Parisienne

IMG_4933Es gibt so Tage, da wär ich gerne jemand ganz anderes. In einem völlig anderen Leben. In einem anderen Land. Vielleicht sogar in einer anderen Zeit. An diesen Tagen möchte ich mein ganzes Leben hinter mir lassen und einfach ein paar Tage in eine neue Rolle schlüpfen. Meistens wünsche ich mir das, wenn ich ein neues Buch gelesen habe und ein bisschen in Love mit der Autorin oder dem Hauptcharakter bin. Das ganze funktioniert auch mit Serien oder Filmen.

Wer von uns wollte nicht schon mal Carrie Bradshaw sein? Ein bisschen für die Vogue arbeiten, eine Millionen Schuhe kaufen und trotzdem in Manhattan wohnen.

Neuerdings überkommt mich der Rollentausch-Wunsch immer öfter nachdem ich französische Filme geguckt hab. Sophie Marceau, Caroline de Maigret und Audrey Tautou haben es mir schon lange angetan. Diese Pariser Leichtigkeit. Dieses Savoir vivre. Dieses Temperament. Ich bin hin und weg. Fasziniert! Und ganz klar neidisch.

Neidisch auf ein Lebensgefühl. Auf eine Staatsangehörigkeit. Ist das freaky? Oder traurig?

Letztes Jahr war ich das erste Mal in Paris. Ich wusste natürlich schon vorher, dass ich es lieben würde. Liebe ist gar kein Ausdruck. Vergötterung trifft es eher. Mag Paris noch so dreckig sein. Und voller Touristen. Die Atmosphäre. Die Architektur. Die Sprache. Die Kultur. Die Menschen. Das alles möchte ich immer um mich haben. In Cafés sitzen. Wein oder Kaffee trinken. Dabei ein Buch lesen und Menschen beobachten. Das klingt für mich schon nach dem perfekten Tag.

Die perfekt unperfekten Franzosen. Die Frauen wirken gleichzeitig streng und feminin. Sie tragen tolle Klamotten und ihre Haare sehen aus, als würden sie gerade aus dem Bett kommen. Die Männer geben dir das Gefühl, dass du die Eine bist und gleichzeitig weißt du, dass es nicht so ist. Aber trotzdem bist du ganz entzückt.

Ich möchte gestreifte Sachen tragen und Baguette essen (auch, wenn beides dick macht!). Es ist so klischeehaft, dass ich mich eine bisschen schäme. Aber es ist der perfekte Tagtraum, wenn das eigene Leben mal wieder nervt.

Und da meine französischen Sprachkenntnisse zu wünschen übrig lassen, ist dieser Traum noch unrealistischer, als er ohnehin ist.

Aber brauchen wir nicht so eine kleine verrückte Idee im Kopf? Einen Ort, an den wir uns zwischendurch mal hinträumen können? Eine Rolle, in die wir in einem stillen Moment schlüpfen können. Es geht ja gar nicht darum, diesen Traum wirklich zu erfüllen. Und, wenn doch, dann umso besser. Aber in erster Linie geht es um Wünsche. Um Fantasie. Um geheime Vorstellungen.

Paris steht auf meiner Reiseliste immer ganz oben. Ob ich jemals dort wohnen werde? Wer weiß. Bis dahin heißt es aber erstmal noch mehr französische Filme gucken. Käse und Wein. Und eine Millionen mal diesen fabelhaften Song hören:

5 Kommentare

  1. Kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber: Warum nicht die Träume leben und nach Paris ziehen?? Zumindest für ein Jährchen oder zwei? 🙂 One day baby we’ll be old….

  2. Kann auch ich sehr gut nachvollziehen…solche Gedankenspiele sind ziemlich prickelnd.Für die allermeisten bleiben es aus privaten und/oder beruflichen Verpflichtungen eben nur schöne Träumereien.Davon lebt die Film/Buchindustrie und natürlich auch die Werbung.Erhalte dir diese Neugier,wer weiß was noch passiert in deinem Leben!Ich empfehle zum Thema: „Der talentierte Mr.Ripley“,P.Highsmith-Verfilmung,sehr gut und stilvoll umgesetzt.Achja,und für die ganz tiefen Sinneseindrücke:“Himmel über der Wüste“(Paul Bowles),erst Buch-dann Film…berauschend,melancholisch,zeitlos.

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