Ein Tag mit mir.

metime2Als ich heute morgen aufgewacht bin, habe ich mich richtig erschöpft gefühlt. Das war mal wieder eine harte Woche. Ach was, ein harter Monat! Oder, wenn ich es mir genau überlege, dann habe ich schon ziemlich lange genau dieses Gefühl.  Dieses Ich-kann-nicht-mehr-Gefühl.

Und damit scheine ich nicht allein zu sein. Sobald ich jemandem erzähle, dass ich mich ausgelaugt fühle, bekomme ich als Antwort in den meisten Fällen: So geht es mir auch. Tut jemand etwas dagegen? Eher nicht. Erschöpfung scheint in unserer Gesellschaft ein mittlerweile normaler Zustand zu sein. Vielleicht sogar ein Must-Have. Wer erschöpft ist, der arbeitet wohl anständig. Denn Arbeit – das ist für die Meisten Lebensinhalt. Auf Arbeit richtet sich unser ganzes Leben aus. Eltern sorgen dafür, dass ihre Kinder schon im Kindergarten mehrere Sprachen lernen, um später (viel später!) im Job bessere Chancen zu haben. Gute Noten, unzählige Praktika, nützliche Connections – und viel viel Geld. Das ist das, was mittlerweile zählt. Der Job ist nicht mehr einfach nur ein Teil unseres Lebens – sondern wir richten unser Leben nach der Arbeit aus. Hast du jemals hinterfragt, warum das so ist? Und Das macht man eben so zählt als Argument nicht. Klar. Wir brauchen Geld, um unsere Miete zu zahlen, Essen zu kaufen, in den Urlaub zu fahren und uns noch andere Dinge zu gönnen. Aber hast du dir das Leben so vorgestellt? Auf so viele Dinge, die du gerne tun würdest, zu verzichten, weil du arbeiten musst, weil du erschöpft bist vom Job, weil du es dir trotz deines Gehalts nicht leisten kannst? Ich auch nicht.

Seit einiger Zeit überlege ich, was ich ändern könnte, um wieder mehr Erfüllung in mein Leben zu integrieren. Eine lange Auszeit. Könnte das helfen? Auf den ersten Blick vielleicht. Aber das kann dir Ursache des Problems nicht bekämpfen. Die Frage ist ja eher: warum bin ich erschöpft? Eine Antwort darauf habe ich, so denke ich, jetzt endlich gefunden. Ich mache zu wenig Pausen. Ich gönne mir einfach nichts. Die Pausen, die ich habe, nutze ich nicht sinnvoll.

Habe ich beispielsweise länger als einen Tag frei, dann fühle ich mich schon am zweiten Tag schlecht, weil ich nicht arbeite. Ich fühle mich fast unnütz. Das gilt auch für Tage, an denen ich krank bin. Weil ich der Arbeit einen falschen Stellenwert in meinem Leben gegeben habe und das auch immer noch tue. Und auch, wenn ich die Ursache jetzt gefunden habe, fällt es mir trotzdem schwer etwas zu ändern.

Mein Leben zu ändern.

Denn genau das wäre die Konsequenz. Also was tue ich jetzt? Urlaub? Kündigen? Neuer Job? Auswandern? Als ich heute morgen meditiert habe, ist mir zumindest eine erste Lösung gekommen. Ich brauche mehr Me-Time. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne das Gefühl unnütz zu sein. Ohne das Gefühl Zeit zu verschwenden. Im Gegenteil. Die Zeit mit mir bewusst nutzen und genießen. Und dadurch wieder Energie tanken.

So habe ich es heute probiert und nur Dinge getan, die ich wirklich machen wollte. Beginnend mit der bereits genannten Meditation und einem ausgiebigen veganen Frühstück. Ich habe mir angewöhnt mein Essen stets mit viel Liebe zuzubereiten. Das mag banal klingen, aber es macht für mich einen Unterschied. Es schön anzurichten und zu zelebrieren macht mich glücklich. Am Nachmittag war ich baden und habe mir währenddessen eine Dokumentation über die Folgen der Billig-Mode-Industrie angeschaut. Ich habe gemerkt, dass es mich sehr erfüllt mich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Bewusstsein und Achtsamkeit zu beschäftigen. Auch wenn das keine leichte Kost ist, möchte ich so viele Informationen wie möglich verschlingen. Ich habe Musik gehört und mich meinem Inspirationsbuch gewidmet. In diesem Buch will ich Glaubenssätze, Blogideen, Reiseinspirationen und andere Dinge sammeln. Und schließlich habe ich mir Zeit genommen, um zu schreiben. Meine größte Leidenschaft, die durch mein Erschöpfungsgefühl in letzter Zeit zu kurz kommt. Und hier beginnt der Teufelskreis.

Ich kann nur Energie tanken, wenn ich bewusste Pausen mache. Mir Zeit für mich nehme. Wenn ich so erschöpft bin, dass ich nicht mal mehr Kraft für die Dinge habe, die mich erfüllen, dann fühlt sich mein Leben verschwendet an. Und was habe ich von einem Leben, das einfach nur so vor sich hin plätschert? Ich möchte ein Leben führen, das ich Liebe. Das ich nicht gegen ein anderes eintauschen würde. Das erfüllt und einzigartig ist und nicht durch Gesellschaft und Norm in eine 08/15-Form gepresst wird.

Ich möchte mich lieben. Ich möchte mir alles gönnen. Ich möchte jeden Moment bewusst leben. Und ich möchte nichts bereuen.

Dieser Tag mit mir ist wunderschön. Nicht nur Zeit für mich selbst finden, sondern auch Zeit mit mir bewusst zu verbringen ist sehr heilsam. Denn ich bin das Fundament, von dem alles, was ich mein Leben nenne, ausgeht.voltaire

 

2 Kommentare

  1. Liebe Serin,

    vielen vielen Dank für diesen großartigen Beitrag! Genau diese Themen sind es, die mich (bzw. uns) auch tagein, tagaus beschäftigen. Es ist wundervoll, dass sich Menschen wie du mit so wichtigen Fragen auf so konstruktive Weise auseinandersetzen und sich Wege aus dem „ewigen Hamsterrad“ überlegen. Ich hoffe, dass noch ganz ganz viele Menschen den Weg hierher finden und an deinen Gedanken teilhaben können. Mach weiter so!! 🙂

    • Serintogo

      Liebe Diana,

      danke für diese lieben Worte! Ich freue mich, dass du so viel aus meinem Beitrag mitnehmen konntest. Ich freue mich, wenn wir uns hier öfter sehen 🙂
      Liebe Grüße Serin

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