Wir müssen reden

IMG_3601Wenn du nichtsahnend auf dein Handy guckst und auf deinem Display eine Nachricht aufleuchtet mit diesem einen Satz: Wir müssen reden. Dann hast du entweder ein Problem oder du bist erleichtert, dass du diese Nachricht nicht schreiben musstest. Du bekommst Gänsehaut. Dir wird schlecht. Vielleicht zitterst du. Du fängst an zu schwitzen. Vielleicht weißt du worum es geht. Vielleicht überrascht dich diese Nachricht aber auch. Vielleicht hast du aber auch schon lange geahnt, dass dieser Moment irgendwann kommen wird.

Wenn sich jemand entschließt seinen ganzen Mut zusammenzunehmen und mit offenen Karten zu spielen, dann kannst du dir einer Sache ganz sicher sein. Du liegst diesem Menschen sehr am Herzen. Eine Wir-müssen-reden-Entscheidung fällt man nicht vom einen auf den anderen Moment. So eine Nachricht hat immer eine lange Vorgeschichte. Der Inhalt wurde oft schon mit anderen durchgekaut, der Rotstift einige Male angesetzt, bevor die korrigierte Endfassung dich erreicht. Bevor der Überbringer sicher war, dass er das Werk jetzt veröffentlichen kann und jede Kritik vertragen kann, die von dir kommen wird. Dann liest du. Und du liest. Und entweder du kannst verstehen, was der Autor dir damit sagen will oder du klappst das Buch zu und guckst ihn mit einem großen Fragezeichen im Gesicht an. Aber trotzdem kannst du froh sein, dass der Autor sich die Zeit genommen hat und dieses Werk für dich verfasst hat.

Der Autor hätte ebenso gut ein Aussitzer sein können. Der Aussitzer wartet ab und hofft, dass sich Probleme irgendwann von alleine klären. Ein idiotischer Plan? Ja, das weiß der Aussitzer auch. Aber der Aussitzer rennt lieber vor Konflikten weg, als sie auszudiskutieren. Und manchmal erreicht der Aussitzer dann auch sein Ziel. Aber diese eine Sache wird immer zwischen ihm und dem Wir-hätten-eigentlich-reden-müssen-Opfer stehen. Und manchmal geht eine Freundschaft oder Beziehung dann für seine Feigheit drauf. Aber das nimmt der Aussitzer dann in Kauf. Hauptsache keinen Streit.

Dem Ausdiskutierer hingegen ist es wichtig, dass nichts zwischen ihm und seinen Freunden steht. Wenn es ein Problem gibt, dann spricht er es an. Und ihm ist bewusst, dass es nicht einfach ist. Für beide Parteien. Aber er weiß auch, dass er die Harmonie nur so wiederherstellen kann. Oder, dass er seine Beziehung nur so retten kann. Und vielleicht muss er dann trösten oder bekommt ein Dann-muss-ich-dir-auch-was-sagen zurück. Aber damit kann der Ausdiskutierer umgehen.

Vielleicht sollten wir so ein Gespräch nicht mehr mit einem großen Wir müssen reden ankündigen. Dann ist auch keiner mehr nervös. Vielleicht sollten wir einfach nur miteinander reden.

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