Tag 6 – Junkie

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Wie würdest du reagieren, wenn ich dir sagen würde, dass du ein Junkie bist? Dass du süchtig nach Zucker bist. Wärst du beleidigt? Geschockt? Wütend? Wie auch immer du reagierst, es ist so. Du bist ein Junkie, denn Zucker macht süchtig und du konsumierst ihn täglich oder regelmäßig. Klar, Junkies stellt man sich immer mit Einstichspuren an den Armen vor, blass, fertig und unzurechnungsfähig. Aber gerade dadurch, dass Zucker sich ganz heimtückisch einschleicht, macht das diese weiße Droge viel verheerender.

Viele werden jetzt sagen, dass ich übertreibe. Zucker mit Alkohol, Nikotin oder Heroin auf eine Stufe stellen – ist die verrückt? Dass Zucker nicht gesund ist, ist jedem bekannt. Aber, dass er wirklich abhängig macht, das wird oft runtergespielt. Studien beweisen, dass das Gehirn bei der Lust auf etwas Süßes und dem Verlangen nach dem nächsten Drogenkick die gleichen Signale empfängt. Und je länger wir Zucker konsumieren, desto mehr verändert sich der Stoffwechsel unseres Gehirns.

Die meisten von uns werden bereits im Mutterleib mit Zucker gefüttert. Natürlich nicht bewusst, aber denken wir doch mal an Klischees über Schwangere – Nutella mit sauren Gurken. Weiter geht es als Kleinkind bei vielen mit Fertiggläschen und so nimmt das Leben als Zuckerjunkie eben seinen Lauf.

Es gibt Forscher die einen Zuckerrausch einem Kokainrausch gleichsetzen. Ist das jetzt nicht wirklich übertrieben? Nein! Denn wenn du Zucker isst, passiert in deinem Gehirn folgendes: Die Zuckermoleküle setzen sich auf die Dopaminrezeptoren. Und Moment mal, Dopamin? Kennen wir das nicht irgendwoher? Richtig, Glücksgefühle! Und genau die werden auch freigesetzt, wenn wir z.B. Kokain nehmen. Das Belohnungszentrum in unserem Gehirn unterscheidet also nicht zwischen Zucker und Kokain. Und es will immer mehr und mehr. Wieso unterscheiden wir dann zwischen Zucker und Drogen?

Zucker wird in der Gesellschaft runtergespielt. Ich habe ja bereits hier beschrieben, dass er so gut wie überall drin ist. Warum dann also keine Regelungen so wie bei Zigaretten, Alkohol oder eben Drogen? Wieso ist Zucker frei zugänglich und überall versteckt?

Weil Zucker für die Industrie doppelt praktisch ist. Zum einen sind die weißen Kristalle billig, also kann man sie überall untermischen und Produkte teurer verkaufen. Zum anderen macht Zucker langsam aber sicher krank. Sei es Karies, Diabetes, Herzinfarkte oder Übergewicht. Auf die Massen an Patienten freuen sich Ärzte, Versicherungen und die Pharmalobby.

Ich habe mich heute gefragt, ob ich nach 30 Tagen wirklich einfach wieder so essen will wie vorher – ob ich das überhaupt kann. Denn einem trockenen Alkoholiker würde ja auch keiner ein Bier in die Hand drücken. Warum also wieder das Naschen anfangen, wenn man endlich runter ist von der glitzernden Droge? Warum nicht lieber das Umdenken fördern und Freunde und Familie aufklären und die Zuckerindustrie in die Knie zwingen? Das mag utopisch klingen, aber irgendjemand muss ja anfangen.

Warum nicht wir?

 

9 Kommentare

  1. „Warum nicht wir?“
    Weil ich denke, dass man nicht all zu streng mit sich selbst vors Gericht gehen sollte. Ich verstehe deine Bedenken, deine Kritik. Dennoch, und du formulierst es ja selbst gut aus: Zucker macht glücklich. Zucker schmeckt. Ich glaube nicht, dass wir alle zwanzig Jahre länger und glücklicher leben werden, wenn wir die „weiße Droge“ gänzlich von unserer Nahrungsliste streichen.
    Ein bedachtes Konsumieren, Informieren oder sogar Experimentieren, wie du es beispielsweise tust, ist gut und bemerkenswert, ein öffentliches Verbot meiner Meinung nach jedoch zu hart. Es mag schlecht für den Körper sein, ja. Aber wenn man nur darauf achtet, was gut für einen ist, statt das zu tun, was man wirklich genießt, auch wenn es nicht das Beste für den Körper ist… dann glaube ich verliert man sich im Kontrollzwang und verzichtet auf ein gehöriges Maß an Lebensgefühl und -qualität.

    • Es muss ja nicht gleich ein Verbot sein. Aber bitte ordentliche Aufklärung so wie es mittlerweile bei Zigaretten auch gemacht wird. Und bei Alkohol zumindest ein bisschen. Für beides gibt es eine Altersbeschränkung. Warum dann nicht für Zucker. Immer mehr Kleinkinder erkranken an Diabetes. Das kann kann ja kein Zufall sein. Und ich glaube schon dass man ohne Zucker glücklicher lebt. Kann es aber natürlich erst bestätigen wenn ich es längere Zeit ausprobiere 😉 und es gibt auch Menschen die sagen werden, dass man mit Drogen, Alkohol oder Zigaretten glücklicher lebt – ist das dann auch Lebensgefühl und -qualität?

      • Ich bin absolut bei dir, wenn es darum geht mehr Transparenz zu schaffen. Das von den Grünen geforderte Ampelsystem fand ich aus Konsumentensicht immer eine gute Idee.
        Selbstverständlich denke ich auch, dass man nicht von guter Lebensqualität sprechen kann, wenn jemand quasi kurz davor ist sich den goldenen Schuss zu geben. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deswegen, finde ich den Vergleich zwischen Zuckerkonsum und Junkies mit Einstichspuren überzogen.
        Ich verstehe und finde es auch gut, dass du hier aufklären möchtest. Die damit einhergehende Verteufelung und -urteilung kommt mir allerdings zu moralapostalisch vor und liegt einfach schlichtweg fernab meiner persönlichen Realität.

        Wünsche dir noch ganz viel Durchhaltevermögen! Eine Woche ist schon ein tolles Ergebnis.

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