Sugar Baby Love

Zucker2Du bist ja so Zucker. Das sag ich gerne, wenn jemand süß ist. Ansonsten ist Zucker mittlerweile mein größter Feind geworden.

Angefangen hat alles im Supermarkt. Ich wollte einen veganen Monat einlegen und dazu auch Zucker weglassen. Ich hab mir das eigentlich recht easy vorgestellt. Klar. Einfach erstmal keine Süßigkeiten kaufen. Das ist die halbe Miete. Ha! Von wegen. Hinterher stand ich über eine Stunde im Supermarkt, weil ich mir alle Packungen genau durchlesen musste. Spätestens, als ich auf der Rückseite vom Tomatenmark feststellen musste, dass da Zucker drin ist. Im TOMATENMARK! Hallo? Was zur…. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir: Stop! So geht das nicht. Ich muss jetzt mal genau recherchieren, was hier eigentlich los ist. Also setzte ich mich zuhause hin und guckte Dokus, las Artikel und durchforstete Foren.

Irgendwann, als es wirklich schon spät war und ich wegen Reizüberflutung den Laptop zuklappte, sah ich hoch und mir wurde etwas klar: Ich bin ein Zucker-Junkie, ohne dass es mir wirklich bewusst war. Dieses weiße Gold ist eine Droge, die ich seit Kindertagen konsumiere. Klar. Der süße Geschmack verführt. Und wenn Zucker wirklich nur in süßen Speisen enthalten wär, dann wär das ganze Spielchen auch nur halb so wild. Aber erstens verwandeln sich ja auch isolierte Kohlenhydrate in Zucker – wie etwa Brot – und zweitens versteckt er sich auch noch hinter Decknamen. Dass in Obst Fruchtzucker, also Fructose, drin ist war mir ja klar. Und brauner Rohrzucker ist meistens nichts anderes als gefärbter weißer Zucker. Aber Maissirup, HFCS, Lactose, Dextrose, Glucosesirup, Amazake, Sucrose, Galactose oder Maltose? Das ist auch alles einfach nur Zucker? Will man mich für blöd verkaufen? Aber ja. Und das Schlimmste ist, dass es auch noch klappt. Schließlich habe ich mich jahrelang nicht gewundert, was diese komischen Wörter wohl bedeuten.

 

Also beschloss ich, dass ich etwas ändern muss. Ich informierte mich über Alternativen. Honig? Einfach nur eine übersättigte Zuckerlösung. Agavendicksaft? Naja, da wird sich jetzt drum gestritten. Zuerst hieß es, dass es eine super Alternative ist. Nun soll Agavendicksaft aber genau so ungesund sein wie Zucker. Ob jene Artikel von der Zuckerindustrie ins Internet geschmuggelt wurden, kann ich nicht abschätzen. Aber ich lass es dann lieber ganz weg. Kokosblütenzucker? Ein natürliches Süßungsmittel. Ab in den Einkaufskorb. Stevia? Auch natürlich, mir aber zu süß. Datteln? Top! Süß und gesund. Und es gibt noch jede Menge mehr Alternativen. Bevor ich die aber ausprobiere, wollte ich erstmal den vollen Entzug durchmachen.

Wie schlimm kann das schon sein? Da gibt es doch weitaus schwierigere Dinge. Mit dem Rauchen aufhören – benötigt einiges an Willenskraft. Kein Fleisch mehr essen – für den Steakliebhaber unvorstellbar. Aber Zucker? Mein Gott. Was soll da schon passieren?

Also nahm ich mir vor eine Woche auf alles zu verzichten – es gab nur grüne Säfte und Kräutertee. Tag eins war ok. Ich war motiviert und euphorisch. An Tag zwei wollte ich nur noch sterben. Und zwar nicht, weil ich Hunger hatte. Ich war wirklich ein Junkie und das hier war wirklich ein echter Entzug. Ich hatte die schlimmsten Kopfschmerzen meines Lebens. Die schlimmste Laune meines Lebens. Habe zuhause nur noch geweint. Wusste nicht wohin mit mir. War zittrig. Konnte mich auf nichts mehr konzentrieren. Ich brauchte meinen Stoff. Dringend!

Dieses Gefühl ging noch zwei Tage so weiter. Und an Tag vier fühlte ich mich frei, fit und zufrieden. Ich war hellwach und ruhig. War ich jetzt runter vom Zucker? Noch nicht ganz. Bis Ende der Woche hatte ich die Kopfschmerzen. Auch als ich dann wieder anfing zu essen und den Zucker noch wegließ wurde das nicht besser – auch wenn ich viel ausgelassener war. Also machte ich den Test. Einen Schokoriegel. Und da. Die Kopfschmerzen gingen nach kurzer Zeit weg. Glücksgefühle, als wäre ich high. Da hatte ich meinen Beweis. Ich bin süchtig. Süchtig nach Zucker. Nach diesen kleinen glitzernden Kristallen. Nach der weißen, unschuldig erscheinenden Droge.

Seit meinem Selbstversuch bin ich, wie sich das für einen anständigen Junkie gehört, wieder voll drauf. Zuckerindustrie und Tabakindustrie tun sich nicht viel, wenn es darum geht, die Leute immer weiter in die Sucht zu treiben. Nur, dass auf Zigarettenschachteln mittlerweile steht, dass Rauchen tödlich ist. Auf dem Tomatenmark wird noch nicht vor Diabetes gewarnt.

Diese Zuckersache macht mich wirklich wütend.  Weil wir da einfach drin sind, ohne es zu wissen. Klar Cola und Kuchen sind ungesund – das wissen wir. Aber, dass wir uns wegen des Zuckers schlapp fühlen und Heißhungerattacken bekommen, das wissen vielleicht nicht alle. Dass Zucker das Gehirn beeinflusst und uns willenloser macht. Und, dass wir uns unglücklich fühlen, wenn wir zu wenig Zucker intus haben – das will ich einfach nicht mehr.

Ich werde es wieder versuchen. Diesen Entzug. Runterzukommen von der weißen Droge. Aber dieses Mal für immer. Ich will endlich clean sein.

 

 

10 Kommentare

  1. Ich versuche auch vom Zucker ‚runter zu kommen, aber scheitere jedes mal wenn ich gestresst bin und mir dann doch den Knoppers gönne >_<
    Ich glaub ein kalter Entzug ist für mich nicht der richtige Weg. Ich versuche es nach und nach zu reduzieren und darauf zu achten mehr Polisaccharide (Mehrfachzucker) und weniger Monosaccharide (Einfachzucker) zu mir zu nehmen.

    • Ja, ich schaffe es so strikt ja leider auch nicht. Und jedes Mal, wenn man dann was Süßes ist ärgert man sich wieder. Ich versuche es jetzt auch nach und nach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.