Was wurde eigentlich aus #30Tageungeschminkt?

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Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment vor dem Spiegel. Den Moment als ich mich angeschaut habe und mich vor lauter Make-up nicht mehr selbst wiedererkannt habe. Ich habe mein Gesicht wie wild abgewaschen, um zu sehen, wo die Person dadrunter eigentlich geblieben ist. Und da sah ich mich dann. Mit verschmierter Mascara, fahler Haut und einem ziemlich betrübtem Blick. Genau in diesem Moment wurde mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Dass mich dieses ganze Schminken unglücklich macht. Dass ich mich nicht mehr unter der Maske verstecken wollte. Dass ich mich endlich befreien musste. Am selben Tag kündigte ich an, dass ich mich 30 tagelang nicht mehr schminken wollte. Und kurz darauf bereute ich es. Was habe ich da schon wieder angezettelt? Was ist, wenn ich riesige Pickel bekomme? Die kann ich dann doch gar nicht abdecken. Oder was ist, wenn ich irgendwo eingeladen werde? Ungeschminkt zu einer Party? Und überhaupt. Ich wohne in Köln. Hier habe ich oft das Gefühl, dass man schon komisch angeguckt wird, wenn man mal eben ungestylt Kaffee kaufen geht. Aber vielleicht war diese Stadt genau die richtige für mein Experiment.

Diese 30 Tage haben mein Leben verändert. Ziemlich schnell ging es mir nicht mehr nur um Make-Up. Es ging viel tiefer. Plötzlich fand ich mich in Unmengen von Inhaltsstoffen wieder, die mir alle nichts gesagt haben. Aussehen wurde mit der Zeit für mich zur Nebensache. Und mich interessierte viel mehr, warum wir uns chemische Cremes, Seren und Wässerchen auf die Haut schmieren, ohne das zu hinterfragen – so wie ich es eben auch nie getan habe, weil ich gar nicht auf die Idee gekommen war, dass in Cremes, Shampoo, Duschgel oder eben Schminke Dinge drin sind, die schlicht und einfach giftig sind. Also fing ich an Alternativen zu suchen. Kokosöl wurde zu meinem besten Freund. Und auch für andere Kosmetikprodukte habe ich chemiefreie Alternativen gefunden. Die Liste gibt’s hier. Und so habe ich die 30 ungeschminkten Tage rumbekommen, ohne einen Tag zu cheaten.undjetzt

Ein halbes Jahr ist vergangen. Und eins kann ich sagen – ich bin noch immer ungeschminkt. Ohne Ausnahme! Auch, wenn mein sonnengeküsster Teint dem Winter gewichen ist. Gleichzeitig muss ich aber zugeben, dass es nicht immer einfach ist. Ich habe schon erwähnt, dass ich es in Köln manchmal alles andere als easy finde selbstbewusst durch die Straßen zu schlendern, während mir aufgestylte Mädels entgegenkommen. Oft fühle ich mich immer noch angestarrt. Und dann bin ich selber erstaunt, dass mir das immer noch passiert. Aber es zeigt mir gleichzeitig, dass ein gesundes Selbstwertgefühl nicht von heute auf morgen da ist, sondern, dass das ein langer Prozess ist, den es gilt durchzuhalten. Oft ärger ich mich, dass fast alle großen Bloggerinnen alle Arten von Kosmetik und Schminke bewerben, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, dass sie Giftcockails anpreisen. Ich weiß, dass das oft aus Unwissenheit geschieht, aber als öffentliche Person hat man eben eine gewisse Verantwortung – und die wird meiner Meinung nach einfach nicht getragen. Auf der anderen Seite freue ich mich, wenn mir Menschen schreiben, dass sie jetzt auch mal alternative Produkte wie Kokosöl oder Haarseifen benutzen und mehr als zufrieden damit sind.

 

Im letzten halben Jahr bin ich auch nicht untätig gewesen. Ich habe meinen Urlaub komplett ohne chemische Produkte verbracht und habe nichts vermisst. Hier geht es zu meiner Packliste. Nur beim Transport vom Kokosöl muss ich mir noch etwas neues für den nächsten Trip ausdenken. Das ist nämlich einige Male ausgelaufen.

 

Aber auch für Zuhause ist noch ein bisschen was zusammengekommen. Meine neustes selbstgemachtes Produkt ist eine Mundspülung, die meine Zähne superglatt macht – und meinen Atem schön frisch. Ich benutze sie jetzt fast vier Wochen und bin mehr als zufrieden. Und a propos Zähne. Von der Ajona-Zahnpasta habe ich mittlerweile zur Weleda Sole gewechselt. Sie schäumt nicht und ich liebe den salzigen Geschmack – ist allerdings nicht jedermanns Sache. Bei der Zahnpasta war mir wieder wichtig, dass sie keine Fluoride enthält und meine Zähne schön weiß und glatt macht. Und genau das tut sie. Mittlerweile gibt es so einige Zahnpasten ohne Fluoride auf dem Markt – sowohl in Dorgerien als auch im Biomarkt. Sobald ich eine neue ausprobiere, erfahrt ihr es hier. Einmal die Woche schrubbe ich meine Zähne übrigens mit Natron – wirkt wie ein Zahnpeeling.

Was Shampoo angeht, wasche ich meine Haare nur noch selten mit Roggenmehl, dafür mit natürlichen Haarseifen – so wie ich es Ende der Challenge auch gemacht habe – das hat hauptsächlich Faulheitsgründe und ich brauche ein bisschen Duft in den Haaren. Mittlerweile reicht es, wenn ich meine Haare alle zwei Tage wasche. img_3328Und meine Friseurin hat mir bestätigt, dass meine Haare null kaputt sind und viele neue Haare nachwachsen. Ein Hoch auf Nopoo! Ab und zu spüle ich meine Haare mit einer sauren Rinse – 2 EL Apfelessig auf einen Liter Wasser. Aber ich mag meine Krause, deshalb belasse ich es meistens einfach bei der Seife.

An mein Gesicht lasse ich nur Wasser und CD Seife – auch zur Gesichtsreinigung verwende ich eine natürliche Seife. Ich benutze zur Zeit diese hier. Aber auch Alepposeife tut da ihren Dienst sehr gut – bekommt man im Biomarkt. Statt fertige Gesichtsmasken, mische ich Heilerde mit lauwarmen Wasser. Und wenn es etwas mehr sein darf, dann gibt es vorher noch mein selbstgemachtes Zuckerpeeling.

Im Winter habe ich gemerkt, dass Sheabutter mein Gesicht mehr schützt als Kokosöl. Sie ist einfach reichhaltiger. Deshalb creme ich mein Gesicht momentan morgens mit Sheabutter ein und abends mit Kokosöl. Und ab und zu mal mit Arganöl. Das macht meine Haut nochmal extraweich.

Auch meinem selbstgemischten Deo bin ich treu geblieben. Denn es wirkt einfach perfekt. Besser als alle Deos, die ich vorher hatte. Dazu muss ich sagen, dass Natron einfach nur ein ziemlich unterschätztes Wundermittel ist – vielerlei einsetzbar. Nicht nur toll für die Zähne und als Deo, sondern auch im Haushalt sehr effektiv.

Ich habe im letzen halben Jahr nämlich nicht nur mit Kosmetik experimentiert, sondern bin noch ein bisschen weitergegangen. Aus Natron, Soda, Zitronensäure und Spülmaschinensalz habe ich mir ein Geschirrspülmittel selber gemacht. Es funktioniert nicht immer wie eine richtige Chemiekeule, aber es klappt schon recht gut, wenn man die Teller nicht ganz unabgespült in die Spülmaschine stellt.

Und dann ging es schließlich noch meinem Waschmittel und dem Weichspüler an den Hals. Meine Schwester war letztes Jahr fleißig Kastanien sammeln. Den Sud der getrockneten Kastanien kann man, durch die enthaltenen Saponine, wunderbar als Waschmittel benutzen – das klappt auch mit Efeu. Als Weichspüler nutze ich mittlerweile einfach Essig mit ein paar Tropfen Lavendelöl.

In dem letzten halben Jahr ist mir immer klarer geworden, dass – auch wenn es ausgelutscht klingt – weniger mehr ist. Ich habe mich von so vielen Produkten getrennt. Und nicht nur mehr Platz im Badezimmer bekommen, sondern auch in meinem Inneren. Ich fühle mich absolut befreit. Auch wenn es Tage gibt, an denen ich Lust habe mir die Wimpern zu tuschen und roten Lippenstift zu tragen. Nach kurzem Überlegen finde ich einfach keinen Mehrwert und verwerfe die Idee. Und ich muss mir einfach immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass Schminke einfach nur pure Chemie ist. Das vergesse ich häufig, weil man es eben nicht immer sofort merkt, wenn man sich schminkt oder eincremt. Und das zeigt mir, dass ich immer noch nicht clean bin.

Es geht für mich mittlerweile um viel mehr als einfach nur ein zugekleistertes Gesicht. Es geht um Selbstbewusstsein, Freiheit, Umweltschutz und Natürlichkeit. Ich sehe mich im Spiegel ungeschminkt wieder als ganze Frau. Ganz vollständig. Ich sehe mich. Und dieses Gefühl bestärkt mich auf meinem Weg.

wagner

 

4 Kommentare

  1. Danke liebe Serin für deine hervorragenden Tipps. Ich liebe die Manna Haarseife und bin so froh, dass du sie mir gezeigt hast! In Puncto pflegender Kosmetik bin ich dank deiner Challenge vollkommen chemiefrei unterwegs. An meiner dekorativen Kosmetik muss ich noch arbeiten. Hier ist es nicht so leicht natürliche Produkte zu finden, die gut anhalten. Hier bin ich aber auch dran. Liebe Grüße, Vanessa

    • Liebe Vanessa, vielen Dank! Halt gerne auf dem laufenden wenn du neue Produkte entdeckst.

      Liebe Grüße Serin ❤️

  2. Ich finde deine Aktion wirklich toll! Zwar möchte ich auf Makeup nicht komplett verzichten – meine Haut ist wirklich eine Katastrophe – aber ich habe es auch schon sehr reduziert. Vor allem im Bereich Reinigung und Pflege bin ich komplett auf Naturkosmetik umgestiegen. Da finde ich die Produkte von Manna wirklich toll! 🙂 Vor allem bei Produkten, die ich zur Pflege auf meine Haut schmiere und die dort auch bleiben (Make-up wäscht man ja Abends zumindest wieder ab) wird mir auch ganz anders, wenn ich an die ganze Chemie in herkömmlichen Cremes denke.

    Liebe Grüße
    Stephi // http://stephisstories.de

    • Liebe Stephi,
      Vielen Dank!! Ich liebe meine Mannas auch – will die nicht mehr missen. Ich könnte nie mehr eine herkömmliche Creme benutzen glaube ich ?

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