Wochenkarte 11/2017 – Einfach unperfekt!

UnperfektFür mich gibt es nichts langweiligeres als Perfektion. Wenn alles gestriegelt und geschniegelt ist, dann wirkt das auf den ersten Blick vielleicht erstrebenswert, aber auf den zweiten Blick sind es doch gerade die kleinen Makel, die das Leben spannend machen. Diese Woche habe ich endlich mal wieder verstanden, warum perfekt sein nichts für mich ist und ich unperfekt viel aufregender finde.

Vor einer Woche habe ich euch offenbart, dass ich in Sachen Zuckerverzicht rückfällig geworden bin – den ganzen Text dazu gibt es hier. Wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen – das ist alles andere als perfekt. Eure zahlreichen Kommentare und Nachrichten haben mich aber daran erinnert, dass Hinfallen aber eben einfach zum Leben dazu gehört. Weil das Leben eben unperfekt ist. Viele waren erleichtert darüber, dass ich auch nicht einfach so ohne Zucker leben kann, einige eher erstaunt darüber, dass das wirklich mein Plan war. Durch euch habe ich Kraft bekommen, um wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Ich möchte nicht perfekt sein und bin auch wirklich weit davon entfernt. Das habe ich ebenfalls begriffen, als ich mich vor einigen Woche durch eine Pickelkrise gekämpft habe – ohne Abdeckstift. Aber genau diese Krisen haben mich ein bisschen näher zu mir selbst gebracht. Mir gezeigt, dass ich mich so akzeptieren soll, wie ich in diesem Moment einfach bin. Mit Pickeln, mit dem Verlangen Dinge zu Essen, dich nicht gut für mich sind, mit vermeintlich unperfekten Makeln. Aber es sind doch gerade diese Ecken und Kanten, die mich als Menschen ausmachen, oder?

Und bleiben wir gleich bei Ecken und Kanten. Die wunderbare Jess von The Liveliest die ihr bereits aus diesem Gastbeitrag über Fair Fashion kennt, hat diese Woche der Welt ihr Herzensprojekt vorgestellt. Ihr Online Pop-up-Shop Mit Ecken und Kanten ist ein Outlet für faire und nachhaltige Produkte. Hier findet ihr hübsche Dinge, die eben nicht perfekt sind und die trotzdem eine Chance verdient haben. Viel zu oft werden Produkte nicht mehr verkauft, weil die Verpackung nicht mehr toll aussieht oder weil es einen Sortimentwechsel gab. Jess pfeift auf Perfektionismus und gibt all diesen Produkten eine zweite Chance. Einfach mal unperfekt shoppen – yeah!

Hier geht’s zum Online-Shop!

Yogamatte

In meiner alten Heimat hatte ich einen richtig coolen Yogakurs. Seit Wochen nehme ich mir deshalb vor eine 10-er-Karte in einem der Yogastudios hier in meinem Veedel zu kaufen. Seit mindestens genauso langer Zeit rede ich mir aber ein, dass meine Yogaskills für so ein fancy Yogastudio einfach nicht perfekt genug sind. Klingt bescheuert, aber führt am Ende nur dazu, dass die Yogamatte immer noch hinten im Schrank liegt. Vor zwei Wochen habe ich dann den Youtube-Kanal von Mady Morrison entdeckt und bin hin und weg. Ich mache jetzt Yoga zu Hause und fühle mich dabei alles andere als unperfekt. Mady gibt mir ein richtig gutes Gefühl in ihren Videos. Und ich verstehe immer mehr, dass es bei den Asanas eben nicht darauf ankommt alle schon perfekt ausführen zu können, sondern eben so, wie es sich für mich gut anfühlt. Oooomhhhh…

Unperfekt sein – lange bin ich zusammengezuckt, wenn ich das gehört habe. Jetzt frage ich mich, warum ich ein vermeintlich perfektes Leben überhaupt jemals angestrebt habe. Was ist Perfektion überhaupt und kann es den perfekten Menschen eigentlich geben? Eher schwierig, oder? Werbung, Instagram und Fernsehen suggerieren uns eine Welt, die es nicht gibt. Warum nicht endlich das echte Leben leben? Statt eine perfekte Fassade aufzubauen, wünsche ich mir ein Leben voller Harmonie, ein Leben mit Ecken und Kanten und ein Leben auf Umwegen. Denn schließlich sind es genau diese Umwege, die das Leben so spannend machen. Denn wenn ich immer nur geradeaus fahre, dann schlafe ich irgendwann ein.

Friedrich Hebbel

3 Kommentare

  1. Ich bin völlig deiner Meinung!
    Perfektion liegt für mich im Unperfekten. Denn gerade die Ecken und Kanten machen Menschen erst interessant.
    Wie du sagst, ist es am Wichtigsten, nahe bei sich selbst zu sein, sich zu akzeptieren mit all seinen vermeintlichen „Makeln“, so wie man es eben auch bei anderen Menschen tut.
    Perfektion ist doch langweilig. Und unrealistisch obendrein. Mir sind authentische Menschen tausendmal lieber, die zu ihren Fehlern stehen, als aalglatte, scheinheilige Blender, die nur nach Perfektion streben, um sich Anderen überlegen zu fühlen.
    Bleib so selbstbewusst wie du bist 🙂 Ich finde das toll!

    Liebe Grüße,
    Kay.
    http://www.twistheadcatssite.wordpress.com

  2. Sprichst mir aus der Seele!
    Den Satz mit den Umwegen sage ich immer wieder – der trifft auf so ziemlich alles zu, von den Reisen, die man unternimmt, bishin zum eigenen Lebensweg. Abkürzungen sind langweilig, immer gleiche Wege auch, Umwege und Kurven dagegen bringen dich genau dorthin, wo du sein sollst. Und wenn das mal in einem Tal ist – okay! Und wenn es da auch mal regnet – keine Panik. Auf dem direkten und perfekten Pfad würdest du am Ende vielleicht gar nicht auf dem Berggipfel ankommen oder hättest eine weit weniger schöne Aussicht, wer weiß 🙂

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