Gewissensbisse

Processed with VSCOcam with t1 presetEs gibt Dinge, über die sollte man nicht zu lange nachdenken. Sonst wird man verrückt. Zum Beispiel das Ende des Universums. Schwarze Löcher. Unendlichkeit. Weitere Nachkommastellen von Pi. Den Sinn des Lebens. Automatisierte Vorgänge, wie Gehen, Autofahren, Atmen. Oder eben, was die Zukunft bringt. Was aus dir mal werden wird. Oder werden könnte.

Denn wie sehr hat mein sein eigenes Leben wirklich in der Hand? Wie sehr kann man alles beeinflussen? Und wie sehr lässt man sich von seiner Umgebung beeinflussen? Von gesellschaftlichen Werten. Von der Meinung anderer. Und natürlich von seinem Gewissen. Dieses verdammte Gewissen. Das dich einfach nicht machen lässt, was du gerne willst. Aber warum eigentlich nicht? Warum stehe ich mir dauernd selbst im Weg, anstatt einfach mal zu machen?

Wo wärst du, wenn du wirklich einfach machen könntest was du willst? Traumberuf, Traumland, Traummann? Wärst du wirklich gerade da, wo du jetzt bist? Mit der Person, mit der du zusammen bist? Und in dem Büro, in dem du montags bis freitags schufftest? Und, wenn du auch nur eine dieser Fragen mit Nein beantwortest: Warum änderst du nichts? Genau. Ich weiß. Das ist eben nicht so einfach. Und man kann doch nicht einfach. Und du würdest ja gerne. Aber wie soll das denn gehen?

Ich hatte Anfang des Jahres ein paar Tage frei. Und habe den absoluten Egotrip geschoben. Ich habe nur Dinge getan, auf die ich Bock hatte. Teure Sachen geshoppt. Kalorienbomben gegessen. Stundenlang gebadet und bescheuerte Serien geguckt. Alleine Kaffee getrunken und über Leute spekuliert. Bis in die Puppen geschlafen und nachmittags ein kleines Mittagsschläfchen einlegt. Im Museum über Pinselführung und Farbenlehre philosophiert. Zwei Bücher parallel gelesen, weil ich mich nicht entscheiden wollte. Ich dachte, dass ich ewig so weitermachen könnte. Aber so war es nicht. Und am Ende der Woche kam es dann. Das schlechte Gewissen. Ich hatte mich bei niemandem gemeldet. Habe mein Konto auf Diät gesetzt. Und Netflix durchgespielt.

Ich hatte das Gefühl mein Leben zu vergeuden. Ich meine. Welchen Mehrwert hat mein Verhalten? Bringt das die Welt voran? Und noch wichtiger. Muss es das? Muss jeder Mensch dazu beitragen, die Welt zu verändern? Zu verbessern?

Diese Gedanken machen mich wahnsinnig und führen im Endeffekt dazu, dass ich nichts mehr genießen kann. In jedem schönen Moment flüstert mein kleines schlechtes Gewissen mir böse Dinge ins Ohr. Und knabbert und zwickt. Und das war es dann mit der Entspannung. Und dann sitze ich wieder auf der Arbeit, träume von einer Weltreise. Von meiner nächsten Egowoche. Von neuen Serien auf Netflix.

Und überlege, wo ich einen Maulkorb für mein Gewissen herbekomme.

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