TAG 19 / Blickwinkel

Tag19Es gibt so Tage, an denen wache ich morgens auf und denke: Bäh, heute fühle ich mich gar nicht gut. An solchen Tagen bin ich immer gewillt mich ganz besonders doll zu schminken, weil ich denke, dass ich dieses Unwohlsein verstecken könnte. Aber da das während der #30Tageungeschminkt-Challenge nicht geht, musste ich mich intensiv damit beschäftigen, was an diesen Tagen überhaupt mit mir los ist und was ich dagegen tun kann.

Klar, manchmal reicht schon ein neuer Pickel, um einen Tag zu ruinieren. Ich hab euch aber ja schon von meiner Wunderwaffe Kokosöl erzählt – seitdem sind Pickel echt zweitrangig geworden. Am Anfang der Challenge kamen sie alle raus, um mal zu gucken was da los ist – wo die ganze Frischluft herkommt. Aber jetzt chillen sie und genießen den Karibikduft.

Aber nicht nur Pickel lassen einen manchmal schlecht fühlen. Oft guckt man in den Spiegel und findet seinen Teint fahl oder seinen Blick müde. Früher musste der Gesichtsselbstbräuner herhalten – heute weiß ich, dass es reicht sein Gesicht einfach mit eiskaltem Wasser zu waschen. Das regt die Durchblutung an und macht müde Haut rosa und wach. Gurkenscheiben, abgekühlte Kamillenteebeutel und kalte Teelöffel auf die Augen – all das hilft auch. Allerdings nur für den Moment. Und oft hat man morgens gar nicht die Zeit oder Ruhe dafür.

Man kann äußerlich viel versuchen. Das bringt aber alles nichts, wenn man sich von innen immer noch schlecht fühlt.  Ich habe letztens gelesen, dass man automatisch bessere Laune bekommt, wenn man 10 Minuten lächelt. An einem Tag, an dem man eh schon schlecht drauf ist, ist das leichter gesagt als getan. Aber ich habe es ausprobiert und mir hilft es ganz wunderbar.Warum hatte ich nochmal schlechte Laune? Keine Ahnung! Weiter lächeln. Auch Singen oder Pfeifen beschert Glücksgefühle – ob wir wollen oder nicht.

Irgendwann muss man aber doch das Haus verlassen. Und da warten sie schon, die Starrer. Wenn man sich schlecht fühlt, dann scheinen diese gemeinen Menschen ganz genau hinzugucken. Hab ich was auf der Nase? Ist meine Hose auf? Gucken die auf meinen Pickel? Die starren doch alle auf diesen verdammten Pickel! Vor zwei Wochen war der schlimmste Gedanke in meinem Kopf noch: Hab ich einen Make-up-Rand oder Lippenstift auf dem Zahn? Diese Frage erübrigt sich mittlerweile. Aber die anderen bleiben.

Wenn ich schlechte Laune habe, dann strahle ich das aus. Dann kommen auf der Arbeit genau diese Sprüche, die wir alle so lieben: Du siehst aber müde aus! Bist du krank? Auf der Straße fühle ich mich unwohl und angestarrt. Und dann ärger ich mich noch mehr. Anstatt den Grund für meine schlechte Laune zu erörtern oder anzugehen, projiziere ich meinen Frust lieber auf andere Leute – eben auf die, die mich anstarren oder die mir einen Spruch drücken. Klar, die sind Schuld, dass ich mich schlecht fühle! Leider zu einfach.

Mit der Challenge kommt ungeahnt ein neues Selbstbewusstsein, das ich vorher nicht kannte. Ich reflektiere mich mehr und hinterfrage mein Verhalten. Kurz gesagt: Ich lerne mich gerade ziemlich gut kennen. Aber dadurch verstehe ich auch immer besser, warum ich mich so fühle, wie ich mich eben fühle und bekomme meine Launen besser in den Griff.

Und so fange ich langsam an zu verstehen, dass die Leute einen auch bei guter Laune angucken – dann merke ich es aber nicht, weil ich viel zu sehr mit lächeln und strahlen beschäftigt bin.

Manchmal kommt es eben auf den Blickwinkel an.

 

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