Alles ist perfekt!

Während Casper seinen Perfekt-Song wieder unsäglich aus dem Radio jault, frage ich mich, wieso wir diesen Hang zur Perfektion eigentlich haben. Wieso wir so sehr danach streben. Und das in jeder Hinsicht. Wir wollen maximal schön, klug, beliebt, erfolgreich sein. Und dafür nehmen wir ziemlich viel auf uns. Manchmal vielleicht zu viel.

Aber man gerät halt so rein in diese Sache. Es fängt ganz klein an. Du tust etwas. Du bekommst ein Lob. Bestätigung. Hmmm fühlt sich gut an. Aber das geht noch besser. Also hängst du dich rein. Um nochmal dieses Gefühl zu spüren. Aber dieses Mal möchtest du noch mehr. Willst nochmal ein Kompliment für deine gute Figur bekommen. Willst, dass der Prof dir endlich eine eins gibt, weil du so viele Nächte gelernt hast. Willst, dass du bewundert wirst für all das was du tust. Ein Vorbild sein. Das perfekte Vorbild sein.

Strebsam zu sein ist bestimmt gesund. Sich hohe Ziele setzen. Immer weiterkommen zu wollen. Alles so perfekt wie möglich zu machen. Aber eben nur so perfekt wie möglich.

Doch bei bestimmten Dingen kann man einfach nicht aufhören perfekt sein zu wollen. Weil man doch schon so viel Arbeit reingesteckt hat. Weil man schon so weit gekommen ist. Also warum sollte man nicht einfach jeden Tag Sport machen? Dann bekommst du deinen perfekten Körper noch viel schneller. Naja und dann könnten die Brüste noch ein bisschen größer sein. Und die Haare etwas voller. Und die Lippen etwas praller. Und dann blätterst du in Magazinen und willst aussehen wie ein Photoshopmodel. Kannst schön von perfekt nicht mehr unterscheiden.

Das gleiche gilt für gute Noten. Sie sind natürlich erstrebenswert. Wer möchte nicht Jahrgangsbester sein? Aber wie viel würdest du dafür geben? Jeden einzelnen Tag opfern? Dein ganzes Leben am Schreibtisch verbringen? Tage und Nächte durchmachen? Sich an Kleinigkeiten aufhalten, weil du einfach nicht anders kannst. Und wofür das alles? Für den perfekten Notendurchschnitt? Für Anerkennung? Für eine perfekte Zukunft? Auch. Aber am meisten für dich selbst.

Weil Perfektionisten nicht anders können. Und dafür werden sie bewundert. Und das ist bestimmt ein tolles Gefühl. Aber vielleicht würden sie manchmal auch lieber nicht ganz so perfekt sein. Ecken und Kanten akzeptieren. Sich nicht selbst so unter Druck setzen. Schönheitsfehler lieben lernen, statt alles unter einer fetten Schicht Make-up zu verstecken. Und vielleicht merken, dass Sommersprossen gar nicht mal so furchtbar sind. Auch mal mit einer durchschnittlichen Note leben können, aber dafür ein paar tolle Tage mit deinen Freunden zu verbringen.

Aber das ist für Perfektionisten eben nicht so einfach. Sie können nicht einfach einen auf locker machen. Aber sie könnten versuchen mit kleinen Dingen anzufangen. Akzeptieren, dass keiner perfekt ist. Dass man nicht immer 100% geben kann. Und zu merken, dass unperfekt manchmal viel perfekter ist.

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