All by myself

IMG_4988Es gibt Dinge, die muss man alleine tun. Das fängt damit an, dass man irgendwann nicht mehr von Mama und Papa getragen wird oder im Kinderwagen durch die Gegend geschoben wird. Sondern irgendwann muss man laufen. Und weil man das dann so gut kann, darf man auch irgendwann alleine zur Schule laufen. Und irgendwann auch abends mal alleine raus. So voll mit Verantwortung und Vertrauen.

Dann gibt es aber auch Dinge, die man nur alleine machen darf, obwohl man das vielleicht gar nicht will. So wie mündliche Prüfungen, Vorstellungsgespräche, Jahresgespräche oder auch einfach der erste Arbeitstag. Da kann dann keiner mehr neben dir sitzen und Händchenhalten. Niemand jubelt dir zu. Niemand guckt dich an und nickt dir mit einem Du-schaffst-das-Blick zu. Du weißt nicht, ob das was du da gerade tust richtig oder totaler Blödsinn ist. Aber du vertraust dir doch, oder? Ich meine, wenn du dir nicht vertraust und hinter dir stehst, warum sollte es ein anderer tun? Und manchmal geht alles gut. Und du atmest erleichtert auf. Und manchmal rasselst du durch oder machst einen Fehler. Und dann weißt du aber auch woran es liegt und machst es das nächste mal anders. So oder so sind diese Alleinerfahrungen wichtig und gut für dein Leben.

Also warum übertragen wir sie nicht noch mehr auf unseren Alltag? Warum wollen wir immer jemanden dabeihaben? Natürlich ist es schön Momente zu teilen. Aber auf meiner Liste stehen trotzdem Dinge, die ich unbedingt alleine machen will. Und das hat nichts mit Single oder Pärchen zu tun. Sondern das ist einfach purer Egoismus. Und ich meine damit positiven Egoismus.

Auf der Liste stehen Dinge wie: Allein in eine Bar. Allein in ein Restaurant. Allein reisen. Allein eine wichtige Entscheidung treffen. Allein etwas verrücktes machen und niemandem davon erzählen. Allein den Tag verbringen, ohne sich allein zu fühlen.

Allein in einer Bar war ich letztens. Na gut. Es ist ein bisschen geschummelt, weil ich den Barkeeper kannte. Aber der konnte ja auch nicht die ganze Zeit bei mir sitzen. Also habe ich Freitagabend einen Cocktail getrunken und eine Zeitung gelesen. Und was soll ich sagen? Es war fabelhaft. Ich habe Gesprächen am Nachbartisch zugehört (Ja, ich finde übrigens auch, dass der Typ ein Arschloch ist!). Und ich habe Menschen beobachtet. Und ich habe mir so eine Alleinzeit viel einsamer vorgestellt. Aber so war es nicht. Ich habe mich überhaupt nicht allein gefühlt.

Heute probiere ich zum ersten Mal aus alleine zu reisen. Nur kurz. Aber es ist schon mal die Probe für eine größere Reise. Denn ist es wirklich die Einsamkeit vor der wir Angst haben? Oder, dass wir mit uns alleine nicht zurechtkommen? Dass wir uns irgendwann selber auf die Nerven gehen?

Vielleicht hake ich auf dieser Reise auch schon das Verrückte ab, das ich machen will, ohne davon zu erzählen. Aber das wirst du ja leider nie erfahren.

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