Danke für Nichts

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Kannst du mir einen Gefallen tun? Klar, kein Ding. Leicht gesagt. Leicht getan. Und dann. Dann passiert nichts. Kein Danke. Alles selbstverständlich. Ist ja auch ne Freundin. Von der kann man das ja erwarten.

Aber irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man merkt, dass es kein gesundes Geben und Nehmen mehr ist. Irgendwann merkt man, dass man nur noch gibt und nichts zurück kommt. Nicht mal mehr ein Danke. Meist ein schleichender Prozess. Schließlich hinterfragt man nicht jeden Tag wo man in einer Freundschaft steht. Auffällig wird es erst, wenn man Leute kennenlernt, die ganz anders sind. Die dir plötzlich zeigen was echte Freundschaft bedeutet. Die für dich da sind, wenn du sie brauchst. Denen du bedingungslos vertrauen kannst, weil du weisst, dass sie deine Geheimnisse nicht weitertratschen, bei denen du sicher sein kannst, dass sie nicht mit dem Typen flirten, den du gut findest, die sich Zeit für dich nehmen, auch wenn sie eigentlich busy sind.

Freundschaft bedeutet immer Arbeit. Wie in einer Beziehung. Und das ist manchen scheinbar zu anstrengend. Wenn man ein Mit-dem-kann-ichs-ja-machen-Freund ist, lebt man gefährlich. Oft geraten solche Menschen an Ausnutzer. Und dann wird’s böse. Es fängt mit kleinen Gefälligkeiten an. Aber das reicht dem Ausnutzer nicht. Er will mehr. Die Grenzen austesten. Wie weit kann er gehen? Der Mit-dem-kann-ichs-ja-machen-Freund rechtfertigt das Verhalten des Ausnutzers dann mit: Aber wir sind doch schon so lange befreundet, das meint er nicht so.

Aber wie meint er es dann? Sind solche Aktionen nicht immer geplant? Kann man alles auf das Unterbewusstsein schieben? Oder gar auf Unwissenheit? Ich wusste ja nicht, dass es ihn verletzten könnte. Ich dachte es wär okay. Unter Freunden ist das doch in Ordnung. Der wird das schon verstehen. Selber Schuld, wenn der das mit sich machen lässt.

Aber irgendwann kommt auch der Mit-dem-kann-ichs-ja-machen-Freund an einen Punkt, an dem er versteht, dass ein Freund nicht gleich ein Freund ist. Und, dass man nicht auf jeden seiner vermeintlichen Freunde angewiesen ist. Denn Menschen, denen man nicht vertrauen kann, die will man nicht mal als schlimmsten Feind. Aber sich einzugestehen, dass man sich solchen Menschen anvertraut hat, dass man sich aufgeopfert hat, ohne jemals etwas zurück zu bekommen, dass eine jahrelange Freundschaft eine Farce war. Das tut weh. Und es stellt das halbe Leben in Frage.

Wieso habe ich nicht bemerkt, dass ich verarscht werde? Und wieso hab ich das mit mir machen lassen? So viele Jahre? Wieso hab ich nicht einfach mal nein gesagt?

Nein ist eben nicht immer einfach. Das muss man üben. Aber für den Anfang reicht auch erstmal ein Danke. Danke für Nichts.

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