TAG 15/ Der Zeigefinger 

Tag15Es ist Tag 15! Die Hälfte der Challenge ist heute geschafft. Und was soll ich sagen? Ich habe mich noch nie so gut gefühlt. Ungeschminkt und frei. Und vor allem machen mich all die positiven Nachrichten unbeschreiblich glücklich. Und trotzdem kommt jetzt ein aber.

Denn sobald man sich gegen die Norm auflehnt oder von ihr abweicht, sind Zeigefinger-Menschen nicht weit. Und das ist ja klar. Denn kritisieren, belächeln, Augenrollen und den Zeigefinger erheben ist auch einfach zu leicht und macht manchmal sogar Spaß. Aber das ist gar nicht das, was mich stört. Ich finde es eher befremdlich, dass Menschen sich bei mir rechtfertigen, obwohl ich niemandem einen Vorwurf mache. Niemals habe ich behauptet, dass ungeschminkte Menschen bessere Menschen sind. Bis vor zwei Wochen war ich schließlich selber noch geschminkt. Und ich kann und will für die Zukunft gar nicht ausschließen, dass ich es nie wieder tun würde.

Und trotzdem suchen Menschen, die augenscheinlich keine Lust haben bei der #30Tageungeschminkt-Challenge mitzumachen, den Kontakt zu mir und erklären mir, dass das bestimmt toll ist, was ich da mache, aber dass sie leider nicht mitmachen könnten. Und dann höre oder lese ich Monologe, in denen es vor Ausreden und Zweifeln nur so wimmelt. Und dann frage ich mich, warum die Zeigefinger-Menschen sich nicht einfach eingestehen, dass es nicht eine Frage des Könnens ist, sondern des Wollens.

Nur wenige Leute haben mir geschrieben, dass sie keinen Bock auf die Challenge haben. Und das finde ich gut. Denn es ist ja wohl klar, dass da nicht jeder Lust drauf hat. Wenn man sich das aber bewusst macht, dann muss man im nächsten Schritt natürlich hinterfragen: Okay, warum kann oder will ich nicht ohne Make-up aus dem Haus? Diese Selbstreflexion ist ungeheuer wichtig, wird aber oft schmerzhaft. Und da das jeder von uns weiß, wird einfach nur eine Schicht Make-up drübergepinselt, bis man seine eigenen Gedanken nicht mehr ertragen muss.

Es ist okay, dass die Zeigefinger-Menschen ihre Gedanken und Bedenken auf mich projizieren. Mit dem Finger auf mich zeigen, anstatt bei sich selbst anzufangen. Schließlich habe ich diese Thematik öffentlich gemacht. Und mir ist der Diskurs wichtig -eben auch mit den Nicht-Challengern. Ich bin keine Missionarin. Klar bin ich froh, dass ich die 30 Tage nicht allein durchziehen muss. Es geht mir am Ende aber eher um Denkanstöße, verschiedene Perspektiven und Erfahrungsaustausch.

Zeigefinger-Menschen gibt es in jedem Umfeld. Und man sollte nachsichtig mit ihnen sein, denn ganz tief im inneren sind diese Menschen einfach nur verunsichert. Und anstatt Dinge zu erfragen oder auszuprobieren, lehnen sie alles kategorisch ab. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass überreden da nichts bringt. Die Erfahrung zeigt: Irgendwann, ganz still und leise, kommen die Zeigefinger-Menschen doch auf dich zu, um nochmal ganz genau nachzufragen, wie du das eigentlich gemacht hast.

Und dann werde ich lächeln und ihnen ein Abschminktuch in die Hand drücken – oder um den Finger wickeln.

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