2.0

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Momentan habe ich das Gefühl, dass sich so einiges verändert. In mir. In meinem Leben. Es passiert so viel. Und doch kann ich nur schlecht sagen, was es genau ist. Trotzdem werde ich versuchen es zu beschreiben. Weil ich weiß, dass ich nicht wieder zurück kann und will.

Ich habe das Gefühl, dass ich im Spiel des Lebens ein neues Level erreicht habe. Eine neue Stufe. Ich sehe so viel klarer. Nehme Situationen so anders wahr. Verstehe aber dafür Dinge, die für mich vorher selbstverständlich waren viel weniger. Was ist also genau passiert?  Ich denke es waren verschiedene Komponenten. Es sind Dinge in mein Leben getreten, die zusammengepasst haben. Die sich perfekt ergänzen. Und angefangen hat eigentlich alles mit meiner #30TageohneZucker Challenge. Das mag jetzt komisch klingen, aber nach drei Wochen habe ich tatsächlich gemerkt, dass ich viel klarer im Kopf bin. Dass ich plötzlich viel besser denken kann. Ich habe gemerkt, dass ich Ziele erreichen kann, weil ich es will. Dass mich niemand aufhalten kann. Im Gegenteil. Dumme Sprüche und belächelnde Blicke haben mich plötzlich noch mehr angespornt. Schon das war eine Seite, die ich so bis jetzt nicht an mir kannte. Aber das war erst der Anfang.

Denn ich wollte wissen, was das da in mir ist. Dieses Gefühl, das mir plötzlich zeigt: Hey schau doch mal, wer da in dir steckt. Guck doch mal, was du alles kannst. Erkenn doch mal, dass es da noch so viel mehr gibt in deinem Leben. Aber du sitzt die Hälfte der Zeit nur auf der Couch, guckst Serien, nascht heimlich Süßes, obwohl du eh alleine bist, betäubst deinen Kopf mit Alkohol, redest dir ein, dass Sport nicht dein Ding ist, glaubst, dass Geld im Leben eine große Rolle spielt und dass das Leben jetzt einfach so weiter vor sich hinschwappt. Weil du denkst, dass du eh nichts Besonderes bist, dass du viel mehr in deinem Leben nicht reißen kannst und dass immer nur die anderen alles schaffen. Ja, du würdest gerne, aber du kommst eben nicht aus den Puschen. Du denkst aber nicht, dass das deine Schuld ist. Denn Schuld sind alle anderen. Deine Eltern, deine Freunde, dein Partner, dein Chef, die Politiker und vor allem dein Nachbar.

Aber diese neue Stimme, die da plötzlich war, die hat mich neugierig gemacht. Was gibt es denn da noch mehr im Leben? Ich habe eine Wohnung in einem angesagten Viertel, habe drei Jobs, einen wunderbaren Partner, eine liebevolle Familie, super Freunde und genug Geld, um mir Dinge zu leisten, die mir gefallen. Was soll ich also bitte noch wollen?

Ich habe es einfach nicht verstanden. Und deshalb bin ich auf die Suche gegangen. Plötzlich bin ich mit Begriffen in Berührung gekommen, die ich zu diesem Zeitpunkt für sehr esoterisch gehalten habe. Heute muss ich über mich selber lachen, weil ich bis dato nicht mal verstanden habe, was esoterisch überhaupt bedeutet. Nein. Ich habe wie so oft im Leben nur das nachgeplappert, was ich eben so gehört habe. Dabei bedeutet es einfach nur: Die Lehre der inneren Welt – es geht also nur darum, was in mir passiert. Pythagoras hatte damals sogar eine Esoterik-Schule, die nur für Auserwählte war, quasi ein VIP-Club für einen kleinen Personenkreis, die sehr hohen Anforderungen bestehen mussten. Er hat bewusst das Fußvolk fern gehalten, weil sie eben genau so über die Dinge gespottet haben, wie es bis heute geschieht. Und das wusste Pythagoras schon vor hunderten von Jahren. Mehr zu dem Thema findest du hier.

Mir sind also plötzlich Begriffe wie Achtsamkeit, Bewusstsein, Selbstliebe und Ich-Sucht begegnet. Während ich diesen Dingen ungewohnt offen gegenüber getreten bin, konnte ich förmlich spüren, wie mein Umfeld die Nase rümpft.

Ich wollte mehr wissen. Also habe ich angefangen Podcasts zu hören. Sehr viele Podcasts. Ich verschlinge alles, was auch nur im geringsten mit diesen Themen zu tun hat. Weil ich gesehen habe, wie es den Menschen geht, die genau das Leben. Dieses neue Bewusstsein. Frieden und Harmonie. Menschen, die nicht verurteilen, Menschen, die sich nicht streiten. Menschen, die nicht in Konkurrenz leben, sondern die nach dem Motto leben 90% geben und 10% nehmen. Menschen, die sich nicht selbst der nächste sind. Ich habe eine solche Leichtigkeit in dem gespürt, wie diese besagten Menschen leben, dass ich sofort wusste: Ich will das! Genau das. Ich will diese Ich-Sucht ablegen. Ich will ein friedvolles und harmonisches Leben.

Und als ich gerade dachte, dass ich endlich verstanden habe, was es bedeutet achtsam und bewusst zu sein. Als ich gerade dachte, dass ich begriffen habe, was Selbstverantwortung bedeutet. Dass ich Dinge, die mir nicht gut tun loslasse. Dass ich niemanden verurteilen will und dass ich Entscheidungen anderer einfach ohne Urteil annehme. Genau dann kam dieser Schlag. Und dieses Ereignis hat mich auf die Probe gestellt. Konnte ich den Tod eines anderen Menschen einfach akzeptieren? Konnte ich mir jetzt bewusst machen, dass der Tod zum Leben dazu gehört? Konnte ich diese Situation einfach annehmen? Es hat gedauert. Es ging nicht von heute auf morgen. Und etwas anzunehmen bedeutet, zumindest für mich nicht, dass man einmal denkt Okay, angenommen und damit ist die Sache erledigt. Es ist ein Prozess. Und meine eigenen Gedanken werden mich noch tausend Mal fragen und ich werde immer wieder zustimmen. Als ich am Wochenende aufgewacht bin, wusste ich, dass es soweit war. Ich konnte mich endlich für dich freuen, dass du jetzt frei bist und meinen Frieden mit der Situation schließen.

Mittlerweile blicke ich auf viele Situation aus einer anderen Perspektive. Werde ich mit einer Aussage konfrontiert, von der ich mich normalerweise angegriffen gefühlt hätte, dann versuche ich nicht mehr sofort wieder zu reagieren. Denn diese Reaktion kann nur emotional ausfallen, so dass ich sie wenig später wieder bereuen würde. Eine Reaktion ist das Gegenteil von bewusstem Handeln. Ich mache es jetzt anders. Ich frage mich, ob ich wirklich angegriffen wurde oder ob das nur wieder mein eigenes Kopfkino ist. Das ist vielleicht schwer nachvollziehbar, weil man sich immer sofort verteidigen will und weil man ganz sicher ist, dass die Person das genau so gemeint hat, wie ich mir das ausmale. Aber wenn man in dieser Hinsicht etwas übt, dann kommt man ziemlich schnell zu dieser Erkenntnis. Was heißt das also für mich? Ich nehme Angriffe nicht mehr an und gewinne dadurch Frieden.

Und noch eine Sache habe ich in den letzten Wochen gelernt. Alle was zählt ist das Jetzt. Das klingt banal. Aber das ist es nicht. Es ist meiner Meinung nach die wichtigste Erkenntnis, die ich mir bewusst machen sollte. Vergangenheit und Zukunft existieren nicht. Wenn du diesen Text liest, ist der Zeitpunkt, an dem ich ihn geschrieben habe, schon lange nicht mehr existent. Und so ist es mit allen Sachen. Ich halte an der Vergangenheit so sehr fest. Ich schwärme jahrelang vom letzten Urlaub, ärger mich ewig über das, was der Chef vor Wochen gesagt hat und denke viel zu oft: was wäre wenn? Und genauso geht es mir mit der Zukunft. Ich warte und warte und warte. Auf das Wochenende. Auf den Sommer. Auf die Rente. Und indem ich warte, vergesse ich zu leben. Denn all das existiert nicht. Es existiert nur dieser eine Moment, in dem du diese Buchstaben hier liest. Und schon ist er vorbei. Darüber kann man jetzt traurig sein. Oder man ist froh. Denn das bedeutet gleichzeitig, dass all die Sorgen, die wir uns täglich über die Vergangenheit oder Zukunft machen, hinfällig sind. Denn wozu soll man sich über etwas sorgen, das nicht existiert?

Dieser ganze Prozess ist erst wenige Wochen in Gange und doch hat sich schon so viel in mir gewandelt. Ich bin gelassener geworden. Ich habe oft eine neue Sicht auf Dinge, die ich vorher nicht beachtet habe. Ich nehme Dinge bewusster wahr. Und das fühlt sich ziemlich gut an. Wo soll das also hinführen?

Zu meiner Version 2.0 – der besten Version von mir selbst!Jetzt+

 

 

3 Kommentare

  1. maxiprimus

    Hallo liebe Serin,
    das hast du wundervoll geschrieben 🙂
    Seit ich von meiner Krankheit weis, versuche ich auch viel bewusster im hier und jetzt zu leben. Es macht das Leben um so vieles einfacher. Ohne Grübeln und über die Vergangenheit und die Zukunft.

  2. Liebe Serin,
    das Erste, das mir beim Lesen dieses Beitrags durch den Kopf schoss, war: Wow!
    Was du schreibst, kann ich so, SO nachvollziehen! Ich glaube, sobald man die Perspektive wechseln; ein Bewusstsein für sich selbst entwickelt, kommt die Veränderung ganz von alleine. Und ich finde es unheimlich schön zu lesen, dass du dich selbst in dieser kurzen schon so positiv verändert hast (auch, wenn der Auslöser so ein Schlag war wie bei dir – das tut mir leid!).

    Die Sache mit dem „Warten auf…“ kenne ich auch nur zu gut. Dabei stehen wir uns und unserem Glück ja nur selbst im Weg. Nur der Moment zählt, alles andere lässt sich sowieso (noch) nicht beeinflussen.

    Du bist auf einem guten Weg und ich werde hier auf jeden Fall öfter wieder reinlesen. <3

    … und jetzt hast du mich neugierig auf die #30TageohneZucker Challenge gemacht. 🙂

    Alles Liebe,
    Chrissi

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