Tag 14 – Ganz schön raffiniert 

Processed with VSCO with f2 presetZwei Wochen zuckerfrei – das kam mir ganz schön schnell vor. Ich habe mich an die Umstellung relativ fix gewöhnt. Natürlich denke ich immer noch gerne an Zimtschnecken, Schokosorbet und Kaiserschmarrn, aber beim Blick auf die Waage, auf meine Haut und tief in meine Seele, kann ich bisher nur feststellen, dass der Verzicht auf Zucker sich auf allen Ebenen lohnt. Ich bin schon fast tiefenentspannt – das kenn ich so von mir überhaupt nicht. Ich renne nicht ständig in die Küche und brauche unbedingt irgendwas Süßes, nur um es danach sofort wieder zu bereuen. Ich habe so einige Lebensmittel in meinen Schränken jetzt noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Und dann sind mir zwei Dinge in die Hände gefallen. Rohrzucker und brauner Zucker. Ist das eigentlich das Gleiche? Und ist brauner Zucker eigentlich gesünder als weißer?

Also habe ich mich auf die Suche nach Antworten gemacht.

Rohrzucker stammt, wie der Name schon sagt, aus dem Zuckerrohr. Das ist quasi die Urzuckerpflanze. Zuckerrohr haben die Inder schon im 5. Jahrhundert angebaut – durch die Seefahrer kamen die Pflanzen dann irgendwann nach Europa – wie immer. Damals war Zucker natürlich ein Luxusartikel. Man hat hier, wenn überhaupt, sein Essen höchstens mit Honig oder Fruchtsirup ein bisschen aufgepimpt. Durch Kolumbus und Konsorten kam das Zuckerrohr dann auch irgendwann nach Südamerika und war bis zum Goldhype die wirtschaftliche Grundlage der Länder.

Dann gibt es noch Vollrohrzucker. Der Sirup, der beim Auspressen des Zuckerrohrs entsteht wird getrocknet, gemahlen und nicht weiter behandelt. So behält der Vollrohrzucker noch Mineralien des Zuckerrohrsaftes – klingt jetzt gesund, aber ist eben immer noch Zucker.

Auf Verpackungen habe ich statt Rohrzucker aber auch schon oft Roh-Rohrzucker gelesen. Roh-Rohrzucker ist teilweise raffiniert und enthält 0,3 bis 1 % Melasse. Melasse ist wiederum ein Zuckersirup, der als Nebenerzeugnis bei der Zuckerproduktion zurückbleibt – sowohl beim Zuckerrohr, als auch bei der Zuckerrübe. Diesem Zuckersirup, den man nicht mit Zuckerrübensirup verwechseln darf, wird viel als Viehfutter verwendet. Man kann Melasse außerdem als Süßungsmittel im Reformhaus kaufen – ist dann aber eben auch Zucker, aber nicht in Kristallform. Und aus Melasse wird Alkohol für die Industrie und Medizin, z.B. zur Herstellung von Anitbiotika, gemacht. Ganz schön raffiniert!raffinieren

Und apropos raffiniert. Kommen wir zum braunen Zucker. Rohrzucker wird oft mit braunem Zucker verwechselt – so wie es bei mir ja auch war. Dabei stammt dieser gar nicht aus dem Zuckerrohr, sondern aus der Zuckerrübe. Dass die mit dem Zuckerrohr chemisch identisch ist, hat ein Apotheker im 18. Jahrhundert herausgefunden. So hoch wie heute war der Zuckergehalt in der Rübe damals übrigens noch nicht – aber durch Züchtung ist eben alles möglich. Aber warum gibt es nun weißen Zucker und braunen? Eine Sache der Züchtung? Nein! Brauner Zucker wird bei der Verarbeitung einfach gröber auskristallisiert. Das heißt, dass der einzige Unterschied ist, dass am braunen Zucker einfach noch mehr Melasse klebt, als am weißen.

Oft wird uns vermittelt, dass brauner Zucker oder Rohrzucker gesünder seien, als der weiße Kristallzucker. Denn auch der letzte hat mittlerweile kapiert, dass Zucker große Schäden im Körper und Geist anrichtet -auch wenn es vielen immer noch egal ist. Also musste sich die Zuckerindustrie etwas Neues einfallen lassen – wie eben brauner Zucker, der so aussieht, als wär er unverarbeiteter. Aber egal ob Zucker weiß, braun, grob oder gemahlen ist. Am Ende des Tages kommt es eben nicht auf die Form oder die Farbe an. Es ist und bleibt Zucker. Und der hat in der industriellen Form nichts in unserem Körper zu suchen.

Da kann die Industrie so raffiniert sein, wie sie will – wir sind klüger.

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