Karma, Baby!

Karma wird’s schon richten! Karma wird’s schon richten. Karma wird’s schon richten! Je öfter ich diesen Satz sage (und ich sage ihn wirklich sehr oft), desto weniger glaube ich daran, dass irgendwas passieren wird. Mühevoll habe ich sie mir abtrainiert, meine schlimmste Eigenschaft: die Rachsucht.

Was habe ich mir nicht alles in meinem verrückten Kopf ausgemalt. Gedanklich Voodoo-Puppen gebastelt. Flüche gegoogelt. Bis ich irgendwann zu einer erhellenden Erkenntnis kam: Serin, das bringt doch alles nichts. Diese ganzen Hassgedanken sind schlecht für das eigene Wohlbefinden. Immer reinsteigern in Kleinigkeiten. Und zum Schluss gar nicht mehr wissen, warum man eigentlich sauer ist, sondern nur noch damit beschäftigt sein möglichst wütend zu bleiben. Und im schlimmsten Fall bekommt diese Wut dann auch noch der Falsche ab. Und wofür? Für nichts und wieder nichts!

Lohnt es sich dauernd schlechte Laune zu haben, obwohl die betreffende Person davon sowieso nichts mitbekommt? Ist Rache nicht nur etwas für Telenovelas? Ist man nach einem Racheakt nicht noch viel unglücklicher als vorher?

Also habe ich die Aufgaben neu verteilt. Wenn jemand scheiße zu mir ist oder ich mich ungerecht behandelt fühle, dann drohe ich jetzt nicht mehr damit meinen Papa anzurufen, sondern ich sage meinem neuen besten Freund bescheid: Karma. Und der kümmert sich.

Der einzige Haken an der Sache ist, dass Mr. Karma ein Problem mit Schnelligkeit hat. Um nicht zu sagen, er lässt sich eeeeecht Zeit. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht gerade der geduldigste Mensch bin.

Aber dann, dann kommt der Moment, in dem die Gerechtigkeit endlich siegt. In dem sich das Schicksal endlich rächt. In dem die Welt endlich wieder in Ordnung ist. Und dann fühlst du dich nicht schlecht, weil du einer Person die Pest an den Hals gewünscht hast. Sondern Karma war es. Du fühlst dich nicht schlecht, weil du einen fiesen Plan ausgeheckt hast, sondern Karma war es. Und du fühlst dich nicht schlecht, weil du mit allen Mitteln versucht hast jemandem das Leben zur Hölle zu machen, sondern das hat alles dein lieber und treuer Freund Karma erledigt.

Aber kann man es sich so einfach machen? Alles einfach abgeben? Und dann so tun, als wär alles gechillt und wieder gut? Wird man dadurch ein besserer Mensch?

Entspannter wird man ganz bestimmt. Und vielleicht kann man andere sogar damit zur Weißglut treiben, indem man eben ruhig und gelassen bleibt, anstatt wieder vollkommen auszurasten. Aber immer alles nur wegzustecken und zu verdrängen kann auch nicht die Lösung sein. Wenn man stinki ist, muss man Dampf ablassen. Wenn es nur eine Kleinigkeit ist, dann braucht man es nicht aufbauschen. Aber die ganze Verantwortung an Karma abzugeben. Vielleicht zu einfach.

Und wenn Karma mal wieder länger braucht, dann ruf ich eben doch Papa an.

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