Der Single-Virus

image1Wie lange bist du jetzt eigentlich schon solo? Hmmm, es müssten jetzt sechs Jahre sein. Sechs Jahre? Oh Gott, du Arme. Und wie geht es dir damit?

Wie es mir damit geht? Das Single-Dasein scheint mittlerweile von langjährigen Pärchen nur noch als eine Art Krankheit gesehen zu werden. Als ein blutrünstiger Virus mit hoher Ansteckungsgefahr. Deshalb wollen Pärchen auch so ungern etwas mit den Infizierten zu tun haben. Man könnte ja plötzlich Lust haben alleine zu sein. Und das geht als Pärchen ja schon mal gar nicht. Pärchen wollen ein Wir sein. Aber wir Singles sind ein Ich. Ein manchmal einsames, aber eigenständiges Ich. Wir haben gelernt mit dem Virus zu leben.

Tagsüber geht das auch ganz fabelhaft. Da denkt man gar nicht an die Krankheit. Singles können den lieben langen Tag tun und lassen, was sie wollen. Und vor allem spontan. Ohne Schatzi zu schreiben, dass wir noch mit einer Freundin Mittagessen sind und wir deshalb abends nicht mehr so großen Hunger auf die Lasagne haben, die wir zwei Süßen gemeinsam kochen wollten, bevor wir uns auf die Couch kuscheln und eine Romantikkomödie mit Jennifer Aniston (Die hat ja jetzt zum Glück auch jemanden gefunden!) gucken. Nein, nein. Wir Singles wissen morgens noch nicht was wir mittags essen. Und abends schon mal gar nicht. Denn abends sind Singles immer unterwegs. Immer! Das ist ja allgemein bekannt. Und manchmal tun Pärchen so, als würden sie uns darum beneiden. Hachja, ich würde ja auch gerne mal wieder raus. Ist ja schon schön, dass du machen kannst, was du willst.

Oh ja. Das finde ich allerdings auch. Denn abends, das gebe ich zu, kommt der Single-Virus wieder ganz besonders zum Vorschein. Dann tut’s auch manchmal weh, dass man alleine ist. Und dann ist Ablenkung die beste Medizin. Und neue Leute und Bars kennenlernen eine sehr angenehme Nebenwirkung, auf die man auch gerne mal neidisch sein darf. Unter der Woche sind Bars ganze Selbsthilfegruppen für Singles. Hier treffen sich Neuinfizierte und die, die schon lange mit der Krankheit leben. Und der Trend geht schon gar nicht mehr zur Heilung. Weil man als Single einfach ein lockeres Leben hat.

Weil wir spontan sein können, ohne jemandem Bescheid sagen zu müssen. Weil man auch als Single zu zweit sein kann, wenn man mal Bock drauf hat. Aber bitte nicht bis zum Frühstück! Weil wir drei Tage im Bett rumgammeln können, ohne, dass jemand uns motivieren will was zu machen. Weil wir keine Verpflichtungen gegenüber Schwiegereltern in Spe haben, an freien Sonntagen verkatert zu einem lustigen Kaffeeklatsch vorbeizukommen. Und überhaupt. Weil wir mittlerweile den Pärchensonntag total gut im Griff haben.

Denn ja, liebe Pärchen. Uns geht es gut damit! Keine Sorge!

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