Zu alt für diesen Kram

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Mit sechsundzwanzig anfangen Skateboard zu fahren. Sich mit fünfzig bei Facebook anmelden. Mit dreißig noch ein neues Instrument lernen. Nochmal eine neue Sprache lernen. Eine Umschulung machen. Freitag UND Samstag feiern gehen. Einen Minirock tragen. Wann ist man zu alt für diesen Kram? Oder ist man überhaupt irgendwann zu alt für diesen Kram?

Mit der zunehmenden Digitalisierung ist meiner Schwester und mir irgendwann aufgefallen, dass unsere Eltern so gar nicht mehr auf dem neuesten Stand sind. Und wenn man einmal raus ist, dann ist es schwer da wieder reinzukommen. Ist wie bei Mathe. Als meine Mutter zum Geburtstag ein Tablet bekam, führte eins zum anderen. Und ein paar Tage später hatte ich eine Freundschaftsanfrage bei Facebook. Dass wir mittlerweile eine Familien-Whatsapp-Gruppe haben, in jedem Urlaub skypen und meine Eltern mir Apps vorschlagen, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen. Aber was ich sehr wohl erwähnen will, ist, dass ich ziemlich stolz auf die beiden bin. Dass sie sich getraut haben, sich doch nochmal mit diesem sogenannten Internet, sozialen Netzwerken, Smartphones und anderen neuen Medien auseinanderzusetzen.

Gibt es überhaupt ein zu alt? Und, wenn ja, wann ist das und wer entscheidet das?

Auf der Arbeit gab es mal eine Diskussion darüber, ab wann man keine Ballerinas mehr tragen dürfe. Ähm was? Ich hätte nie gedacht, dass es da eine Altersbeschränkung gibt. Aber eine Arbeitskollegin war ganz fest davon überzeugt, dass die Dinger nur was für junge Hühner sind. Und das zeigt schon, dass jeder ein anderes empfinden für zu-alt-für-diesen-Kram hat.

Je älter wir werden, desto lieber nörgeln wir über diese jungen Hühner. Vielleicht um unsere Angst, zu alt für etwas zu sein, zu überspielen? Hach, die jungen Hüpfer. Die können das Lied doch gar nicht kennen. Da waren die doch noch gar nicht geboren. Lächerlich. Und dann noch diese Hotpants. Da guckt ja der halbe Hintern raus. Und das sagen wir, während wir unsicher unseren Cocktail schlürfen und uns fragen, ob die kleinen Mädels da vorne nicht schon unsere Kinder sein könnten. Dann gähnen wir und wollen nur noch in unser gemütliches Bett. War ja auch ne harte Arbeitswoche. Und man muss ja nicht mehr jedes Wochenende bis in die Puppen tanzen.

Ach nein? Warum eigentlich nicht?

Vielleicht sind wir zu alt, um auf Isomatten zu schlafen, um Zöpfe zu tragen, um Boybands anzuhimmeln, um in unangemessenen Situationen zu lachen, um billigen Erdbeersekt zu viert aus der Flasche zu trinken (heimlich!!!). Aber dafür sind wir vielleicht auch noch zu jung, um beige Gesundheitsschuhe zu tragen, viel Geld für Wein auszugeben und Abendbrot um 18 Uhr zu essen. Jedes Alter bringt so seine Tücken mit sich. Und man muss nicht mehr jeden Scheiß mitmachen. Aber man kann, wenn man Bock drauf hat. Mit dem Unterschied, dass man nicht mehr alles auf die jugendliche Naivität schieben kann. Wir müssen uns nicht älter machen, als wir sind. Aber auch nicht ewig Kind spielen.

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