TAG 21 / SO FAR

Tag21Drei Wochen. Drei Wochen nackte Haut.

Als ich mit der #30Tageungeschminkt-Challenge angefangen habe, hätte ich nicht gedacht, dass das Nicht-Schminken so viel mit mir machen würde. Ich hatte eher Angst vor schlechter Haut, dummen Kommentaren und davor, dass ich es ganz schnell bereuen würde meinem Make-up Goodbye gesagt zu haben.

Aber es kam anders. Nach ein paar Tagen sind die Pickel verschwunden. Aus meinem Gesicht – und aus meinem Kopf. Ich fing an mich nach und nach wohler zu fühlen. Und vor allem freier. Keine Bedenken, ob alles richtig abgedeckt ist, ob ich einen Make-up-Rand habe oder ob irgendwas verschmiert ist. So wie ich morgens das Haus verlassen habe, sah ich auch aus, wenn ich abends wiedergekommen bin.

Pünktlich zur Challenge hat sich auch die Sonne endlich mal blicken lassen. Das Ergebnis: Endlich ein bisschen Farbe im Gesicht. Einen gleichmäßigen Teint, weil ich nicht halbgeschminkt durch die Sonne gestiefelt bin. Und meine Sommersprossen sind zu Besuch gekommen. Die haben mich daran erinnert, dass vermeintliche Makel ein Gesicht erst besonders machen. Narben, Sommersprossen, Muttermale, eine schiefe Nase. Solche Dinge sorgen erst dafür, dass ein Gesicht besonders aussieht. Auch wenn wir immer nach Perfektion streben, wäre eine Welt voller symmetrischer Gesichter ganz schön langweilig.

Und noch etwas hat angefangen. Ein Gefühl, das ich in dem Ausmaß noch gar nicht kannte. Ein Gefühl von Stärke, Mut und Selbstvertrauen. Ein Gefühl, das meinen Kopf hebt, wenn ich auf der Straße bin. Ich habe nicht mehr das Bedürfnis die ganze Zeit auf den Boden zu gucken. Sondern ich möchte der Welt zeigen wer ich bin. Wie ich strahlen kann. Möchte mich nicht mehr hinter einer Maske aus Make-up und Puder verstecken.

Wenn ich in den Spiegel gucke, dann sehe ich nicht mehr das ungeschminkte, fahle Gesicht, in dem etwas zu fehlen scheint. Ich sehe ein Ganzes. Ein vollständiges Gesicht. Mein Gesicht. Und es fängt an mir zu gefallen.

Auf der anderen Seite sind es auch erst drei Wochen. Vielleicht sind diese Gefühle der erste Hype. Vielleicht sind diese Gefühle Euphorie. Vielleicht werden diese Gefühle auch selbstverständlich. All das kann ich bisher nicht sagen. Aber ich weiß, dass Selbstbewusstsein harte Arbeit ist. Dass es nicht in 30 Tagen erledigt ist und dann für immer hält. Es wird auch in Zukunft Tage geben, an denen ich mich verstecken möchte. An denen ich mich schminken möchte. An denen ich mich nicht lieben kann, wie ich bin.

Aber vielleicht denke ich dann wieder an diese Challenge. An die tollen Gefühle, an das positive Feedback und wie schön sich das nackte Gesicht in diesem Moment angefühlt hat.

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