Schweinehund

IMG_4797Eigentlich sind Haustiere so gar nicht mein Ding. Als Kind hatte ich mal einen Hamster. Und danach wurde mir klar. Nä, nicht meins. Aber ein kleiner Mann ist schon als Welpe bei mir eingezogen. Es war Liebe auf den ersten Blick und ich kümmere mich wirklich sehr liebevoll um ihn. Mein kleiner Schweinehund. Naja klein ist er mittlerweile nicht mehr. Ich habe ihn ziemlich gut gefüttert und verhätschelt. Und jetzt ist er ein riesiger Koloss. Aber eins muss man ihm lassen. Er ist immer an meiner Seite. Will über jede meiner Entscheidungen diskutieren. Und ich kann nicht abstreiten, dass ich das nicht mit mir machen lassen würde. Hey Schweinehund, gehen wir zum Sport? Hey Schweinehund, lernen wir für die Klausur? Hey Schweinehund, putzen wir die Wohnung? Hey Schweinehund, essen wir heute Abend mal Salat statt Pizza? Und dann, dann reagiert mein kleiner Wuschel immer gleich: er setzt den Schweinehundblick auf. Können wir nicht noch ein bisschen auf der Couch kuscheln? Und dann setze ich mich wieder hin, leg die Beine auf den Tisch und kraule ihm den Nacken.

Wieso sind wir so oft solche Faulis? Wieso können wir uns manchmal einfach nicht überwinden? Wieso müssen wir uns immer selbst gut zureden, dass wir zum Sport gehen. Dass wir uns an den Schreibtisch setzen. Dass wir unsere Wohnung, in der wir uns wohl fühlen wollen, endlich sauber machen. Dass wir auf unsere Gesundheit achten. Alles Dinge, die uns gut tun. Und trotzdem schaffen wir es oft nicht diese Dinge zu tun. Warum ist das so anstrengend? Und warum verschwenden wir unsere Zeit lieber auf der Couch (die dringend mal abgesaugt werden sollte!)?

Als ich meine Masterarbeit geschrieben habe, hat es mir dann gereicht. So Schweinehund. Tiere sind in der Bibliothek leider verboten. Du musst draußen warten und chillen! Und das hat funktioniert. Denn, wenn man einmal anfängt, das wissen wir, dann fluppt es meistens richtig gut. Und für Dinge mit Ablaufdatum klappt das auch ganz hervorragend. Klausuren und Hausarbeiten. Die muss man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeben bzw. schreiben. Und, wenn der Druck groß genug wird, dann kann man sich auch endlich überwinden etwas dafür zu tun.

Aber wie diszipliniert man sich, um regelmäßig Sport zu machen? Um endlich kein Fast Food mehr zu essen? Um sofort nach dem Kochen zu spülen? Um am freien Tag nicht den ganzen Tag im Bett Filme zu gucken? Um auf der Arbeit 110% zu geben?

Ich habe die lange Leine weggeschmissen und halte den Schweinehund jetzt ziemlich kurz. Am Anfang war er echt stinkig, aber jetzt hat er akzeptiert, dass ich hier das Sagen hab. Und, wenn er nicht mitmacht, dann muss er allein zuhause bleiben und ich erzähl ihm hinterher wie fleißig ich war und was für einen tollen Tag ich hatte. Und das mag er gar nicht, der kleine Wuschel.

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