Regenbögen und Einhörner

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Freitag. 3:15 Uhr. Mein Wecker klingelt. Frühschicht. Laune eher so mittel. Aber hey morgen ist Wochenende. Ich stehe auf und merke. Hmmm, mir geht’s gar nicht mal so gut. Kreislauf unten. Magen flau. Muss bestimmt kotzen. War ja klar. So kurz vorm Wochenende.  Ich gehe zur Arbeit. Heute wird’s bestimmt stressig. Freaky Friday und so. Ich male mir das Schlimmste aus. Mir ist immer noch schlecht. Ich warte auf eine Katastrophe auf der Arbeit. Denn ich bin Pessimistin. Aber es passiert…nichts. Komm beruhig dich. Denk an was schönes. Denk an Regenbögen und Einhörner!

Wieso geh ich immer vom Schlimmsten aus? Wieso denke ich immer, dass mir irgendwas furchtbares passieren muss, wenn es mir gerade so gut geht? Warum habe ich Angst ein gutes Gefühl einfach mal zu genießen?

14 Uhr. Feierabend. Mir ist immer noch schlecht. Aber jetzt kann ich nach Hause und den ganzen Tag in der Joggingbuchse auf der Couch verbringen und diese unsägliche Serie endlich zu Ende gucken. Perfekt. Vielleicht ist der Freaky Friday doch nicht so schlimm. Ich schließe die Haustür auf. Ich sehe überall Planen und Lappen. Los, denk an Regenbögen und Einhörner! Der Hausmeister kommt mir aufgebracht (wie immer!!!) schwitzend entgegen. Määädschen, mensch, endlich bisse da! Mir ham Wasserrohrbruch. Ich hab dich nich erreichen könne. Kommt aus deiner Wohnung. Nein, nein, nein, nein. Bitte nicht. Ich wusste es. Heute MUSS noch etwas furchtbares passieren. Also öffne ich vorsichtig die Wohnungstür und erwarte die kleine Schwester der Niagarafälle. Sturzbäche in denen meine Schuhe schwimmen. Aber…nichts. Denk an Regenbögen und Einhörner! Alles ist durch die Decke in den Hausflur geflossen. Meine Wohnung ist trocken. Dabei war ich mir doch so sicher, dass das Unglück jetzt endlich über mich kommt. Dann hätte ich es endlich hinter mir.

Wieso kann ich nicht glauben, dass irgendwas einfach mal gut geht. Ohne wenn und aber. Wieso denke ich so oft, dass ich es nicht verdiene Glück zu haben. Dass immer irgendwas schief gehen muss.  Und dabei geht kaum irgendetwas schief. Meistens hab ich nämlich tatsächlich Glück im Unglück. Aber wahrscheinlich macht mir genau das Angst. Wenn ich sehe, was anderen zustößt. Dann verstehe ich oft nicht, warum mir nicht auch sowas passiert. Und dann warte ich. Warte auf das Unglück. Und fühle mich vom Pech verfolgt.

Der Handwerker ist endlich weg. Ich schlüpfe in meine Jogginghose, mache mir etwas zu essen und fläzte mich endlich auf meine Couch. Schlecht ist mir nicht mehr. Morgen hab ich endlich frei. Draußen fängt es an zu regnen. War ja klar so kurz vorm Wochenende. Ich gucke aus dem Fenster und sehe ganz leicht einen Regenbogen am Himmel schimmern. Jetzt fehlt nur noch das Einhorn. Aber…nichts.

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