Tag 27 – Und morgen?

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Es sind nur noch drei Tage bis zum Ende der #30TageohneZucker Challenge. Zeit um sich über das Danach Gedanken zu machen. Mit all dem Wissen, das ich in den letzten vier Wochen über Zucker dazu gewonnen habe, ist es für mich unmöglich einfach so wie vorher weiter zu essen. Für immer auf alles zu verzichten, kann ich mir aber in der Tat auch nicht vorstellen. Um ehrlich zu sein, hänge ich ein bisschen in der Schwebe. Ich fürchte mich davor in ein Extrem zu stürzen.

Denn tun das Süchtige nicht so? Trauen sie sich nicht immer selber zu, einen gesunden Mittelweg zu finden? Raucher wollen nur noch am Wochenende rauchen, Alkoholiker nur das eine Glas Wein am Abend und Zuckersüchtige gönnen sich nur zum nachmittaglichen Kaffee etwas Süßes. Ich würde Ausreden erfinden. Ausnahmen legitimieren. Und ganz schleichend befinden ich mich wieder vollkommen in der Sucht, die ich offensichtlich niemals überwunden habe. Da ich mir dessen in der Theorie bewusst bin, ist es Zeit das in die Praxis umzusetzen.

Denn die eigentliche Frage ist: Warum tue ich Dinge, die mir nicht gut tun? Warum will ich Schädliches überhaupt legitimieren? Wieso immer diese Relativierungen? Eigentlich esse ich ja keinen Zucker mehr, aber heute gönne ich mir eine Zimtschnecke? Wieso glaube ich, dass einmal keinmal ist? Denkt das meine Bauchspeicheldrüse auch? Denn nur, weil die Zimtschnecke in meinem Bauch ist, ist sie noch lange nicht weg. Da fängt der Spaß für meinen Körper eigentlich erst richtig an.

Denn wenn irgendwann eine Diagnose wie z.B. Diabetes Typ II kommt – wer ist dann Schuld? Der Zucker oder ich? Kann Zucker überhaupt an irgendetwas Schuld sein? Zucker ist kein Lebewesen und kann mich also nicht zwingen ihn zu essen. Nicht der Zucker macht mich krank – sondern ich und mein maßloses Verhältnis zum Zucker.

Es ist wie mit einem Duschabfluss. Wenn da jeden Tag beim Duschen ein Haar reinkommt – dann ist das kein Problem. Nach ein paar Monaten merkt man aber, wie das Wasser immer langsamer abfließt und irgendwann geht gar nichts mehr.

Von einer Zimtschnecke ist noch keiner gestorben, deshalb fällt es mir auch immer schwer, daran zu denken, dass unser Körper die nicht einfach vergisst. Irgendwann sind die Entgiftungsorgane jedoch überlastet. Und wenn ich dann versuche, den Abfluss zu reinigen, dann wird’s unschön.

Ich frage mich also heute: Was braucht mein Körper? Was tut meinem Körper gut? In den letzten vier Wochen habe ich mich und meinen Körper so bewusst beobachtet, wie noch nie zuvor. Und die Antwort hat mir mein Körper bereits gegeben: Industriellen Zucker brauche ich definitiv nicht, um mich gut zu fühlen. Wieso muss ich mich dann heute überhaupt fragen, wie es weitergeht?

morgenstern

Weil ich noch lange nicht clean bin. Das habe ich erst heute wieder gemerkt, als dieser Schokokuchen auf der Arbeit stand und der Duft mich fast verrückt werden lassen hat. Ein Duft, den ich sonst nie wahrgenommen hätte. Aber heute hat dieser Kuchen mir immer wieder gesagt: Probier doch mal wie lecker ich bin. Ich bin zwar stark geblieben, aber ich frage mich dennoch: Wer spricht da überhaupt mit mir? Es ist die Sucht. Sie ist immer präsent und ich sollte es nicht mehr wagen, sie zu unterschätzen oder klein zu reden.

Wie soll es also tatsächlich weitergehen? Es gibt keine Anzahl an Tagen, die ich bewältigen muss, um sagen zu können, dass ich clean bin. Vielleicht dauert es noch zwei Wochen – vielleicht auch zehn Jahre. Es ist ein Prozess. Und das bedeutet, dass ich mir jeden Tag aufs Neue bewusst machen muss: Wie will ich mit meinem Körper umgehen? Wie lange möchte ich mit meinem Körper noch weiterleben? Wie viel kann ich uns beiden zumuten? Es ist kein Prozess der Zukunft, sondern ein gegenwärtiger.

Und gegenwärtig möchte ich leben. Ich möchte singen, tanzen, lachen, lieben – reisen. Und dafür brauche ich meinen Körper.

 

4 Kommentare

  1. Hallo. Sehr schön geschrieben und so ähnlich wird mein Abschlussbericht am Mittwoch auch klingen. Ich habe es schon beim letzten Blogpost geschrieben, ich stehe wie du zwischen den Stühlen… warum fühlt man sich so?? Ist doch einfach nur EINE Zutat von vielen. Oder ist es DIE Zutat? Die letzten Tage bringen uns hoffentlich noch die Lösung, wie es weitergeht. Es hat gut getan zu wissen, dass du auch dabei bist. Liebste Grüße, Nicole von Elfenleicht

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