Für Zwei

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Sonntag Mittag. Mit einem Auge schlinzt du auf die Uhr. Halb eins. Baaah. Zu viel getrunken. Einmal noch umdrehen. Wenn du dich endlich aufraffen kannst aufzustehen, ist es selbst für ein spätes Frühstück schon zu spät. Also kriechst du zu deinem Laptop und füllst den Warenkorb deines Lieblingsitalieners. Jetzt so ne richtig geile fettige Pizza. Danach wird’s dir besser gehen. Mindestbestellwert noch nicht erreicht. Oh. Dann noch Pizzabrötchen. Mindestbestellwert noch nicht erreicht. Verdammt! Dann noch einen gemischten Salat. Jetzt am besten nochmal Pizzabrötchen, damit die nicht denken, dass du das alles alleine isst. Wenn der nette Lieferant kommt, dann öffnest du die Tür. Schaust immer wieder ins Wohnzimmer zum imaginären zweiten Esser, zerrst ihm die Pizzakartons aus der Hand. Jaja danke tschüüüüüss. Puh, der hat dir auf jeden Fall abgekauft, dass ich nicht alleine bestellt hab.

Wie oft denken sich Pizzalieferanten: Oh man, schon wieder so eine Erbärmliche, die denkt, dass wir das nicht durchschauen?

Warum ist es so unangenehm einfach zuzugeben, dass man den Pärchensonntag allein mit Pizza in Jogginghose vorm Fernseher verbringt? Und wieso ist der verdammte Mindestbestellwert so hoch, dass man nicht einfach nur eine Pizza bestellen kann? Und als ob das nicht genug wär, muss man sich für den feinen Pizzalieferanten auch noch zumindest einmal die Haare kämmen und an guten Sonntagen eine echte Hose anziehen. Und wofür? Um ihm dann auch noch Trinkgeld in die Hand zu drücken. Dann bringen wir das Riesenmenü auf den Tisch, schlüpfen wieder in die Joggingbuchse und je länger wir da so sitzen und unsere Serie gucken, desto mehr essen wir von der Bestellung für Zwei. Singles werden am Pärchensonntag also doppelbestraft. Alleine das Doppelte essen!

Wieso ist der Sonntagsblues oft so schwer zu ertragen? Ist es nur, weil wir wissen, dass die anderen jetzt nicht allein sind? Weil Tatort gucken alleine keinen Spaß macht? Weil fettiges Essen alleine nicht so gut schmeckt? Weil immer wir zur Tür gehen müssen, wenn der Pizzamensch klingelt?

Dabei gibt es auch die Sonntage, an denen man unendlich froh ist alleine zu sein. An denen man froh ist, dass einen jetzt keiner sieht. An denen man nicht reden will. An denen man so viel bestellt wie man will, in Jogginghose zu Tür geht, das Wohnzimmer keines Blickes würdigt, wenn der Lieferant die Treppe hochkommt und an denen man sich alleine darüber aufregt wie schlecht der Tatort heute war, während man die zweite Packung Pizzabrötchen genüsslich verdrückt.

Dann merken wir, dass der heilige Sonntag nicht nur für Zwei ist. Dass wir ihn auch ganz gut alleine meistern können. Und, dass Mindestbestellwert Diskriminierung ist!

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