Die kleinen Fältchen an meinen Augen. Das bin ich. Je länger ich mich angucke, desto verrückter. Ich. Ein einzelner Mensch, mitten in dieser vollen verrückten Welt. In jeder Sekunde, in der ich mich weiter anstarre, passiert da draußen so unfassbar viel. Gutes und Schlechtes. Skurriles und Banales. Trauriges und Wundervolles. Menschen sterben und Babys werden geboren.

Von den meisten Dingen, die auf der Welt passieren kriegen wir nichts mit. Allein dieser Gedanke treibt mich schon in den Wahnsinn. Weil es meine Vorstellungskraft einfach übersteigt. 7,28 Milliarden Menschen leben zur Zeit auf unserem Planeten. Abgefahren.

Und je länger ich darüber nachdenke, desto dankbarer bin ich auch. Was für ein verrückter Zufall ist es, dass ich in dieses Leben hineingeboren wurde? 1986. Mitten im Ruhrgebiet. In einem sicheren Land. In einem schönen, behüteten Zuhause. Mit viel Liebe. Und allem was ich brauche. Dazu auch noch vollkommen gesund. Einfach so. Und deshalb mache ich mir die meiste Zeit keine Gedanken darüber. Sondern lebe eben so vor mich hin. Wie die meisten in meinem Umfeld.

Aber manchmal, in diesen Spiegel-Momenten, da kommt es über mich. Da frage ich mich dann wieso ich so viel Glück habe. Wieso es das Schicksal oder der Zufall so gut mit mir meint? Wieso müssen andere in Kriegsgebieten groß werden? Wieso bekommen manche Menschen unheilbare Krankheiten? Wieso müssen Menschen verhungern? Wieso kommen Menschen bei schrecklichen Unfällen ums Leben? Wieso erleiden manche so viele Schicksalsschläge? Wieso sind so viele Menschen arm? Warum so viele benachteiligt? Warum sind Menschen depressiv?

Diese Fragen klingen alle so banal. So kindlich. Und trotzdem frage ich mich immer wieder. Wieso die Anderen? Wieso nicht ich?

Natürlich gibt es auch Momente, in denen mir unschöne Sachen widerfahren. Aber unschön. Das Wort sagt es einfach schon. Kein Schicksalsschlag! Keine Katastrophe! Auch, wenn es mir in dem Moment so vorkommt. Als wär alles scheiße. Und mein Leben super ätzend. Im nächsten Moment schäme ich mich einfach nur noch. Ist es wirklich so schlimm? Jetzt gerade vielleicht. Aber zwei Tage später ist dann alles wieder gut.

Und dann stehe ich morgens wieder vor dem Spiegel. Gucke mir ganz lange in die Augen und schüttel den Kopf. Man, wie verrückt das Leben ist.

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