Weltschmerz.

Ich schließe die Wohnungstür auf und alles ist still. Ich stelle meinen Koffer ab, ziehe meine Jacke und die Stiefel aus und gehe ins Wohnzimmer. Hier sieht alles so aus wie immer. Die Kissen liegen unordentlich auf der Couch. Ich habe vergessen meine Teetasse zu spülen. Der Teebeutel ist ausgetrocknet. Ich drehe die Heizung hoch und zünde ein paar Kerzen an. Das mache ich wirklich selten. Aber heute soll es gemütlich sein. Ich lasse mich auf die Couch fallen und seufze. Puh. Die Welt macht mich fertig. Ich schalte den Fernseher ein, koche mir einen Tee. Ich zappe und zappe. Nein. Das möchte ich alles nicht sehen. Ich schalte den Fernseher wieder aus. Es ist still. Ich wohne mitten in der Innenstadt. Aber es ist still. Gut. Es ist Sonntag. Vielleicht ist es hier jeden Sonntag still und es ist mir noch nie so bewusst ausgefallen. Weil es bei mir nie still ist. Musik. Fernseher. Telefon. Waschmaschine. Spülmaschine. Nachbarn. Autos. Straße. Kinder. Alltag. Wie immer eben. Aber heute. Stille.

Und in mir drin? Auch Stille. Ich bemühe mich an nichts zu denken. Das klappt natürlich hervorragend. Dann denke ich eben an was schönes. Aber mir fällt nichts ein. Ich würde meine Gedanken so gerne mal abschalten. Denn die Stille ist nicht die Ruhe, nach der ich mich sehne. Die Stille ist eher ein Gefühl von Hilflosigkeit. Verzweiflung. Unverständnis. Und dieses Gefühl trage ich schon seit sehr langer Zeit mit mir herum. Immer wieder angefacht von neuen Ereignissen.

Es schmerzt. Man kann es kaum beschreiben. Aber es tut wirklich weh. Eine Mischung aus Kloß im Hals. Ein Kurz-vor-dem-Weinen-Gefühl. Der Körper angespannt. Der Kopf dröhnt. Das Herz zieht. Übelkeit. Und müde. Ich bin unglaublich müde. Obwohl ich gar nichts tue. Wie hält man das aus? Kann man das überhaupt? Soll man das überhaupt aushalten? Oder wird dieses unerträgliche Gefühl immer ein Teil von mir sein? Damit ich daran erinnert werde, dass eben nicht alles gut ist. Im Gegenteil. Eigentlich ist meistens gar nichts gut. Und so sehr man das im Alltag verdrängen kann. So sehr wird man von einer Sekunde auf die andere wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Als würde mir jemand die Luft abschnüren. Und ich sitze da und kann mich nicht bewegen. Versuche nachzuvollziehen, was da auf der Welt gerade passiert. Aber ich werde es einfach nie verstehen. So sehr ich mich auch bemühe.

Also sitze ich auf der Couch. Und ertrage es. Lasse es über mich ergehen. Und in ein paar Tagen schwächt dieses Gefühl wieder ab. Aber es wird wiederkommen. Und es wird mich wieder genau so unverhofft überwältigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.