Rücksichtlos

IMG_4812Zwei Menschen lieben sich. Zwei Menschen führen eine Beziehung. Einer liebt nicht mehr so sehr wie der andere. Einer macht Schluss. Der eine lernt einen neuen Menschen kennen, den er liebt. Der andere noch nicht. Das klingt erstmal unfair. Schluss machen und dann auch noch einen neuen Menschen haben. Das merkt er auch. Also nimmt er Rücksicht. Keine gemeinsamen Fotos mit dem neuen Partner bei Facebook. Keine Knutscherei in der Öffentlichkeit. Geringes Händchenhalten. Andere Clubs. Andere Kneipen. Monate vergehen. Der Mensch fragt sich, wie lange er wohl noch Rücksicht nehmen muss. Der Mensch fragt sich, ob der Ex-Partner genau so rücksichtsvoll gewesen wär. Der Mensch weiß es nicht.

Wie lange muss man nach einer Trennung aufpassen, dass man mit dem Neuen nicht in der Lieblingskneipe des Ex rumhängt? Wie lange darf man keine gemeinsamen Urlaubsfotos öffentlich machen? Wie lange darf man sich in der Öffentlichkeit nicht total verliebt bewegen, damit man niemanden verletzt? Und, muss man das überhaupt?

Der Mensch an sich ist ein ziemlicher Egoist. Manche Eltern haben ihre Kinder dann trotzdem zu rücksichtsvollen Menschen erzogen. Und manche Menschen sind dann so rücksichtsvoll, dass sie sich selber nichts Gutes mehr tun können, aus Angst jemanden zu verletzen oder Unrecht zu tun. Sie überlegen alles, was sie tun, dreimal. Gehen alle möglichen Optionen durch. Was könnte passieren, wenn? Aber was ist, falls? Der Rücksichtsmensch ist oft in seinen vielen Gedanken gefangen. Und dann. Dann denkt er plötzlich: Moment mal, würde der andere das für mich auch tun? Und meistens lautet die Antwort nein.

Eine Gruppe Mädchen tanzt. Eine Freundin kommt dazu und bringt noch jemanden mit. Die Gruppe begrüßt die Freundin. Die Neue bekommt den ganzen Abend nur Rücken zu sehen. Denn wen kümmert’s, dass sie keinen kennt? Niemand fühlt sich verantwortlich. Nicht mal die Freundin, die sie mitgebracht hat. Die muss jetzt erstmal mit den anderen quatschen. Vielleicht ist ein Rücksichtsmensch in der Gruppe. Dann hat sie Glück. Vielleicht schafft sie es auch, sich selber in die Gruppe zu integrieren. Aber vielleicht wird’s auch einfach nur ein richtig ätzender Abend. Ein immer wieder zu beobachtendes Szenario.

Bist du ein Rücksichtsmensch? Machst du dir Gedanken darüber, ob es anderen gut geht? Ob dein Verhalten jemanden verletzen könnte? Ob du dir lieber selbst der Nächste bist, als jemandem den Vortritt zu lassen? Oder ist es dir einfach egal? Ist jeder seines Glückes Schmied? Sind andere selber Schuld?

Vielleicht ist es verrückt sich immer Gedanken darüber zu machen, ob das eigene Verhalten andere stört oder verletzt. Vielleicht ist es aber auch asozial, wenn man einfach immer rücksichtslos ist.

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