In My Head

InmyheadAls ich gestern im Bett lag und das Licht ausgeschaltet habe, war es ungewohnt leise. Kein Bass aus dem Club nebenan, keine vergnügten Nachbarn, kein nörgelnder Hausmeister.

Und deshalb hatte ich mir überlegt auch mein Sherlock-Hörspiel mal aus zu lassen. Was für eine Ruhe. Sollte ich es in dieser Nacht wohl schaffen endlich mal ruhig und entspannt zu schlafen – und dann womöglich am nächsten Morgen ausgeglichen aufzuwachen?

Zu früh gefreut – denn eine konnte ihren Mund einfach nicht halten. Diese Stimme in meinem Kopf, die einfach nie nie nie zur Ruhe kommt. Die mir ständig aufzählt, was ich heute immer noch nicht erledigt hab, was ich schon längst hätte tun sollen und was morgen alles ansteht. Nein, ich brauche kein Siri. Das ist nämlich alles schon in meinem Kopf.

Du wolltest doch noch bei der Versicherung anrufen, du wolltest doch neue Müllbeutel kaufen, du wolltest eine neue Druckerpatrone besorgen, du wolltest einen Friseurtermin machen, du wolltest deinen Papierkram sortieren, du wolltest eine Million Interior-Sachen bei Pinterest zusammensuchen, damit deine Wohnung endlich mal fertig wird.

Und außerdem wolltest du endlich mal zur Ruhe kommen. Meditieren. In dich gehen und dir zuhören, was los mit dir ist. Warum du so unruhig bist. Mach doch mal wieder Yoga! Oder lies einen Ratgeber! Oder nimm ein entspannendes Bad! Und vergiss nicht, dass du nach dem Glück suchen wolltest. Ganz wichtig!

Spätestens wenn deine innere Stimme dir sagt, dass Entspannen auf deiner To-Do-Liste steht, hast du ein Problem. Und die Suche nach dem Glück ist nichts, was man einfach so erledigt und abhakt.

Gestern Abend ist mir klar geworden, dass ich momentan falsche Prioritäten setze. In meinem Kopf haben Dinge, die ich erledigen muss, einen viel zu hohen Stellenwert bekommen. Und das stresst mich ungemein.

Seine Balance zu halten ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung.

Ich habe zugelassen, dass meine innere Stimme mich verrückt machen darf, anstatt ihr zu sagen: Hey Süße, wir sind doch ein Team! Erzähl mir doch auch mal wieder was Schönes! Über Urlaub, Liebe oder Musik.

Ständig wird uns eingeredet, dass wir auf der Suche wären. Auf der Suche nach Glück. Auf der Suche nach uns selbst. Auf der Suche nach dem Richtigen. Auf der Suche nach Vollkommenheit.

Aber diese angebliche Suche macht müde, unzufrieden und vor allem rastlos.

Immer stärker spüre ich diese innere Unruhe. Nachts wache ich ständig wieder auf. Tagsüber verliere ich mich in Gedanken – in To-Do-Listen und Erinnerungsapps. Ich nörgle immer öfter und verspüre den Drang einfach alles aufzugeben. Als würde ich in einem Leben leben, das nicht mir gehört. Dabei bin ich die Einzige, die mein Leben in  genau die Bahnen lenken kann, in denen ich es gern hätte.

Oft frage ich mich, wie andere das eigentlich machen. Sind alle anderen tatsächlich organisierter? Ausgeglichener? Oder haben sie vielleicht schon all das gefunden, wonach wir suchen? Oder lassen sich andere von den täglichen Do’s einfach nicht so stressen und runterziehen?

Ich muss endlich aufhören zu suchen. Ich muss Dinge endlich auf mich zukommen lassen. Im Jetzt leben. Und nicht im Gestern oder Morgen. Denn was gestern war, kann ich nicht mehr ändern und was morgen kommt, das sehe ich dann.

Natürlich müssen die To-Do-Listen trotzdem erledigt werden. Aber ich brauche sie nicht mehr in meinem Kopf. Sie stehen schließlich auf dem Zettel in meiner Tasche. Und das reicht.

Und ich höre auf zu denken du wolltest noch und du musst. Stattdessen werde ich die Dinge erledigen. Und zwar ohne ihnen einen zu hohen Stellenwert in meinem Leben einzuräumen.

Heute hat das schon ganz gut geklappt. Ich habe endlich angefangen mich um den Versicherungskram zu kümmern, den ich schon seit Monaten vor mir herschiebe. Habe Termine gemacht. Habe Haushalt gemacht – fast ohne zu Murren. Und mich dann mit einem leckeren Mittagessen und einem Nachmittag im Park belohnt.

Und als ich da so lag auf meiner Decke, Sommermusik gehört hab und einfach mal wieder in den Himmel geguckt habe, war es plötzlich wieder da – die entspannten Schultern, das kleine Lächeln, die Ruhe in meinem Kopf und dieses klitzekleine Glücksgefühl.

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