Leider!

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Du sorry, ich kann leider nicht, ich muss noch zu meinen Großeltern. Nee du, heute geht’s leider nicht, ich bin schon verplant. Leider keine Zeit, ich muss noch bei meinen Eltern Blumen gießen. Mir geht’s leider nicht so gut, ich bleib lieber zuhause.

Leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider, leider…

Na, bist du auch so ein Ausredenkönig? Herzlichen Glückwunsch, damit bist du sowas von überhaupt nicht allein. Ausreden gehören mittlerweile so sehr zu unserem Alltag, dass wir gar nicht mehr merken, dass wir die kleine Notlüge überhaupt benutzen. Dabei sind solche Spielchen oft so unnötig.

Aber es ist halt so praktisch. So einfach. Und so schnell erledigt. Du musst nichts weiter erklären. Dich nicht rechtfertigen. Schließlich kann dir niemand vorwerfen, dass du deine Omi endlich mal wieder besuchst. Oder, dass du eben schon andere Pläne hast. Du bist schließlich ein beliebter und viel beschäftigter Mensch. Da muss man dich schon früher fragen. Und die Blumen bei deinen Eltern dürfen nicht vertrocknen. Wir erinnern uns schließlich alle daran, was das das letzte Mal für einen Ärger gab. Das kannst du leider wirklich nicht auf morgen verschieben. Bei den Temperaturen! Und wenn du Magen-Darm hast, dann will dich ganz sicher keiner sehen. Beste Ausrede, aber auch eklige Vorstellung. Da muss es dir schon wirklich wichtig sein, nicht zu können, wenn du riskierst, dass andere erzählen, dass du nicht dabei bist, weil du die halbe Nacht auf dem Pott verbracht hast. Wieso fällt es uns so schwer zu sagen, dass wir einfach keinen Bock haben? Keine Lust haben was zu machen? Oder vielleicht keine Lust hast mit einer bestimmten Person Zeit zu verbringen?

Wieso denken wir uns lieber was aus, anstatt die Wahrheit zu sagen?

Weil wir feige sind? Weil wir niemanden verletzen wollen? Weil es manchmal keinen wirklichen Grund gibt? Weil wir keinen Bock auf Stress haben?

Ich habe mir angewöhnt zu sagen, dass ich keinen Bock hab etwas zu unternehmen, wenn ich wirklich keinen Bock hab. Und damit fahre ich sehr gut. Und doch gibt es immer wieder Situation, in denen ich auch zu ihr greife. Zu einer kleinen Notlüge. Einer feigen Ausrede. Weil ich keine Lust hab auf eine Diskussion. Keine Lust darauf hab, dass mich jemand überreden will etwas zu tun, das ich nicht tun will. Weil ich etwas nicht getan hab, das ich hätte tun soll. Weil ich etwas nicht zugeben möchte, was mich in eine unangenehme Situation bringen würde. Weil ich niemanden verletzen will.

Ob ich es schaffe irgendwann ganz ohne ein Leider auszukommen? Leider nicht so leicht.

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