Der Musiknazi

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Baaah, mach das weg! Wie kann man sowas nur hören? Was hast du denn bitte für einen Musikgeschmack? Auf die Frage, welche Musik du gerne hörst, sagst du wahrscheinlich Radio, oder was?! Sowas kann man doch nicht Musik nennen!

Das, meine Damen und Herren, ist der sogenannte Musiknazi. Ein Mensch, der keine andere Musik duldelt, als die, die er selber hört. Alles, was er scheiße findet, ist auch scheiße. Da gibt es keine Diskussion! Aber…NEIN, ich sagte keine Diskussion! Denn der Musiknazi hat den ultimativen Musikgeschmack. Daran zweifelst du? Du willst das wirklich ausdiskutieren? Dann, mein Lieber, hast du verloren.

Dann lehn dich jetzt zurück, bring viel Zeit mit, eine große Tüte Popcorn und sieh dabei zu, was du angerichtet hast. Jetzt kassierst du einen Vortrag über die Anfänge der Musik, über popkulturelle Hintergründe, über feine, aber sehr wichtige Nuancen eines Songs, die ihn entweder abgrundtief ätzend machen oder eben herausragend gut. Einen Monolog über DJ’s die jeden Übergang verhunzen. Nein, auf so einer Party würde sich der Musiknazi niemals blicken lassen. NIEMALS! Hörst du? Der Musiknazi geht gerne auf Konzerte von absolut unbekannten Künstlern, um später zu sagen. Klar kenn ich, hab ich schon live gesehen. Er verdreht die Augen, wenn du nicht weißt was Indietronic ist und, wenn du denkst, dass man in der Hamburger Schule Kochunterricht nehmen kann.

Auf eine 90er Trashparty gehen? Bist du des Wahnsinns? Lokalradio im Auto hören? Dann lieber Stille! Und wenn du Musik mitbringen willst, dann bitte auf Vinyl, ja? Der Musiknazi lebt frei nach dem Motto: Sag mir was du hörst und ich sag dir wer du bist. Und wenn du das Falsche hörst, dann kannst du gehen. Denn bei einem schlechten Musikgeschmack hört die Freundschaft scheinbar auf.

Aber ist die Vielfalt nicht gerade das Interessante an Musik? Ist es nicht erstaunlich wie viel verschiedene Musik es gibt? Abgefahrene Rhythmen und Musikinstrumente. Sogar Musik ohne Instrumente. Und wie viele unterschiedliche Geschmäcker? Und genau um den unterschiedlichen Geschmack geht es doch. Natürlich haben wir nicht alle den gleichen Geschmack. Aber deshalb muss man sich vor dem Fremden ja nicht verschließen. Denn durch neue Erfahrungen erweitern wir doch gerade unseren Horizont. Wo fängt ein guter Musikgeschmack an und wo hört er auf? Kann es den richtigen Musikgeschmack geben?

Dass du Schlager scheiße findest. Dass Pop dir zu Mainstream ist. Dass du niemals auf eine HipHop-Party gehen würdest. Dass sich Klassik für dich immer gleich anhört und Techno dir Kopfschmerzen bereitet. Dass Austropop für dich Gejaule ist und du dich von Reggae schlagartig high fühlst. Und, dass Hardcore für dich einfach nur Geschrei ist. All das ist okay. Weil es vielleicht nicht deinem Geschmack entspricht. Aber es gibt dir nicht das Recht eine Nulltoleranz-Haltung einzunehmen und Andershörer mit Augenrollen abzutun. Das machst du doch im echten Leben auch nicht, oder? Im echten Leben sind wir angeblich doch auch immer so openminded.

Ich hatte mal einen Mathelehrer, der auf die Frage, was für Musik er hören würde geantwortet hat: Musik? Ich höre keine Musik. Und was machen wir jetzt mit dem?

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