Tag 17 – Der Türsteher

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Immer wenn man Artikel über Zucker liest, Zucker googelt oder Videos schaut, dann taucht ein Wort immer wieder auf, das ich bisher eher ausgeblendet habe – Insulin. Und wenn man Insulin hört, dann schwingt auch immer gleich Diabetes mit. Aber was das genau bedeutet, war mir ehrlich gesagt nicht klar. Aber beginnen wir von vorne.

Insulin ist ein Hormon. Und dieses Hormon wird von der Bauchspeicheldrüse gebildet. Genauer gesagt von Beta-Zellen. Diese Zellen wohnen auf den sogenannten Langerhans-Inseln. Von diesen Inseln leitet sich übrigens auch der Name Insulin ab. Alle Lateiner mal die Händchen hoch – genau, insula.

Aber was macht Insulin eigentlich genau?

Insulin ist ein echter Türsteher. Dieser Türsteher entscheidet, welche Zellen Glukose aus dem Blut aufnehmen und damit den Blutzuckerspiegel zu senken. Und damit ist Insulin das einzige Hormon in unserem Körper, das das überhaupt kann. Es hat quasi den Schlüssel für die Insulinrezeptoren und öffnet den Organen so die Tür zum Blut – dann ist Glukoseparty angesagt. Insulin ist also überlebenswichtig. Deshalb speichert unser Körper auch immer eine Menge für etwa fünf Tage in der Bauchspeicheldrüse – man weiß ja nie, ob wieder eine Traubenzuckerfete ansteht.

Was passiert dann mit der Glukose, wenn das Insulin sie in die Zellen gelassen hat?

Dann geht es auf dem Dancefloor erst richtig los. Der Traubenzucker wird in Energie umgewandelt. Was die Zellen nicht gebrauchen können, landet in Energiedepots in Leber und Muskeln. Dann heißt der Zucker aber nicht mehr Glukose, sondern wird in ein anderes Hormon umgewandelt – Glukagon. Die Zuckerparty in unseren Zellen geht ungefähr zwei Stunden. Der Blutzuckerspiegel hat sich jetzt wieder normalisiert und das Insulin kann die Tür wieder zuschließen. Ein paar Gäste bleiben aber auf der Tanzfläche – sonst droht Unterzuckerung.

Und was ist dann Diabetes?

Bei vielen Menschen hat die Bauchspeicheldrüse keinen Bock so viele neue Türsteher einzustellen. Es gibt zwei Typen von Diabetes. Typ 1 bildet gar kein Insulin und Typ 2 zu viel. Zu wenig oder gar keine Türsteher heißt: Der ganze Zucker bleibt im Blut, keiner darf auf die Tanzfläche. Und irgendwann ist draußen eben voll.

Bei Diabetes Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Das eigene Immunsystem zerstört dabei die Inseln, auf denen die Türsteher wohnen. Diabetiker sind deshalb ein Leben lang auf externe Mitarbeiter angewiesen, die sie durch eine Spritze einschleusen. Bei der Diagnose Diabetes betrifft Typ 1 nur 5%, der Rest hat Diabetes Typ 2.

Früher wurde Diabetes Typ 2 auch Altersdiabetes genannt. Mittlerweile hat man diesen Namen allerdings gestrichen, da die Krankheit heute auch immer öfter bei Kindern und Jugendlichen festgestellt wird. Bei Diabetes Typ 2 produziert die Bauchspeicheldrüse zwar noch Insulin, aber die Türsteher machen die Tür einfach nicht mehr auf – Arbeitsverweigerung! Und so schwimmt der Zucker die ganze Zeit im Blut und die Zellen bleiben einsam auf der Tanzfläche. Ohne Zucker haben sie irgendwann keine Lust mehr auf Party. Und die Bauchspeicheldrüse will keine neuen Türsteher mehr einstellen und streicht die Stellen. Bis die Bauchspeicheldrüse aber merkt, dass zu viele Türsteher da sind, die überhaupt nicht arbeiten, können Jahre vergehen. Und deshalb bemerkt man erst recht spät, dass man überhaupt an Diabetes leidet.

Und dann hat man nicht nur einen viel zu hohen Blutzuckerspiegel, sondern es verstopfen die Blutgefäße, das Blut wird dicker und das kann irgendwann zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Nierenversagen, Blindheit, Durchblutungsstörungen und Polyneuropathie, also einer Nervenstörung, führen.

Du kommst hier nicht rein!.pngWie können wir Diabetes Typ 2 also verhindern?

Und hier komme ich endlich zum Zuckerverzicht. Denn der Zucker ist – natürlich- der Übeltäter. Den ganzen Tag nehmen wir bewusst oder unbewusst große Mengen Zucker zu uns. Manchmal sind das solche Flutwellen, dass die Türsteher gar nicht hinterherkommen mit dem Einlass. Potentielle Diabetiker essen aber nicht nur viel Zucker, sondern sie bewegen sich meistens auch sehr wenig – und verbrauchen so nur wenig Energie. Das heißt, dass die Tanzfläche schon voll ist, aber vor der Tür noch etliche Zuckergäste warten. Bedeutet: Der Blutzuckerspiegel steigt und steigt. Und irgendwann kündigen die Clubbetreiber dann den Türstehern, weil sie einfach immer zu viele Gäste reinlassen. Die Folge ist eine Insulinresistenz.

Will man Diabetes Typ 2 also vorbeugen oder bekämpfen heißt das: Weniger Zucker, mehr Bewegung. Auch Übergewicht soll eine Rolle spielen. So ist es vor allem das Bauchfett, das dazu führt, dass das Insulin nicht richtig arbeiten kann. Eine weitere Studie setzt Diabetes Typ 2 außerdem in Verbindung mit Fleisch, das das Risiko ebenfalls erhöhen soll.

Vorbeuger sollen dagegen Wasser, Mandeln, Omega-3-Fettsäuren wie z.B. in Leinsaat oder Leinöl, Zimt und eben Sport sein. Zucker, den wir durch Obst, Gemüse und Getreide aufnehmen, reicht vollkommen für eine perfekte Zuckerparty im Körper aus.

Sich durch viele medizinische Artikel und wissenschaftlichen Studien zu lesen ist nicht immer spaßig – ich weiß. Sich erst damit auseinander zu setzen, wenn so eine Krankheit zuschlägt, ist aber mit Sicherheit noch unspaßiger. Wenn wir Verantwortung für unseren Körper übernehmen, uns bewusst ernähren und uns mit Lebensmitteln auseinandersetzen, dann können wir so das Diabetesrisiko zumindest senken.

Und bevor unser Insulintürsteher dem Zucker irgendwann die Tür verweigert, sagen wir doch lieber schon vorher: Du kommst hier nicht rein!

 

 

 

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