Tag 25 – The Real Sugardaddy

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Da ich jetzt fast vier Wochen auf Zucker verzichte, hat auch fast mein ganzes Umfeld schon mitbekommen, dass ich den weißen Kristallen nichts Gutes mehr abgewinnen kann. Die meisten, die nicht bei der Challenge mitmachen entgegnen mir oft die gleichen Dinge: Ich weiß ja, dass Zucker schlecht ist oder Wenn Zucker so schlimm wär, dann wär er doch schon längst verboten.

Ich habe euch schon darüber berichtet, dass diese Abwehrhaltung etwas mit kognitiver Dissonanz zu hat. Heute möchte ich die zweite Aussage aber noch einmal von einer anderen Seite betrachten. Denn der Gedanke ist ja gar nicht blöd. Warum sollte ein Lebensmittel, das uns vergiftet, einfach für alle Menschen frei zugänglich sein? Im gleichen Zug müsste man dann aber auch fragen: Warum gibt es immer noch Zigaretten, Alkohol oder Waffen zu kaufen? Also warum hinterfragen wir nicht auch Dinge, die uns als harmlos verkauft werden, nur weil sie keine Altersbeschränkung haben.

Was wäre also, wenn es schon mal jemanden gegeben hätte, der sich gegen die Zuckerindustrie aufgelehnt hat? Wenn jemand schon lange gewusst hätte, dass Zucker unserem Organismus schadet? Wenn ein Wissenschaftler schon vor Jahrzehnten herausgefunden hätte, dass wir einer Zuckerverschwörung auferlegen sind. Dann kann ich nur sagen: Diesen Mensch hat es gegeben und sein Name war: John Yudkin. Der wahre Sugardaddy.

Noch nie von Yudkin gehört? Ich auch erst vor einigen Tagen. Warum? Weil mit ihm das passiert ist, was mit allen passiert, die sich mit einer Lobby, einer Regierung oder der Mafia anlegen: Er wurde mundtot gemacht.

Yudkin veröffentlichte das Buch Pure, White and Deadly : How Sugar is Killing Us and What We Can Do to Stop it. In diesem Buch veröffentlichte er manipulierte Studien der Harvard University, die ganz klar belegten, dass übermäßiger Zuckerkonsum zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ 2 führen können. Moment mal, manipulierte Studien an so einer renommierten Uni? Ganz genau. Die Wissenschaftler Robert McGandy und Mark Hegstedt haben 1967 in einer Studie zu Kohlenhydraten herausgefunden, dass Zuckerkonsum krankmacht. Als der Industrie das zu Ohren kamen, haben sie ein kleines Sümmchen von 50.000 Dollar springen lassen, um dieses kleine Detail zu verschweigen.

Auxley.pngAls Yudkin sein Buch publizierte, war seine Karriere als Wissenschaftler gelaufen. Er wurde auf keinen Kongress mehr eingeladen und durfte in keiner Zeitschrift mehr irgendwas veröffentlichen. Als seine Kollegen merkten, welche Macht die Zuckerindustrie hat, hat sich natürlich erstmal niemand mehr getraut in diese Richtung weiter zu forschen. Bahn frei für Fettbashing. In den 80er Jahren kamen so die ersten Low-Fat oder Fat-Free-Produkte auf den Markt. Und welchen Geschmacksträger nimmt man statt Fett?Richtig: Zucker!

Das hatte zur Folge, dass die Kalorienaufnahme ins unermessliche gestiegen ist und wir immer dicker wurden und werden. Denn Fett sorgt in der Nahrungsaufnahme für das Sättingungssignal.

Die Studie, die Yudkin veröffentlichte war allerdings nicht die einzige, die von der Zuckerindustrie geschönt wurde. Sie beeinflusste in den 70ern die Verantwortlichen des Nationalen Karies-Programms in den USA, sodass diese dafür sorgten, dass Zahnärzte ihren Patienten nicht unbedingt von Zucker abraten oder Zucker in Verbindung mit Karies bringen sollten.

Und wer dachte, dass heute alles ehrlich und transparent abläuft, den muss ich enttäuschen. Erst 2010 hat die Zuckerindustrie verhindert, dass unsere Lebensmittel mit einer Ampelkennzeichnung versehen werden, um auch auf einen hohen Zuckergehalt hinzuweisen.

John Yudkin ist 1995 gestorben. Seine Arbeit wird von Dr. Robert Lustig weitergeführt. Er ist Kinderarzt und Adipositas-Experte. Sein legendärer Vortrag: Sugar – The Bitter Truth wurde fast 7 Millionen Mal geguckt.

Die hohe Klickzahl zeigt, dass sich immer mehr Menschen über Ernährung in Eigenverantwortung informieren und uns unser Zuckerkonsum doch immer häufiger hinterfragt wird.

Was wäre also, wenn das sogenannte Selbstverständliche eben nicht selbstverständlich ist? Was wäre, wenn gerade im Selbstverständlichen eine unaussprechlich große Gefahr lauert, da eine Selbstverständlichkeit eben nicht hinterfragt wird? Könnte dies nicht zur Folge haben, dass alle Gedanken, Idee, Theorien, welche auf Selbstverständlichkeiten beruhen zwangsläufig zu falschen Schlüssen führen würden?

Zucker ist in unserer westlichen Welt definitiv selbstverständlich. Also kann der Konsum auch nicht sooo schädlich sein, nicht wahr?
Mein Liebling Bertolt Brecht erinnerte in diesem Zuge daran, dass wer A sagt, nicht zwangsläufig B sagen muss. Schließlich kann er erkennen, dass A falsch ist.

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