Kritisch 

Processed with VSCOcam with t1 presetDu bist in letzter Zeit ganz schön verbittert, weißt du das? Manchmal redest du wie so ne Oma. Auch kein Hähnchen? Wieso hast du das denn noch nicht erledigt? Ist doch schnell gemacht. So stehen dir die Haare viel besser. Tausend mal besser als vorher. Auch keinen Fisch? Jetzt mach kein Drama draus. Würde ich an deiner Stelle nicht so machen, aber musst du wissen. Ist Geschmackssache. Dafür hast du ein schönes Gesicht. Du machst dich lächerlich. Nicht mal Lachs? Typisch du. Das ist doch Allgemeinwissen. Würde ich anders schreiben. Guck doch nicht so grimmig.  Ich hatte dich dahingehend informiert. Du bist echt nicht kritikfähig.

Wie kritikfähig muss ein Mensch denn eigentlich sein? Und wie weit darf man gehen? Wann ist genug kritisiert? Und darf man das überhaupt? Sich da einfach einmischen?

Meistens merken wir ja gar nicht mehr, dass wir jemanden kritisieren. Wir reden einfach so vor uns hin. Und noch wichtiger. Wir meinen es ja immer nur gut. Wollen nur einen Ratschlag erteilen. Unsere Hilfe kundtun. Das ist doch keine Kritik! Denn, Hand aufs Herz, oft denken wir, wir wüssten es besser. Dass sich unser Gegenüber dann gekränkt fühlen könnte, kommt uns höchstens irgendwann hinterher mal in den Sinn. Oder vielleicht verstehen wir nicht mal dann, dass das nicht ganz so nett von uns war.

Auf der anderen Seite ist Kritikfähigkeit wichtig. Denn tatsächlich meinen es die Menschen, die dich kritisieren manchmal gut. Und insgeheim wissen wir das auch. Aber manche Dinge will man einfach nicht hören. Vor allem, wenn man selber weiß, dass man das hätte anders machen sollen. Dass man diesen verdammten Fehler schon wieder gemacht hat. Also warum müssen andere Menschen einem das noch unter die Nase binden? Aber dann gibt es eben auch Eigenschaften an uns, die wir gar nicht ändern können. Oder noch wichtiger. Die wir gar nicht ändern wollen. Und Charaktereigenschaften zu kritisieren ist außerdem sowieso ziemlich fies. Denn so sind wir nun einmal. Mit unseren guten Charakterzügen gehen eben immer auch schlechte einher. Aber gerade das macht uns doch als Mensch aus. Diese kleinen Macken, die wir haben. Und die manchmal sogar ganz liebenswert sein können.

Vielleicht dürfen wir böse Worte nicht immer so nah an uns rann lassen. Aber vielleicht müssen wir Kritik auch öfter mal annehmen. Und vielleicht sollten wir ein bisschen mehr darauf achten, was wir Freunden, manchmal sogar Fremden, um die Ohren werfen. Denn vielleicht stört es denjenigen ja selber, aber er kann es eben schwer ändern. Oder vielleicht stört es denjenigen eben gar nicht. Und dann stehste da wieder.

So richtig tief im Fettnäpfchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.