Neustart.

Neustart in Den Haag

Es war ein lauer Sommerabend. Ich war noch ziemlich neu in Köln. Und ich hatte schon sehr lange darüber nachgedacht einen Blog zu starten. Aber es war wie so oft in meinem Leben: Ich habe mich nicht getraut. Doch an diesem Abend war etwas anders. Ich habe es einfach gemacht. Habe einen Text geschrieben, mich bei WordPress angemeldet und auf Veröffentlichen gedrückt. Und ich bin bis heute froh diese Entscheidung getroffen zu haben.

Dieser Abend ist zwei Jahre her.

Heute setze ich alles auf Anfang. Mit dem Blog bin auch ich gewachsen. Meine Prioritäten haben sich geändert. Und deshalb ist es Zeit für einen Neustart. Gleichzeitig bedeutet dieser Neustart aber auch Veränderung. Und Veränderung bedeutet aus der Comfort Zone rauskommen. Warum sollte ich das also tun, wenn doch gerade alles so gemütlich ist?

Weil Stillstand Tod bedeutet.

Veränderungen sind anstrengend. Und manchmal läuft es nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind unsicher. Wir haben Angst. Wir wissen nicht wie wir anfangen sollen. Wir wollen nicht scheitern. Wir wollen kein Risiko eingehen. Wir wollen schnellstmöglich Erfolg sehen – und am liebsten nur wenig dafür tun. Aber soll das dann Leben sein?

Gehören zum Leben nicht neue Herausforderungen und auch mal Niederlagen dazu?

Alles, was uns umgibt ist im ständigen Wandel. Alles verändert sich fortlaufend. Alles ist im Fluss. Heraklit nannte das Panta Rhei. Und er sagte, dass man niemals zweimal in denselben Fluss steigen könne. Denn es wird immer ein anderes Wasser um dich fließen. Also auch wenn wir stehenbleiben, geht alles andere weiter. Und irgendwann schaut man sich an seinem gemütlichen Steg um und merkt, dass man ganz schön viel verpasst hat.

Dass das immer Gleiche eben nicht praktisch ist, sondern ziemlich fad und langweilig. Dass man so viel hätte machen können, wenn man einfach mal aufgestanden und ein paar Meter weiter geschwommen wär. Dass es nicht nur diesen einen Fluss gibt, sondern dass der eigene Fluss in einen ganzen Ozean an Möglichkeiten mündet. Wir müssen uns nur trauen los zu schwimmen. Und ja, es werden hohe Wellen auf uns zukommen, gefährliche Fische, picksende Seeigel und stürmische Zeiten. Aber du bist los geschwommen.

Und dann wirst du erkennen, dass es nicht nur schwierig ist, sondern eben auch erfüllend. Dass du auf dem Weg so viel erlebst, lernst und weitergibst. Dass du nur wachsen kannst, wenn du dich auf Veränderung einlässt. Dass Stehenbleiben keine Option mehr ist.

In den letzten Monaten bin ich geschwommen. Mal schneller, mal langsamer – manchmal habe ich mich auf dem Wasser treiben lassen und bin wieder ein bisschen zurückgetrieben. Es gab Tage, da bin ich kein Stück voran gekommen. Und dann gab es Tage, da habe ich Distanzen zurückgelegt, von denen ich niemals geglaubt hätte, dass ich sie bezwingen kann. Und zwischendurch gab es Zeiten, da wollte ich einfach nur wieder zurück zu meinem gemütlichen Ufer. Aber ich bin weitergeschwommen. Und jetzt kann ich ihn endlich sehen. Den Ozean.

Gestern – genau zwei Jahre später – war wieder so ein lauer Sommerabend in Köln. Und ich saß wieder vor dem Veröffentlichen-Button. Lange hab ich über diesen Neustart nachgedacht. Ideen gehabt, Ideen verworfen. Alles infrage gestellt. Ich habe mich wieder viel zu lange gefragt, wie ich den Ozean durchqueren soll, anstatt ihn eben einfach zu durchqueren.

Aber jetzt drück ich ihn, den Knopf für den Neustart.

Kafka

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